Aktualisiert 12.08.2019 16:54

VerhandlungenSo stehen die Chancen auf mehr Lohn für 2020

Die Lohnverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern stehen an. Das sind die Argumente der beiden Seiten.

von
Raphael Knecht
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Mehr Geld im Sack: Geht es nach den Gewerkschaften, steht den Schweizer Arbeitnehmenden eine saftige Lohnerhöhung zu.

Mehr Geld im Sack: Geht es nach den Gewerkschaften, steht den Schweizer Arbeitnehmenden eine saftige Lohnerhöhung zu.

Stevan Bukvic
Schliesslich wachse das Bruttoinlandprodukt seit Jahren.

Schliesslich wachse das Bruttoinlandprodukt seit Jahren.

Keystone/Martin Ruetschi
«Seit 2015 gelten die von der Finanzkrise angeschlagenen Margen in der Schweiz als erholt – Lohnerhöhungen liegen jetzt drin», sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse.

«Seit 2015 gelten die von der Finanzkrise angeschlagenen Margen in der Schweiz als erholt – Lohnerhöhungen liegen jetzt drin», sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse.

Keystone/Manuel Lopez

Steigende Preise, teurere Krankenkasse, boomende Wirtschaft: Schweizer Angestellte wollen mehr Geld. Am Dienstag gibt der Arbeitnehmerverband Travail Suisse seine Lohnforderungen für 2020 bekannt. Der Verband Angestellte Schweiz forderte bereits Anfang Monat je nach Branche 1,1 bis 1,9 Prozent mehr Salär. Die Arbeitgeber warnen aber schon jetzt, dass die Forderungen überrissen seien. So argumentieren die beiden Seiten:

Reallohnverluste kompensieren

Bei Travail Suisse heisst es, die Wirtschaftslage in der Schweiz sei gut und die Aussichten solid: Das Bruttoinlandprodukt ist in den vergangenen beiden Jahren um 4,3 Prozent gewachsen. «Seit 2015 gelten die von der Finanzkrise angeschlagenen Margen in der Schweiz als erholt – Lohnerhöhungen liegen jetzt drin», sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse.

Trotzdem sei stark auf die Lohnbremse getreten worden. Die Löhne hätten stagniert und die Teuerung habe angezogen – Arbeitnehmende mussten darum Reallohnverluste hinnehmen, wie die Gewerkschaft schreibt. Es bestehe darum Nachholbedarf bei den Löhnen.

Exportgeschäft leidet

Der Schweizerische Arbeitgeberverband ist mit den Prognosen nicht zufrieden: 2019 ist mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent und einer Teuerung von 0,6 Prozent zu rechnen. Das Geschäft sei in vielen Exportbranchen eingebrochen: «Waren die Aussichten Anfang 2019 noch positiv, sind die Auswirkungen des Handelskonflikts zunehmend spürbar», sagt Simon Wey, Chefökonom des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Die Ungewissheit als Folge von Trumps Handelskonflikt mit China sowie ein drohender ungeordneter Brexit würden die Investitionssicherheit der Unternehmen einschränken. Und: Die Firmen hätten konjunkturelle Schwächephasen vor allem mit tieferen Margen, nicht mit Stellenabbau oder Lohnsenkungen ausgeglichen. Das schränke den Spielraum vieler Firmen ein, so Wey: «Das Geld für Lohnerhöhungen muss zuerst einmal erarbeitet werden.»

Sie wollen mehr Lohn? Wechseln Sie die Stelle!

Die Gewerkschaften finden, dass es höchste Zeit für Lohnerhöhungen ist – für die Arbeitgeber ist die Konjunktur nicht gut genug. Urs Klingler, Vergütungsexperte bei der Beratungsfirma Klingler Consultants, gibt seine Einschätzung zu den bevorstehenden Lohnverhandlungen:

Herr Klingler, die Argumente klingen vertraut, oder?

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Die Gewerkschaft will Löhne systematisch anheben, weil die Wirtschaft gut läuft. Das ist eine generelle Sichtweise – nicht alle Firmen haben den gleichen Handlungsbedarf. So allgemeine Forderungen sind nicht mehr zeitgemäss.

Sondern?

Gewerkschafter sollten sich in erster Linie für spezifische Zielgruppen einsetzen. Etwa für Lohngleichheit für Frauen, Flexibilität für Familien oder besseren Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer. Und statt schweizweiter Mindestlöhne sollten Firmen diese individuell mit der Gewerkschaft aushandeln.

Wie kommt man selbst am ehesten an mehr Lohn?

Durch einen Stellenwechsel: Finden Sie eine alternative Position bei einer vergleichbaren Firma. Stellenwechsel sind in der Regel mit einem Lohnsprung verbunden.

Und wenn man mehr Lohn vom jetzigen Arbeitgeber möchte?

Dann rate ich, nach mehr Verantwortung zu fragen. Bei einer Beförderung kann der Lohn angepasst werden. Mit der Frage nach mehr Verantwortung signalisiert man dem Arbeitgeber aber, dass man nicht ganz zufrieden ist. Das kann problematisch sein, wenn eine Beförderung nicht möglich ist.

Wie entwickeln sich die Schweizer Löhne momentan?

Das Lohnniveau ist im Europavergleich sehr gut, die Löhne der Arbeitnehmenden mit einem Jahressalär von bis zu 140'000 sind in den vergangenen Jahren aber kaum gestiegen. Anders siehts bei den obersten Chefs aus: Hier nimmt der Lohn jährlich um rund 5 Prozent zu.

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