Aktualisiert 04.11.2016 12:46

Teodorín Obiang

So tickt der Diktatoren-Sohn mit den Luxusautos

Teodorín Obiangs Beruf ist vor allem Diktatorensohn. Daneben macht er dubiose Geschäfte.

von
vbi
1 / 19
Teodorín Obiang ist Vizepräsident von Äquatorialguinea, einem zentralafrikanischen Land mit 850'000 Einwohnern.

Teodorín Obiang ist Vizepräsident von Äquatorialguinea, einem zentralafrikanischen Land mit 850'000 Einwohnern.

Sein Vater, Teodoro Obiang Nguema Mbasogo (hier mit Michel Temer), war 1979 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen und gilt als einer der brutalsten und korruptesten Machthaber des Kontinents.

Sein Vater, Teodoro Obiang Nguema Mbasogo (hier mit Michel Temer), war 1979 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen und gilt als einer der brutalsten und korruptesten Machthaber des Kontinents.

AFP/Evaristo sa
Obiang fürchtete offenbar, dass die Genfer Justiz seine Autos beschlagnahmen könnte. Deshalb wollte er sie aus der Schweiz schaffen.

Obiang fürchtete offenbar, dass die Genfer Justiz seine Autos beschlagnahmen könnte. Deshalb wollte er sie aus der Schweiz schaffen.

Leser-Reporter

Der Diktatorensohn Teodorín Obiang aus Äquatorialguinea liess am Montag elf wertvolle Luxusautos aufs Rollfeld am Genfer Flughafen bringen, um sie mit einem Frachtflugzeug aus der Schweiz zu schaffen.

Doch die Genfer Staatsanwaltschaft liess die Autos beschlagnahmen, weil gegen Obiang wegen Korruption, Geldwäscherei und Veruntreuung öffentlicher Gelder ein Verfahren eröffnet wurde.

Eines der korruptesten Länder

Obiang, der mit vollem Namen Teodoro Obiang Nguema Mangue heisst, kommt aus dem zentralafrikanischen Ölstaat Äquatorialguinea. Die meisten der rund 850'000 Einwohner leben in Armut, obwohl das Land ein riesiges Ölvorkommen hat und zu den reichsten Staaten Afrikas gehört. Das Vermögen hortet die Familie Obiang.

Teodoríns Vater Teodoro Obiang Nguema Mbasogo ist seit der Unabhängikeit 1979 an der Macht. Er putschte gegen seinen gewaltsam herrschenden Onkel und liess diesen hinrichten. Der Präsident gehört heute zu den reichsten Staatsoberhäuptern überhaupt, wie der «Kurier» schreibt.

«The Economist» zählt den alten Obiang in seinem Demokratie-Index zu den fünf weltweit gefürchtetsten Diktatoren. Für die NGO Transparency International ist Äquatorialguinea eines der korruptesten Länder der Welt.

Obiang lebte in Frankreich und den USA

Sohn Teodorín lebt seit einiger Zeit am Genfer See und soll dort seinen umfangreichen Bankgeschäften nachgegangen sein. Das, obwohl er in Äquatorialguinea mit einem Salär von 8000 Dollar offiziell der Vizepräsident ist.

In Frankreich und in den USA laufen schon seit Jahren Strafverfahren gegen den Diktatorensohn. In Paris wohnte Obiang im 16. Arrondissement in einem 4000 Quadratmeter grossen Haus mit angeblich 101 Zimmern, wie der «Kurier» schreibt. Die französische Justiz habe dort Immobilien, Kleider, Schmuck, Kunstwerke und Autos im Wert von 200 Millionen Euro beschlagnahmt, heisst es.

Bereits 2011 beantragte die US-Justizbehörde die Beschlagnahme seines Privatflugzeugs, seiner Villa im kalifornischen Malibu und eines Autos im Gesamtwert von 70 Millionen Dollar.

Obiang wollte Autos in Sicherheit bringen

Nun übten die beiden Länder starken Druck auf die Schweiz aus, Frankreich stellte ein Rechtshilfegesuch. Daraufhin eröffnete die Genfer Staatsanwaltschaft ein Verfahren, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Obiang bekam Wind davon und versuchte, seine Autos mit einem Transportflugzeug aus der Schweiz in Sicherheit zu bringen.

Doch das gelang nicht. Ein Augenzeuge meldete den geplanten Transport der Staatsanwaltschaft, und diese konfiszierte die Boliden.

Geld floss zu Schweizer Firmen

Die NGO Public Eye beobachtet die Familie Obiang seit Jahren. Sprecher Oliver Classen bezeichnet es im «Tages-Anzeiger» als «skandalös, dass die Schweiz wieder erst auf Druck von aussen gegen einen weltweit geächteten Rohstoff-Paten aktiv wird».

Obiangs Vermögen, das auf mehrere Hundert Millionen Franken geschätzt wird, soll aus illegal bezogenen Kommissionen stammen, die er sich dank Ölförderverträgen sicherte. Gemäss französischen Ermittlungsakten flossen Millionen Euro von einem Konto bei der äquatorialguineischen Staatskasse auf die Konten von Schweizer Firmen.

Schweiz zahlt seit den 80er-Jahren Entwicklungshilfe

Die Schweiz unterstützt Äquatorialguinea seit den 1980er-Jahren immer wieder mit Entwicklungshilfe. Gemäss dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) waren es insgesamt rund 5,3 Millionen Franken. Seit 2012 lag der Betrag jeweils unter 100'000 Franken.

Fehler gefunden?Jetzt melden.