Bypass und Durchgangsbahnhof – So sollen die Luzerner Mega-Projekte jetzt «zeitnah» umgesetzt werden
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Bypass und DurchgangsbahnhofSo sollen die Luzerner Mega-Projekte jetzt «zeitnah» umgesetzt werden

Seit Jahren versuchen Stadt und Kanton, die Mega-Projekte Bypass und Durchgangsbahnhof zum Laufen zu kriegen. Mit mässigem Erfolg. Doch jetzt soll es endlich vorwärtsgehen: Der Stadtrat und Kantonsregierung wollen die Projekte nun zeitnah angehen.

von
Rochus Zopp
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Regierungsrat Marcel Schwerzmann (mitte) und Stadtpräsident Beat Züsli (links) unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung zu den Projekten Durchgangsbahnhof und Bypass.

Regierungsrat Marcel Schwerzmann (mitte) und Stadtpräsident Beat Züsli (links) unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung zu den Projekten Durchgangsbahnhof und Bypass.

20min/Rochus Zopp
«Wenn Stadt und Kanton gemeinsame Interessen verfolgen, ist es sinnvoll, wenn man diese Projekte gemeinsam anpackt», sagte Schwerzmann an der Medienkonferenz. Anwesend waren (v.l.n.r.) die Regierungsräte Fabian Peter und Marcel Schwerzmann, Stadtpräsident Beat Züsli und Stadtrat Adrian Borgula.

«Wenn Stadt und Kanton gemeinsame Interessen verfolgen, ist es sinnvoll, wenn man diese Projekte gemeinsam anpackt», sagte Schwerzmann an der Medienkonferenz. Anwesend waren (v.l.n.r.) die Regierungsräte Fabian Peter und Marcel Schwerzmann, Stadtpräsident Beat Züsli und Stadtrat Adrian Borgula.

20min/Rochus Zopp
So soll der Durchgangsbahnhof Luzern dann aussehen. Mit dem Projekt sollen in Zukunft mehr Züge nach Luzern kommen.

So soll der Durchgangsbahnhof Luzern dann aussehen. Mit dem Projekt sollen in Zukunft mehr Züge nach Luzern kommen.

SBB

Darum gehts

  • Der Luzerner Stadtrat und die Kantonsregierung unterzeichneten am Montag eine gemeinsame Absichtserklärung zum Durchgangsbahnhof und dem Bypass Luzern.

  • Der beiden Infrastrukturprojekte sollen mit höchster Priorität vorangetrieben werden.

  • Die Jungen Grünen Luzern sind nicht zufrieden. Der Stadtrat widerspreche mit der Absichtserklärung seinen eigenen Klimazielen.

Im Kanton Luzern stehen in den nächsten 15 bis 20 Jahren zwei riesige Infrastrukturprojekte auf dem Plan, die Bedeutung für die gesamte Schweiz haben. Mit dem Durchgangsbahnhof soll Luzern zur neuen Drehscheibe des Nord-Süd-Verkehrs auf den Schienen werden. Kostenpunkt: 2,4 Milliarden allein für den Bahnhof Luzern. Und der Bypass soll die bisherige A2 entlasten und in Zukunft als Stadtautobahn in Luzern dienen. Kostenpunkt: 1,7 Milliarden Franken.

Projekte sollen mit höchster Priorität vorangetrieben werden

Um die beiden Grossprojekte voranzutreiben, haben der Luzerner Stadtrat und die Kantonsregierung am Montag eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Darin wird festgehalten, dass die Schlüsselprojekte Durchgangsbahnhof Luzern und Bypass Luzern sowie die damit zusammenhängenden Projekte «mit höchster Priorität vorangetrieben und realisiert werden» sollen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von Stadtpräsident Beat Züsli (SP) und Regierungsratspräsident Marcel Schwerzmann (parteilos) im Beisein des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektors Fabian Peter (FDP) und des städtischen Umwelt- und Mobilitätsdirektors Adrian Borgula (Grüne). «Wenn Stadt und Kanton gemeinsame Interessen verfolgen, ist es sinnvoll, wenn man diese Projekte gemeinsam anpackt», sagte Schwerzmann an der Medienkonferenz.

Durchgangsbahnhof Luzern

Das Projekt Durchgangsbahnhof Luzern besteht aus den drei Abschnitten Tiefbahnhof, Dreilindentunnel und Neustadttunnel. Vier Gleise sollen unter dem bisherigen Bahnhof geschaffen werden. Dadurch können im Regional- und Fernverkehr dichtere Takte gefahren werden. Mit dem Durchgangsbahnhof sollen zum Beispiel zwischen Luzern und Zürich vier Fernverkehrszüge und vier S-Bahnen pro Stunde verkehren – heute sind es je zwei.

Der Dreilindentunnel, der das Luzerner Seebecken durchquert, ist der Anschluss Richtung Zürich/Gotthard. Der Neustadttunnel verbindet den Bahnhof mit den Strecken Bern/Basel.

Die Bahnhöfe Ebikon, Emmenbrücke und Sursee sollen im Zuge des Projekts auch ausgebaut werden. Zudem soll in Dierikon eine Abstellanlage für Personenzüge entstehen.

Für die Stadt bedeuten die beiden Projekte aber auch eine Belastung. «Die Stadt kann vom Ergebnis der beiden Projekte profitieren, ist aber während der Bauzeit stark davon betroffen», sagte Stadtpräsident Züsli. Gerade der Bau des Durchgangsbahnhofs habe starke Auswirkungen auf die Innenstadt.

Einsprache des Stadtrats gegen Bypass

Die beiden Grossprojekte sind allerdings nicht frei von Kritik. So sagte der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel zum geplanten Durchgangsbahnhof gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Wir sollten nicht Geld investieren in Projekte, bei denen das Verhältnis von Kosten und Nutzen nicht stimmt. Da gäbe es Gescheiteres.» Noch grösser ist der Widerstand gegen den Bypass - und das sogar aus den eigenen Reihen. Die Stadt Luzern hat gegen das Projekt Einsprache erhoben, um Verbesserungen zu erwirken. «Der Stadtrat ist vom Parlament beauftragt, sich gegen den Bypass auszusprechen, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden», bestätigte Stadtrat Borgula.

Junge Grüne: «Stadtrat missachtet Parlamentsentscheide»

Die Jungen Grünen Luzern sprechen gar von einer «peinlichen Bypass-Aktion». Der Stadtrat widerspreche mit der Absichtserklärung gar der eigenen Klimastrategie, schreiben die Jungen Grünen in einer Medienmitteilung. Grossstadtrat Jona Studhalter dazu: «Diese Aktion des Stadtrates ist komplett daneben. Sie schadet dem Klima, missachtet Parlamentsentscheide und macht den Stadtrat als Gremium unglaubwürdig.»

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