In der Super League: So stehen Fussballprofis zu Schwulen
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In der Super LeagueSo stehen Fussballprofis zu Schwulen

In einer Umfrage zeigen sich Schweizer Profifussballer offen gegenüber Schwulen - auch in der Kabine. Trotzdem ist «Schwul» für die meisten ein Schimpfwort.

von
A. Bättig

Noch immer hat sich weder in der Schweizer Super League noch in der deutschen Bundesliga ein Profi-Fussballspieler als schwul geoutet. Schwulenfeindlich scheinen aber zumindest 31 Profi-Fussballer der Super-League-Vereine FC Basel, FC Luzern, FC Lausanne-Sport und des FC St. Gallen nicht zu sein. Diese Vereine nahmen an einer anonymen Umfrage von «Mannschaft-Magazin» teil, einem Schweizer Magazin für schwule Männer. Satte 87 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen schwulen Mitspieler akzeptieren würden. 64 Prozent hätten zudem keine Mühe, sich vor einem schwulen Kameraden im Umkleideraum umzuziehen. Besonders tolerant sind jene, die bereits einen Schwulen oder eine Lesbe in ihrem persönlichen Umfeld kennen.

Auch auf die Mannschaft selber - so die Fussballer - würde sich ein schwuler Mitspieler nicht negativ auswirken. 94 Prozent glauben, dass der Zusammenhalt und die Leistung durch einen Homosexuellen nicht gefährdet wäre. Und 84 Prozent hätten keine Mühe, nach einem Tor ein schwules Teammitglied zu umarmen.

Nicht alle Vereine machten mit

Greg Zwygart, Chefredaktor des Magazins «Mannschaft», freut sich über das Ergebnis: «Ich bin positiv überrascht, dass so viele Mannschaften mitgemacht haben und dass so viele Spieler keine Probleme mit einem schwulen Mitspieler haben.» Doch es gab auch Vereine, die gar nicht bei der Umfrage mitmachen wollten. So zum Beispiel die Grasshoppers oder die Young Boys. «Trotz mehrmaligem Nachfragen», so Zwygart. Beim FC Aarau wurden zwar die Fragebögen verteilt. Kein Einziger wurde von den Spielern ausgefüllt. Äusserst offen hatte sich der FC Basel gezeigt. «Wir würden uns selbstverständlich hinter einen schwulen Fussballspieler stellen und ihn unterstützen», sagt Andrea Roth, Pressesprecherin des FC Basel gegenüber dem «Mannschaft-Magazin».

Trotz der Aufgeschlossenheit gegenüber Schwulen im Schweizer Fussball zeigt die Umfrage auch, dass die meisten Fussballer das Wort «Schwul» als Schimpfwort gebrauchen. 68 Prozent gaben dies in der Umfrage zu. «Dieser Widerspruch finde ich bemerkenswert. Sie haben zwar nichts gegen schwule Männer, verwenden den Begriff gleichzeitig aber als Schimpfwort», so Zwygart.

Coming-out in den nächsten Jahren

Beschimpfungen sind für Zwygart auch ein Grund, warum sich bis jetzt wohl noch kein Spieler als homosexuell geoutet hat. Denn die Umfrage zeigt auch, dass 58 Prozent der Spieler glauben, dass sich die Fans über die Sexualität eines schwulen Spielers lustig machen würden. Zwygart vermutet, dass sich Spieler aus Angst vor zu grossem Medieninteresse nicht outen. «74 Prozent der Spieler denken, dass ein Coming-out eine Fussballerkarriere gefährden könnte. Dass es aber in der Super League schwule Spieler haben muss, ist für mich unbestritten.» Er rechnet damit, dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren das erste Coming-out eines Profi-Fussballers in der Super League geben wird.

Sollte sich jemand tatsächlich entschliessen, sich zu outen, hätte er gemäss Marco von Ah, Mediensprecher des Schweizer Fussball-Verbands, die Unterstützung des SFV. «Wenn jemand mit einem solchen Anliegen an uns heranträte, würden wir uns diesem sicher nicht verschliessen und bei Bedarf auch entsprechende Fachstellen zu Hilfe ziehen.» Doch bis jetzt sei das noch kein Thema gewesen. «Wir hatten bis jetzt nicht den Eindruck, dass es im Schweizer Fussball Probleme mit Schwulenfeindlichkeit gibt. Deshalb haben wir auch keine Sonderprogramme.» Zudem sei die sexuelle Orientierung der Spieler Privatsache.

Das Ergebnis der ganzen Umfrage sowie den Artikel dazu gibt es ab Donnertag, den 28. August 2013, im «Mannschaft-Magazin» zu lesen.

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