09.10.2019 19:45

Analyse der Credit SuisseSo stark schmelzen die Renten dahin

Eine Analyse zeigt, wie viel weniger Einkommen im Alter hat, wer am Anfang des Erwerbslebens steht.

von
ehs
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Die Renten schmelzen. Je weiter weg jemand von der Pensionierung ist, mit desto weniger Rentenzahlungen aus der AHV und der Pensionskasse kann er rechnen.

Die Renten schmelzen. Je weiter weg jemand von der Pensionierung ist, mit desto weniger Rentenzahlungen aus der AHV und der Pensionskasse kann er rechnen.

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Besonders hart trifft es Gutverdienende: Ein Jurist, der zuletzt etwa 200'000 Franken verdiente und 2010 pensioniert wurde, erhält 102'000 Franken. Wird er 2061 pensioniert, sind es nur noch 68'000 Franken.

Besonders hart trifft es Gutverdienende: Ein Jurist, der zuletzt etwa 200'000 Franken verdiente und 2010 pensioniert wurde, erhält 102'000 Franken. Wird er 2061 pensioniert, sind es nur noch 68'000 Franken.

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Ein Lehrer mit einem Einkommen von zuletzt 100'000 Franken, der 2010 pensioniert wurde, erhält laut CS 57'000 Franken Renten, bei einem Eintritt ins Arbeitsleben 2021 und einer Pensionierung im Jahr 2016 nur 45'000 Franken.

Ein Lehrer mit einem Einkommen von zuletzt 100'000 Franken, der 2010 pensioniert wurde, erhält laut CS 57'000 Franken Renten, bei einem Eintritt ins Arbeitsleben 2021 und einer Pensionierung im Jahr 2016 nur 45'000 Franken.

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Schweizern schmelzen die Renten weg. Je weiter weg jemand von der Pensionierung ist, desto weniger Rentenzahlung wird er erhalten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Credit Suisse.

Fast die Hälfte der Befragten gibt im Sorgenbarometer der Bank mittlerweile an, dass die Altersvorsorge ihre grösste Sorge ist. Erstmals ist die Altersvorsorge auch unter den Jungen die Sorge Nummer eins. «Die Renten künftiger Generationen dürften markant tiefer ausfallen im Vergleich zu heutigen Rentnern», heisst es in der Studie.

Von 51 auf 45 Prozent

Eine Verkäuferin, die zuletzt 70'000 Franken jährlich verdiente und 2010 pensioniert wurde, erhält beispielsweise 40'600 Franken Rente aus AHV und Pensionskasse. Eine Verkäuferin mit der gleichen Lohnentwicklung, die in zwei Jahren zu arbeiten beginnt und 2061 pensioniert wird, erhält jährlich 3500 Franken weniger.

Auch bei den mittleren Einkommen steigt die sogenannte Vorsorgelücke. Ein Lehrer mit einem Jahreseinkommen von zuletzt 100'000 Franken, der 2010 pensioniert wurde, erhält laut CS 57'000 Franken Renten jährlich. Ein Lehrer, der in zwei Jahren zu arbeiten beginnt und 2061 pensioniert wird, kann nur noch mit 45'000 Franken jährlich rechnen. Das ist ein Rückgang des zuletzt erzielten Einkommens von 51 auf 45 Prozent. Noch stärker sinken die Renten bei den Gutverdienenden.

Erhöhung des Rentenalters nötig

Die AHV gebe bereits heute mehr aus, als sie einnehme. Mit der Pensionierung der Babyboomer verschärfe sich das Problem. Auch die Pensionskassen litten darunter. Hinzu komme, dass heutige Rentner von hohen Renditen und hohen Umwandlungssätzen profitieren, während heutige und künftige Erwerbstätige darunter leiden, dass ihre Pensionskassengelder wegen der tiefen Zinsen deutlich weniger schnell wachsen.

Die Autoren der Grossbank stellen eine Reihe von Massnahmen vor, mit denen das Problem behoben werden könne. Um eine Erhöhung des Rentenalters komme die Schweiz aber nicht herum, so die Grossbank. Dadurch werde die Phase, in der Geld gespart wird, verlängert und die Rentenzahlungen würden weniger lang erfolgen. Damit werde die Umverteilung von den Jungen zu den Alten reduziert, so die Autoren.

«Ältere fühlen sich nicht gefragt»

SP-Nationalrätin Silvia Schenker sagt, ältere Arbeitssuchende machten heute oft die Erfahrung, dass sie gar nicht gefragt seien auf dem Arbeitsmarkt. «Solange das so bleibt, wird eine Erhöhung des Rentenalters nicht akzeptiert werden. Die Arbeitgeber sind in der Pflicht, das zu ändern», sagt Schenker.

Politisch sei der Weg für einen sinnvollen Kompromiss seit der Ablehnung der Altersvorsorge 2020, die von den bürgerlichen Parteien bekämpft wurde, verbaut. «Die Materie und die Ausgangslage sind so komplex, dass es Jahre dauern wird, bis wir einen neuen Kompromiss gefunden haben», sagt Schenker.

«Verpasste Chance»

«Alle Seiten müssen etwas geben, und alle müssen etwas kriegen. Die Vorlage, die wir hatten, sah eine Erhöhung des Frauenrentenalters, aber auch einer Erhöhung der AHV-Renten und höhere Lohnabzüge vor. Einen solchen Kompromiss gibt es nicht so schnell wieder.» Nun seien die Bürgerlichen in der Verantwortung, eine Lösung zu finden: «Sie haben die Vorlage abstürzen lassen. Die Chance wurde verpasst.»

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner lässt diesen Vorwurf nicht gelten. Das grösste Problem sei, dass der Umwandlungssatz in der zweiten Säule zu hoch sei. Darunter wird der Prozentsatz verstanden, zu dem die angesparten Gelder der Pensionskassen im Pensionsalter in Form von Renten ausbezahlt werden. «Die Älteren profitieren von einem zu hohen Umwandlungssatz. Das führt zu einer Umverteilung von den Jungen zu den Alten», sagt Frehner.

Bleibt nur, länger zu arbeiten?

«Das ritzt den Generationenvertrag. Wenn Ältere sagen, dass sie diese hohen Renten verdient haben, muss man ehrlicherweise sagen: Das stimmt nur zum Teil. Die ältere Generation erhält mehr Geld, als sie selber erwirtschaftet hat.» Die Jungen sparten heute für die Alten, Dutzende Milliarden Franken würden so jährlich umverteilt.

Dass das AHV-Rentenalter erhöht werden muss, glaubt indes auch Frehner. «Die Leute werden immer älter, die AHV ist deshalb defizitär. Entweder man schiesst Geld ins System, die Leute erhalten weniger Renten, oder das Rentenalter wird erhöht», sagt er. «Unbeschränkt Gelder einzuschiessen, geht nicht, weniger Rente erhalten will aber auch niemand. Dann bleibt nur noch, länger zu arbeiten.»

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