Neue Zahlen: So teuer war der stürmische Januar
Aktualisiert

Neue ZahlenSo teuer war der stürmische Januar

Die Stürme Burglind und Evi sorgen für hohe Schadenssummen bei den Versicherungen. Schon 2017 gab es viele Unwetter-Schäden.

von
Nikolai Thelitz
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In Kestenholz SO hat Burglind eine Schneise der Verwüstung in den Wald geschlagen.

In Kestenholz SO hat Burglind eine Schneise der Verwüstung in den Wald geschlagen.

kein Anbieter/Leser-Reporter
Ein Waldstück bei Kestenholz SO mit umgestürzten Bäumen zeigt die Zerstörung des Wintersturms Burglind. (5. Januar 2018)

Ein Waldstück bei Kestenholz SO mit umgestürzten Bäumen zeigt die Zerstörung des Wintersturms Burglind. (5. Januar 2018)

Keystone/Christian Merz
In Leukerbad überrascht eine Lawine beim Morgenessen, schreibt ein Leserreporter. (5. Januar 2018)

In Leukerbad überrascht eine Lawine beim Morgenessen, schreibt ein Leserreporter. (5. Januar 2018)

Leser-Reporter

Nachdem im Januar die Stürme Burglind und Evi in der Schweiz gewütet haben, müssen die Versicherungen für die Schäden aufkommen: «Wir rechnen im Januar mit Schäden von 100 Millionen Franken», sagt Mirjam Wüthrich von der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG). Dies sei massiv mehr als in den Vorjahren. «Im Zehn-Jahres-Schnitt haben wir eine Schadenssumme von rund 30 Millionen Franken durch Stürme pro Jahr, schon im Januar haben wir diese Zahl um ein Mehrfaches übertroffen.»

Auch die Zurich-Versicherung geht von überdurchschnittlichen Schäden wegen Naturgefahren aus. «Wir rechnen im Januar mit 5,5 Millionen Franken, das ist bereits rund die Hälfte der Schäden eines normalen Jahres», sagt Ralph Echensperger, Leiter Schaden bei der Versicherung Zurich. Bei Axa Winterthur waren es im Januar über 3000 Schadensmeldungen und eine Schadenssumme von über 10 Millionen Franken, sagt Sprecherin Mirjam Eberhard. Die Mobiliar verzeichnete laut Sprecherin Kim Allemann Burglind-Schäden von rund 17 Millionen Franken, beim Jahrhundert-Sturm Lothar seien es rund 50 Millionen gewesen.

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Steigende Schadenssummen

Die Schadenssummen steigen aber auch unabhängig von den heftigen Januar-Stürmen. «Schon 2017 war ein Jahr mit ausserordentlich vielen und teuren Schäden aufgrund von Naturgefahren. Die Kosten liegen mit über 23 Millionen Franken mehr als doppelt so hoch wie im Schnitt der letzten zehn Jahre», sagt etwa Echensperger von der Zurich. Ursache seien vor allem die unüblich vielen Überschwemmungen und Stürme gewesen – und der Bergsturz in Bondo. Auch bei der Mobiliar wurden letztes Jahr rund ein Drittel mehr Schäden durch Naturgefahren als in einem durchschnittlichen Jahr verzeichnet.

Das Bundesamt für Umwelt rechnet für 2017 mit rund 170 Millionen Schäden durch Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse – Sturm und Hagel sind in der Analyse nicht berücksichtigt. Der Median der letzten 10 Jahre liegt bei 98 Millionen. Grossereignisse sorgen aber immer wieder für weit höhere Kosten, so wurden durch das Hochwasser 2005 Schäden von 3 Milliarden Franken verursacht.

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(Video: 20 Minuten/Leserreporter)

Klima und Bauboom sind schuld

Ein Grund für die steigenden Schadenssummen ist laut Echensperger von Zurich auch der Klimawandel. «Es ist damit zu rechnen, dass Unwetter und Hangrutsche in Zukunft häufiger auftreten werden und mehr Schaden verursachen.» Ein weiterer Faktor sei der Bauboom vergangener Jahre. «Es wurde viel an Lagen gebaut, wo man sich früher wegen den Naturgefahren nicht hinwagte.» In diesen Lagen sei das Risiko besonders hoch.

Wer abklären will, wie gefährdet die eigene Wohnung oder das eigene Haus ist, kann dies mit dem Online-Tool von Zurich tun (siehe Box). Aus den Januar-Ereignissen lässt sich laut VKG aber kein Schluss auf die Prämien ziehen. «Die Kantonalen Gebäudeversicherungen sind gut kapitalisiert und können solche Ereignisse durch ihre Reserven abdecken», sagt Sprecherin Wüthrich.

Diese Naturgefahren drohen an Ihrer Adresse

Im Naturgefahren-Radar der Zurich Versicherung können Hausbesitzer und Mieter gratis nachschauen, welche Naturgefahren potenziell an ihrer Adresse drohen. Besteht eine Gefährdung, erstellt das Online-Tool einen detaillierten Bericht, mit welchen Massnahmen die Bewohner die Gefahr von Schäden stark reduzieren können. Das Tool basiert auf Daten der Gefahrenkarten von Bund und Kantonen und wird laufend aktualisiert. Die Daten geben keine tagesaktuelle Einschätzung der Lage, sondern eine generelle Einschätzung der Wohnlage.

Link: www.zurich.ch/naturgefahren

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