«Kreuzritter griffen an»: So spricht Saif al-Islam hinter Gittern
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«Kreuzritter griffen an»So spricht Saif al-Islam hinter Gittern

Der Lieblingssohn von Muammar Gaddafi, Saif al-Islam ist gefasst. Nach einer abenteuerlichen Flucht wird er in Sintan festgehalten. Nun hat er sein erstes Interview gegeben.

von
kub

Nachdem Saif al-Islam am Samstag ergriffen wurde, wurde er nach Sintan südlich von Tripolis geflogen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll Saif Angst gehabt haben, aus der Antonow-Transportmaschine auszusteigen. Das Flugzeug war umzingelt von einer Menschenmenge, es wurde gejubelt. «Ich bleibe hier drin», soll der berühmte Gefangene gesagt haben, «sowie ich die Maschine verlasse, feuern die ihre Gewehre auf mich ab.» Und: «Wenn ich gewusst hätte, was hier passiert, hätte ich meinen Kopf durch das Fenster gerammt», zitiert Reuters den Gefangenen.

Doch so weit kam es nicht. Wenig später sass er in Sintan in einer Zelle an einem unbekannten Ort. Mit Turban und wucherigem Bart gab er der Fernsehstation in Sintan ein erstes Interview. Interessant ist, dass er nicht gegen die Libyer wetterte, sondern gegen die Nato. «Die Verletzung an meiner rechten Hand zog ich mir vor einem Monat zu, als Kreuzritter (Nato, Anm. d. Red.) uns angriffen, nachdem wir Bani Walid verlassen hatten. Es waren nicht die Libyer, sondern die Ungläubigen», betonte Saif gegenüber den libyschen Journalisten. 26 Leute seien dabei umgekommen, viele wurden verletzt.

«Da gibt es kein Problem»

In Sintan hätte er jetzt die nötige medizinische Betreuung, man hätte das mit ihm so abgesprochen, sagte er weiter und lässt seinen Aufenthalt in der Stadt als freiwilligen Akt erscheinen. «Wir sitzen hier mit unserer Familie und unseren Brüdern, da gibts kein Problem. Wir sprechen viel über meine medizinische Versorgung.»

Gegen den Gaddafi-Sohn liegt unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit internationaler Haftbefehl vor. Falls Saif al-Islam verurteilt wird, droht ihm lebenslange Haft. Falls der Prozess in Libyen stattfindet, sogar die Todesstrafe. Die libysche Regierung will ihn deshalb unbedingt im eigenen Land vor Gericht stellen.

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