Vorbild Deutschland? - So stark sinkt der Müllberg, wenn Feuerwerk an Silvester verboten ist
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Vorbild Deutschland?So stark sinkt der Müllberg, wenn Feuerwerk an Silvester verboten ist

Eine Mehrheit der Community von 20 Minuten würde knallendes Feuerwerk verbieten. Wie viel die Abfallmenge dadurch reduziert werden könnte, lässt ein Blick nach Deutschland erahnen. Dort ist der übliche Abfallberg durch das Verbot massiv geschrumpft.

von
Gianni Walther
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Die Leserschaft hat nichts gegen professionelle Feuerwerke. (Symbolbild) 

Die Leserschaft hat nichts gegen professionelle Feuerwerke. (Symbolbild)

Wikipedia/patpatpat
Aber Feuerwerk, das nur laut knallt, geht den Leserinnen und Lesern auf die Nerven. 

Aber Feuerwerk, das nur laut knallt, geht den Leserinnen und Lesern auf die Nerven.

20min/Michael Scherrer
Rund 65 Prozent von über 20’000 Personen möchten dies verbieten. 

Rund 65 Prozent von über 20’000 Personen möchten dies verbieten.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • An Silvester und am Nationalfeiertag fällt jeweils viel Güsel durch Feuerwerk an.

  • Teilweise wird der Abfall auf Plätzen, Wiesen und Strassen liegen gelassen.

  • In Deutschland wurde der Verkauf von Silvesterfeuerwerk verboten.

  • Dadurch wurde auch die Menge an Abfall massiv reduziert.

Bunt leuchten die Farben am Nachthimmel, begleitet jeweils von einem Knall. Vielerorts gehören Raketen, Böller und Zuckerstöcke zur Silvesterfeier. Auch am Nationalfeiertag wird gerne Feuerwerk abgebrannt. Nach dem Spass bleibt aber oftmals Abfall liegen. Ziemlich viel Abfall. Einsammeln müssen den Güsel schliesslich Landwirte, Anwohnende oder die Entsorgungsdienste. Eine Familie von Landwirten in Kriens hat am 1. Januar allein ganze 325 Liter Müll eingesammelt.

Dass durch Feuerwerk Abfall entsteht, ist logisch. Um wie viel es sich dabei handelt, ist schwierig abzuschätzen. In Deutschland gibt es wegen des Verbots von Feuerwerk, das vor Silvester und auch Ende 2020 erlassen worden war, Zahlen dazu. So wurde etwa in der Stadt Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, die rund 60’000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, an Silvester die Abfallmenge enorm reduziert: Von rund 4,07 Tonnen im Jahr 2019 ging die Menge auf gerade mal 650 Kilogramm im Jahr 2020 zurück, wie «Katapult MV» berichtet.

Vor der Corona-Pandemie «entfernten die kommunalen Entsorger am Neujahrstag allein in den fünf Grossstädten Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Frankfurt am Main alljährlich insgesamt zwischen 134 und 183 Tonnen Silvesterabfall», schreibt der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU), der über 1500 Stadtwerke vertritt. An Neujahr fiel «bedeutend weniger» an, nämlich zwischen 51,5 und 53 Tonnen Güsel. Bei den Angaben handelt es sich dabei nur um einen Teil des Silvestergüsels. «Der Grossteil wird im Laufe der darauffolgenden Tage im Zuge der regulären Strassenreinigung entfernt.»

3500 Tonnen Kunststoff eingespart

Forschende der Hochschule Pforzheim im Bundesland Baden-Württemberg hatten vergangenes Jahr berechnet, wie viel Kunststoff durch das Verbot eingespart werden konnte. Vor der Corona-Pandemie haben die Deutschen pro Jahr rund 40’000 Tonnen Feuerwerk gekauft. «Auch wenn man den diesjährigen Verzicht aus kulturellen Aspekten bedauern mag, so ist er für die Umwelt sicher sehr vorteilhaft: Ohne Silvesterfeuerwerk bleibt der Umwelt in Deutschland die Freisetzung von etwa 3500 Tonnen Kunststoff erspart – neben der Vermeidung von Lärm, Luftverunreinigungen und Verletzungen», sagt Jörg Woidasky, Professor für nachhaltige Produktentwicklung an der Hochschule Pforzheim.

Die Forschenden haben dazu bei Feuerwerkskörpern Materialanalysen durchgeführt. Ergänzt wurden diese durch unter anderem Kundenbefragungen. Das Resultat: Nur ein kleiner Teil der Feuerwerkskörper besteht aus dem Feuerwerk selbst. «Die Treib- und Effektsätze der pyrotechnischen Artikel machen davon lediglich etwa ein Drittel aus, der Rest sind feste Abfälle aus Pappe, Papier, Holz, Ton und Kunststoffen. Sie werden für Hüllen, Kappen und Verpackungen eingesetzt.»

Bei einer Umfrage in der Community von 20 Minuten hatten sich kürzlich 65 Prozent der Leserinnen und Leser für ein Verbot von Feuerwerk in der Schweiz ausgesprochen.

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