Supertalent Dominic Stricker (18) - So tickt der nächste Schweizer Tennisstar
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Supertalent Dominic Stricker (18)So tickt der nächste Schweizer Tennisstar

Dominic Stricker gilt als die grosse Schweizer Tennishoffnung. Im Interview spricht der Berner über seine Ziele, über die Zusammenarbeit mit Roger Federer und über das Bespannen seiner Rackets.

von
Florian Gnägi

Darum gehts

  • Dominic Stricker ist die grosse Nachwuchshoffnung im Schweizer Tennis.

  • Im Interview spricht die ATP-Nummer 425 über seine Ziele und auch über Roger Federer.

  • Er verrät, wie es um das Head-to-Head in den Trainingsspielen gegen Federer steht und welches Grand-Slam-Turnier er am liebsten gewinnen würde.

Dominic, du musstest zuletzt bei einem Turnier in Biel verletzt aufgeben. Wie geht es dir?

Dominic Stricker: Ich musste in Biel leider aufgeben, weil ich Schmerzen in meinem Knie hatte. Seither habe ich ein paar Tage frei gemacht und nun ist alles wieder in Ordnung.

Du hast zuvor in der Tennisszene für Furore gesorgt, als du Ende März das ATP-Challenger-Turnier in Lugano gewonnen hast. Was bedeutet dieser Titel für dich?

Es war ein Mega-Erlebnis für mich. Mein erster Titel auf der Erwachsenen-Stufe. Bei den Junioren hat man in den ersten Runden eines Turniers ab und zu auch «leichte Matches», das ist bei den Erwachsenen definitiv vorbei. Sehr aufgefallen ist mir auch, dass bei den Erwachsenen jeder im Kopf mega stark ist. Das ist bei den Junioren nicht immer der Fall.

Einer der auch mental stärksten Spieler aller Zeiten ist Roger Federer. Du wirst bereits mit ihm verglichen. Gefällt dir das oder nervt es dich?

Ich finde es cool und eine Riesenehre, mit ihm verglichen zu werden. Natürlich ist es aber noch ein extrem langer Weg für mich bis dorthin. Es wäre schon schön, wenn ich nur annähernd so viel erreichen würde wie Roger.

Die ganze Tenniswelt fragt sich, ob Federer noch einmal zu alter Stärke zurückfindet. Du hast mit ihm im Winter trainiert. Sehen wir noch ein Duell Stricker vs. Federer auf der Tour?

(lacht) Wer weiss, vielleicht. Ich hoffe es natürlich, gegen ihn spielen zu können. Ich wünsche ihm alles Gute für sein Comeback und hoffe, dass er noch ein paar Turniere gewinnen kann und auch bei Olympia gut abschneiden wird.

Federer verriet ja einst, dass seine Head-to-Head-Bilanz gegen dich im Training negativ ist. Ist das immer noch so?

Nein, das hat sich mittlerweile geändert. Ich liege nun mit 3:4 zurück. Das ist zwar ganz okay, aber es wäre natürlich schon schöner, wenn ich immer noch führen würde.

Du trainierst auch viel mit Leandro Riedi, der anderen Schweizer Tennis-Hoffnung. 2020 war er dein Gegner im Final der Junioren-French-Open. Könnte das in Zukunft eine Rivalität wie bei Federer und Nadal geben?

Das wäre sicher cool, wenn wir es beide so weit schaffen, auch an den grossen Turnieren auf Profistufe gegeneinander spielen zu können. Den Roland-Garros-Final haben wir beide extrem genossen. Leandro und ich haben es aber abseits des Platzes super miteinander. Mal übernachtet er bei mir in Bern, mal ich bei ihm in Zürich. Auf dem Court sind wir Rivalen, aber sobald der Match vorbei ist, zählt nur die Freundschaft.

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Dominic Stricker scheut die aufkommenden Vergleiche zu Roger Federer nicht: «Es ist eine Riesenehre, mit ihm verglichen zu werden.» 

Dominic Stricker scheut die aufkommenden Vergleiche zu Roger Federer nicht: «Es ist eine Riesenehre, mit ihm verglichen zu werden.»

20min/Matthias Spicher
Der Backhand-Volley sitzt bei Stricker fast schon im Stile von «King Roger».

Der Backhand-Volley sitzt bei Stricker fast schon im Stile von «King Roger».

20min/Matthias Spicher
Stricker geht auch mit dem Presse-Rummel um seine Person und der zunehmenden Erwartungshaltung äusserst souverän und gelassen um.

Stricker geht auch mit dem Presse-Rummel um seine Person und der zunehmenden Erwartungshaltung äusserst souverän und gelassen um.

20min/Matthias Spicher

Dank dem Sieg in Lugano bist du im ATP-Ranking bis auf 425 vorgestossen. Wann sehen wir dich in den Top 100? Wann in den Top 10?

Das ist natürlich immer schwierig einzuschätzen, aber ich hätte auch nicht gedacht gehabt, dass ich so schnell unter die besten 500 komme. Geplant ist es, in den nächsten drei bis fünf Jahren einmal den Sprung ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers zu schaffen. Das wäre natürlich cool, überhaupt so weit zu kommen. Aber ich gebe alles, dass es vielleicht schon vorher klappt.

Wenn du eines der vier Grand-Slams für deinen ersten Major-Titel auswählen müsstest, welches wäre das?

Das ist eine schwierige Frage. Am liebsten alle vier, aber müsste ich eines auswählen, dann wohl das Australian Open. Das ist für mich etwas Spezielles, schon alleine wegen der langen Reise.

Du bist mit 18 in einem Alter, in dem viele den Ausgang entdecken. Das bleibt bei dir als angehender Spitzensportler auf der Strecke. Wie kommst du damit zurecht?

Es ist sicher nicht immer leicht, aber ich kenne es nicht anders. Ich habe nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Zudem sind meine meisten Kollegen auch Tennisspieler und wissen, was drin liegt und was nicht.

Auf Instagram zeigst du dich auch beim Golfen. Wie hoch ist dein Handicap und wäre eine Golf-Karriere allenfalls ein Plan B, falls es mit dem Tennis nicht klappt?

Mein Handicap liegt bei 17.2. Ein Plan B ist das Golfen aber nicht, ich mache das mehr als Ausgleich zum Tennis mit meinen Kollegen am Wochenende. Wenn es mit der Tenniskarriere nicht klappen sollte, würde ich wohl etwas Schulisches machen. Deswegen mache ich zurzeit auch noch ein Sport-KV hier in Biel.

Auf deiner Homepage steht, dass du einen Tennis-Schläger-Bespannungsservice anbietest. Machst du das noch immer?

Ja, also zumindest meine eigenen Schläger bespanne ich meistens selber, wenn ich Zeit habe. Im Tennis ist es immer das Wichtigste, dass das Material stimmt.

Du kommst ursprünglich aus Grosshöchstetten. Mit Alisha Lehmann, Beat Feuz, Tom Lüthi stammen auch andere bekannte Sportstars aus dem Emmental. Ist die Luft dort besonders gut?

(lacht) Vielleicht, wer weiss! Ich bin sehr gerne daheim. Dort ist man auf dem Land und hat seine Ruhe. Ich geniesse meine Zeit bei der Familie und kann dort Kraft tanken fürs Tennis.

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