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«Time-out» mit Klaus ZauggSo steigt Biel nächste Saison ab

Lausanne wäre für die NLA eine Bereicherung und die Liga hätte Biels Abstieg verkraften können. Trotzdem ist Biels Rettung für das Schweizer Eishockey wichtig.

von
Klaus Zaugg

Wenn der Erfolg ausbleibt, haben die Klubgeneräle in den letzten 100 Jahren die Rettung in der Fremde gesucht: Nottrainer sind meistens «auswärts» verpflichtet worden. Fast immer Ausländer. Sehr oft Clowns. Aber es genügte, wenn sie Englisch oder Deutsch mit starkem englischem Akzent radebrechten.

Solche Feuerwehrübungen kosteten immer viel Geld und brachten selten die Rettung. Biel ist in den letzten zwei Jahren einen ganz anderen Weg gegangen: Mit der Krisenbewältigung sind die eigenen Leute beauftragt worden. Das ist erstens gratis, weil die ja schon in Lohn und Brot stehen. Und es ist zweitens konsequent: Wer kennt denn besser die Stärken und Schwächen der eigenen Spieler als der Sportchef, der sie verpflichtet hat?

Darüber hinaus ist es nichts als recht und billig, wenn der Sportchef, der die Krise zu verantworten hat nun damit beauftrag wird, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. 2009 rettete Kevin Schläpfer als Nottrainer für den gefeuerten Heinz Ehlers seine Mannschaft im siebten Spiel der Ligaqualifikation gegen Lausanne. 2010 scheint auch «Hockeygott» Schläpfer am Ende: Er hat von Kent Ruhnke das Team vor der Liga-Qualifikation übernommen und nach fünf Spielen führt Lausanne 3:2. Wieder vertraut Biel den eigenen Leuten. Kevin Schläpfer bleibt im Amt, bekommt als Assistent Elite-Juniorentrainer Dino Stecher. Die beiden schaffen die für die erneute Rettung notwendigen zwei Siege und retten das Team mit einem 3:2 im letzten Spiel.

Biels mentale Stärke

Die Bieler haben den Beweis erbracht, dass Schweizer ebenso gute Krisenmanager sein können wie Ausländer. Und sie haben gezeigt, dass Krisenmanagement nicht teuer sein muss. Biels Beispiels kann Schule machen und deshalb ist Biels Rettung für das Schweizer Eishockey wichtig.

Darüber hinaus hat Biel nun seine Fans in der NLA vortrefflich unterhalten. Mehr noch: Die Mannschaft des EHC Biel dürfte mental die robusteste der Liga sein: Die Bieler haben nun zweimal hintereinander den Klassenerhalt im siebten Spiel der Liga-Qualifikation geschafft - das ist noch niemandem gelungen.

Es ist allerdings nicht sicher, ob so ein Kunststück auch 2011 gelingen wird. Lausanne rüstet auf. Wenn der LHC nächste Saison die NLB wieder gewinnen sollte, dann wird der Aufstieg gelingen. Wer im Frühjahr 2011 als NLA-Schlusslicht in die Liga-Qualifikation muss, dem droht der Abstieg.

Schwierige Trainersuche

Sportchef Kevin Schläpfer hat seinen Status als «Hockey-Gott» zementiert. Aber er hat dabei mit seinem «Voodoo-Coaching» die Mannschaft nicht weiter gebracht. Mag sein, dass die Bieler durch das doppelte Liga-Qualifikationsstahlbad mental nun gehärtet sind. Aber spielerisch sind sie (fast) stehen geblieben. Wenn im Laufe der nächsten Saison keine Steigerung gelingt, steigt Biel 2011 ab.

Biel braucht für nächste Saison einen neuen und hoch qualifizierten Trainer und Ausbildner. Mehr noch: Um vom Tabellenende wegzukommen, um den erneuten Sturz in die Liga-Qualifikation zu vermeiden, braucht Biel sogar den bestmöglichen Trainer.

Dieser neue Trainer darf nicht Kevin Schläpfer heissen und er darf auch nicht ein Freund oder guter Bekannter von Schläpfer sein, der dringend einen Job braucht.

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