Aktualisiert 22.03.2018 13:03

«Vollbusige Schlampen»

So stellt sich ein Professor eine Krankenschwester vor

Ein Professor am Universitätsspital Lausanne sorgt mit klischeehaften Abbildungen in einem Buch für Anästhesiefachleute für Ärger – und löst einen Shitstorm aus.

von
sep
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Dieses Bild sorgt für Furore: «Auf diesen Bildern werden Krankenschwestern als vollbusige Schlampen dargestellt», meint Grünen-Politikerin Léonore Porchet .

Dieses Bild sorgt für Furore: «Auf diesen Bildern werden Krankenschwestern als vollbusige Schlampen dargestellt», meint Grünen-Politikerin Léonore Porchet .

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Diese Abbildung soll die Wallace-Neuner-Regel illustrieren, mithilfe derer das Ausmass einer Verbrennung am Körper gemessen werden kann.

Diese Abbildung soll die Wallace-Neuner-Regel illustrieren, mithilfe derer das Ausmass einer Verbrennung am Körper gemessen werden kann.

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Ein Standardwerk der Anästhesie von Eric Albrecht, Professor am Universitätsspital Lausanne (Chuv), sorgt für Aufruhr. Den Shitstorm ausgelöst haben umstrittene Abbildungen im Buch. Krankenschwestern werden in suggestiven Positionen oder geradezu entblösst gezeigt, wie zum Beispiel bei der «Wallace-Neuner-Regel», mithilfe derer das Ausmass einer Verbrennung am Körper gemessen werden kann.

Ein anderes Bild zeigt eine Frau mit blondem, offenem Haar, rotem Lippenstift und der Intimrasur einer «Landebahn». Ihre Position erinnert an eine gynäkologische Untersuchung, die Frau ist jedoch komplett nackt.

«Frauen werden als Sexobjekte dargestellt»

Die Abbildung soll eine spezifische Technik der Anästhesie veranschaulichen. Offen bleiben Fragen wie: Wieso ist die Hand der Frau an die Bahre festgebunden? Wieso trägt die Frau auf dem anderen Bild ein Kostüm, das eher an Fetisch-Outfits als an Spitalalltag erinnert?

«Es ist traurig. Frauen werden als Sexobjekte dargestellt», protestiert Léonore Porchet in der westschweizer Zeitung «Le Régional» am Donnerstag. Die Waadtländer Grüne ist unter jenen, die an der Lektüre für Anästhesiefachleute, «Manuel pratique d'anesthésie», wenig Gefallen gefunden haben. «Auf diesen Bildern werden Krankenschwestern als vollbusige Schlampen dargestellt», so Porchet.

Bilder sollen ersetzt werden

«Mit dieser Art von Bildern ermutigen wir, auch unfreiwillig, dass die Rolle der Krankenschwester nicht ernst genommen wird. Sie sind jedoch hoch qualifiziert und unentbehrlich für unser Gesundheitssystem», antwortet Alberto Mocchi, Generalsekretär der Waadtländer Sektion des Schweizerischen Berufsverbands für Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner. «Wir fordern, dass dieses Bild aus dem Buch entfernt wird.»

«Es tut mir wirklich leid», entschuldigt sich Eric Albrecht in der Wochenzeitung. «Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 2015 war mir nicht bewusst, dass durch das Buch bestimmte Gefühle verletzt werden könnten.» Es sei bereits entschieden worden, die Bilder zu entfernen und sie in der nächsten Ausgabe zu ersetzen.

Aber warum hat man diese Bilder von Frauen gewählt? «Das sind einfach Illustrationen. In meinem Manuel d'anesthésie locorégionale échoguidée ist es ein Mann, der so dargestellt wird – so wie Gott ihn schuf», argumentiert er.

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