13.09.2017 09:54

Energy ChallengeSo stellen Sie den Kühlschrank richtig ein

In Kühlgeräten steckt ein Stromsparpotenzial von gut 1,5 Milliarden Kilowattstunden. Dr. Energy gibt Tipps für die korrekte Handhabung.

von
sts
Auch wenn ein falsch eingestellter Kühlschrank Sie nicht gleich angreift, lohnt sich eine Überprüfung der Temperatur-Einstellungen. Dr. Energy hat mit dem sogenannten Buttertest einen einfachen Tipp, wie das geht.

Auch wenn ein falsch eingestellter Kühlschrank Sie nicht gleich angreift, lohnt sich eine Überprüfung der Temperatur-Einstellungen. Dr. Energy hat mit dem sogenannten Buttertest einen einfachen Tipp, wie das geht.

Family Guy / 20th Century Fox

«Mein Kühlschrank hat ein Rad zum Einstellen der Temperatur. Viele Menschen – ich inklusive – glauben, dass die aufgedruckten Ziffern den Grad Celsius entsprechen. Mein Rad stand auf der Zahl 5, da man ja weiss, dass diese Temperatur ausreicht, um Lebensmittel zu kühlen. Tatsächlich aber kühlte mein Gerät über zig Jahre hinweg auf 3,5 Grad Celsius runter. Dies habe ich dank Messungen mit einem simplen Thermometer festgestellt. Bei diversen Kollegen steht das Rad sogar auf 2 oder 3 und niemand weiss, wie kalt der Inhalt wirklich ist.

Würde es nicht Sinn machen, wenn der Hersteller gesetzlich gezwungen wäre, nur Kühlschränke zu verkaufen, die auf maximal fünf Grad herunterkühlen? Denn was nützt ein Gerät mit A+++-Etikette, wenn wir Menschen nicht fähig sind, das Teil richtig zu bedienen? Ich habe von einer Studie gehört, die feststellt, dass wir allein mit dem Austausch der alten Kühlschränke in der Schweiz die Ziele der Energiestrategie erreichen könnten. Ich denke, jedes Grad, das unnötigerweise herunterkühlt wird, verbraucht doch auf Millionen von Geräten eine immense Menge an Energie.»

Tobias (45) aus Baden (AG)

Du hast richtig erkannt: Im Kühlschrank steckt viel Stromsparpotenzial. Kühlgeräte sind typischerweise rund um die Uhr im Betrieb. Da lohnt es sich, ein wenig genauer hinzuschauen. Eine Überschlagsrechnung zeigt, dass sich hier gut 1,5 Milliarden Kilowattstunden Strom einsparen liessen. Dies entspricht dem Verbrauch von ungefähr 400'000 Durchschnittshaushalten. Es genügt nicht, supereffiziente Kühlschränke mit einer Energieetikette A+++ einzusetzen, mindestens gleich wichtig ist die richtige Handhabung der Geräte.

Wie kalt die Kühlschranktemperatur ist, lässt sich nicht an den Zahlen am Drehrad ablesen. Je höher die Zahl, desto kälter wird dein Kühlschrank – und desto mehr Strom verbraucht er. Hinzu kommen noch saisonale Unterschiede: Im Sommer oder wenn stark geheizt wird und die Raumtemperaturen höher sind, wird mehr Kühlleistung als im Winter benötigt, um die Lebensmittel frisch zu halten. Auch wenn der Kühlschrank neben dem Backofen eingebaut ist, kann der Kühlschrank ordentlich ins Schwitzen kommen. Für die meisten Lebensmittel ist eine Temperatur von fünf Grad Celsius ideal, allenfalls ist für bestimmte Lebensmittel wie beispielsweise Fisch eine etwas tiefere Temperatur sinnvoll. Ob die Temperatur richtig eingestellt ist, kann man mit einem Thermometer herausfinden.

In den untersten Schubladen ist es am kühlsten

Es geht auch mit dem sogenannten Buttertest: Wenn die Butter aus dem Kühlschrank genommen wird, sollte sie streichfähig sein. Ist die Butter zu hart zum Streichen, ist der Kühlschrank zu kalt eingestellt. Dieser Test funktioniert nur mit richtiger Butter, die im Detailhandel erhältlichen Brotaufstriche bleiben auch bei sehr kalten Temperaturen streichfähig. Die kühlste Temperatur in einem Kühlschrank herrscht übrigens meistens im untersten Regal über den Schubladen. Mit einer Einstellung 3 bis 5 liegt man im Sommer meist richtig, im Winter genügen meist 1 bis 3. Wenn du den Kühlschrank auf die Maximalstufe stellst, wird meist schon der Gefrierpunkt erreicht.

Ein absolutes No-go ist es, warme Speisen in den Kühlschrank zu stellen. Diese herunterzukühlen ist sehr energieintensiv. Warme Speisen solltest du vorgängig auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, allenfalls in ein grosses, weites Gefäss umfüllen, um die Abkühlung zu beschleunigen. Wenn möglich, sind die Speisen mit einem Deckel abzuschliessen, denn Feuchtigkeit und Wasserdampf fördern die Vereisung. Umgekehrt ist es richtig, Lebensmittel aus dem Tiefkühler im Kühlschrank auftauen zu lassen, das spart zusätzlich Energie. Es gibt auch eine ganze Reihe von Lebensmitteln, die Kälte nicht mögen: Das sind zum Beispiel Kartoffeln, Zwiebeln oder Gurken. Weil sich an der Oberfläche kondensierendes Wasser bildet, verschimmeln sie eher. Bei zu kalter Lagerung können sich auch die Inhaltsstoffe verändern, so werden Kartoffeln beispielsweise süss.

Der Verbrauch kann deutlich vom theoretischen Wert abweichen

Auch die Hersteller hat man in die Pflicht genommen. Alle Haushaltsgeräte müssen mit einer Energieetikette versehen werden. Die Käufer können dann entscheiden, ob sie ein Gerät der besten Effizienzklasse (im Moment A+++) erwerben oder sich mit einem weniger sparsamen Gerät begnügen wollen. Die Effizienzangabe bei Kühlschränken ist eine ziemlich theoretische Angelegenheit, der praktische Verbrauch kann darum deutlich abweichen. Als Käufer ist mitdenken wichtig: Grössere Kühlschränke verbrauchen (auch bei einer besseren Energieeffizienzklasse) mehr Strom als manches kleinere Gerät mit einer weniger guten Effizienzklasse.

Noch mehr Tipps findest du in der Broschüre «Energieeffizienz im Haushalt» von EnergieSchweiz, die gratis unter www.energieschweiz.ch bestellt werden kann.

Energy Challenge 2017

Die Energy Challenge 2017 ist eine nationale Aktion von Energie Schweiz und dem Bundesamt für Energie rund um die Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Als Medienpartner beleuchtet auch 20 Minuten den Themenschwerpunkt mit Grafiken, Reportagen und Interviews. Mehr Infos gibt's in der kostenlose Energy Challenge-App für Android und für iOS.

Dr. Energy

Jules Pikali beantwortet als Dr. Energy Leserfragen rund um das Thema Energie. Jules Pikali betreut zusammen mit anderen Energieberatern die Infoline von EnergieSchweiz. Das kostenlose Beratungsangebot des Bundesamts für Energie beantwortet Energiefragen von Privaten telefonisch oder via Kontaktformular: 0848 444 444 und www.energieschweiz.ch/beratung.

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