13.06.2017 12:08

Kosten-VergleichSo teuer sind Auto und Zug wirklich

Der Verkehr auf den Autobahnen nimmt ständig zu, während der ÖV stagniert. Denn das Autofahren ist günstig geworden. So viel kosten Strasse und Schiene.

von
ehs
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Die Kosten für den ÖV und das Autofahren gehen in entgegengesetzte Richtungen. Das Bahnfahren wird immer teurer, das Autofahren dank modernen Autos und tiefen Benzinpreisen billiger.

Die Kosten für den ÖV und das Autofahren gehen in entgegengesetzte Richtungen. Das Bahnfahren wird immer teurer, das Autofahren dank modernen Autos und tiefen Benzinpreisen billiger.

Keystone/Alessandro Della Bella
Ein Musterauto im Wert von 35'000 Franken kostet gemäss TCS-Angaben gut 10'000 Franken im Jahr. Der grösste Teil geht für die Amortisierung drauf.

Ein Musterauto im Wert von 35'000 Franken kostet gemäss TCS-Angaben gut 10'000 Franken im Jahr. Der grösste Teil geht für die Amortisierung drauf.

TCS
Zurzeit beträgt der durchschnittliche Preis pro Liter Bleifrei 95 gemäss TCS-Angaben 1.48 Franken, jener für Diesel 1.54 Franken. In den letzten Jahren sind die Preise deutlich gesunken.

Zurzeit beträgt der durchschnittliche Preis pro Liter Bleifrei 95 gemäss TCS-Angaben 1.48 Franken, jener für Diesel 1.54 Franken. In den letzten Jahren sind die Preise deutlich gesunken.

Erdöl-Vereinigung

Der Verkehr auf den Autobahnen nimmt zu. An den fünf meistbefahrenen Abschnitten wurden letztes Jahr hohe Wachstumsraten verzeichnet. Gleichzeitig stagniert der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs. Das Bundesamt für Statistik verzeichnete im vergangenen Jahr sogar einen Rückgang bei den Personenfahrten im ÖV.

Das hat damit zu tun, dass Autofahren immer billiger wird. Moderne Autos verbrauchen weniger Treibstoff. Und sie werden günstiger.

Bahnfahren knapp günstiger

Der TCS geht davon aus, dass ein Musterauto mit einem Neupreis von 35'000 Franken und einer Laufleistung von 15'000 Kilometer im Jahr 10'435 Franken kostet. Das entspricht 70 Rappen pro Kilometer. Das Bundesamt für Statistik rechnet mit einem Kilometerpreis von 55 Rappen, während der öffentliche Verkehr mit 51 Rappen zu Buche schlägt.

Den grössten Anteil machen beim Auto mit einem Drittel Amortisationskosten aus. Danach folgen Garagierungskosten, Treibstoffkosten und die Wertminderung (siehe Bildstrecke). Bei einer höheren Laufleistung sinken die Kosten.

Die Hälfte geht für Steuern drauf

Treibstoffe sind in den letzten Jahren billiger geworden. Noch vor drei Jahren kostete ein Liter Bleifrei 98 durchschnittlich 1.84 Franken pro Liter. Zurzeit sind es gemäss Angaben des TCS 1.48 Franken (ein Liter Bleifrei 95) und 1.54 Franken (ein Liter Diesel). Im europäischen Vergleich ist das ein durchschnittlicher Wert.

Beim Benzinpreis machen gemäss Daten der Erdölvereinigung Steuern und Abgaben etwa die Hälfte aus. Die Mineralölsteuer beträgt 43 Rappen pro Liter, der Mineralölsteuerzuschlag weitere 30 Rappen. Hinzu kommen 0.45 Rappen Importabgaben und 8 Prozent Mehrwertsteuer. Diese Abgaben fliessen teilweise zurück in die Strassenfinanzierung.

Bahnfahren immer teurer

Der eigentliche Benzinpreis ist abhängig vom Ölpreis an der Börse. Dieser wurde in den letzten Jahren unter anderem durch das Fracking in den USA günstiger. Auch der Dollar-Wechselkurs und die Transportkosten auf dem Rhein beeinflussen die Preise. Je mehr Wasser der Rhein hat, desto mehr Treibstoff kann mit einem Schiff transportiert werden, was die Kosten tief hält.

Im Vergleich ist der öffentliche Verkehr relativ günstig. Ein GA der zweiten Klasse kostet 3860 Franken, eines der ersten Klasse 6300 Franken. Im Gegensatz zum Autofahren ist das Bahnfahren in den letzten Jahren aber teurer geworden. Denn die Passagiere decken einen immer grösseren Teil ihrer Kosten selbst. Hinzu kommt, dass Trassenpreiserhöhungen auf die Nutzer abgewälzt wurden.

Teuerung von 185 Prozent

Das GA 2. Klasse kostete noch vor 15 Jahren 2500 Franken. Noch stärker fiel die Teuerung bei regulären Tickets aus. Bei Retour-Billetts betrug sie seit 1990 knapp 185 Prozent, bei einfachen Tickets 152 Prozent, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Weder Strasse noch Schiene decken ihre Kosten. Der Deckungsgrad ist bei den Autos mit 90 Prozent zwar höher als beim Schienenverkehr mit 46 Prozent, schreibt das Bundesamt für Statistik.

Autos kosten 5,4 Milliarden Franken

Weil die gesamten Strassenkosten aber 14-mal so hoch sind wie jene des ÖV, sind die ungedeckten Kosten in absoluter Höhe immer noch grösser. Mit 5,4 Milliarden Franken werden Autofahrer jedes Jahr durch die Allgemeinheit subventioniert, der ÖV mit 4,5 Milliarden Franken.

Zu den nicht gedeckten Kosten der Strasse zählen solche, die durch Unfälle, Umweltbelastung und zusätzliche Gesundheitskosten entstehen.

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