Joseph Hogan: So tickt der neue ABB-Chef
Aktualisiert

Joseph HoganSo tickt der neue ABB-Chef

Der Elektrotechnikkonzern ABB hat fünf Monate nach dem Eklat um den Abgang von Konzernchef Fred Kindle einen neuen CEO bestimmt. Wer ist dieser Joseph Hogan?

Am 1. September übernimmt der Amerikaner Joseph Hogan die Konzernführung. Der Verwaltungsrat entschied sich damit für eine externe Lösung. Der 51-jährige Hogan sei «der richtige Mann am richtigen Ort an der richtigen Stelle», erläuterte Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg am Donnerstag an einer Telefonkonferenz.

Hogan, seit November 2000 Chef des führenden Medizintechnikanbieters GE Healthcare und zuvor in diversen Positionen im US-Mischkonzern General Electric, verfüge über wichtige internationale Erfahrungen.

Ausschlaggebend für die Wahl seien aber auch die persönliche Performance gewesen und Führungsqualitäten. «Er hat die richtige Mischung von Erfahrung und Talent», so von Grünberg.

Mit diesen Fähigkeiten hat sich der Amerikaner gegen andere Spitzenkandidaten durchgesetzt - unter anderem gegen den jetzigen Interims-Präsidenten Michel Demaré, der seit Februar den Konzern führt.

Demaré akzeptiere die Entscheidung des Verwaltungsrates «voll und ganz», wie er selbst erklärte. Er bleibt nach der Übergabe an Hogan im September Finanzchef von ABB.

Analysten bezweifeln zwar ein längerfristiges Engagement in dieser Position. Demaré selbst war 2005 CFO geworden, weil sein Vorgänger Peter Voser nicht Konzernchef wurde und daraufhin zum Erdölkonzern Shell zurückkehrte.

Strategie bleibt

Mit der Wahl von Hogan bekräftigt ABB seine Wachstums-Strategie. «Wir sehen keinen Grund, unseren Fokus oder unsere Strategie zu ändern», betonte von Grünberg. Analysten sehen Hogan denn auch in der Tradition des legendären frühren GE-Chefs Jack Welch und erwarten von ihm einen Fokus auf Margenverbesserung und Portfoliomanagement.

Erst am Vortag hatte ABB, die anfangs des Jahrtausends vor der Pleite stand und sich radikal gesundschrumpfen musste, den Startschuss zu einer Einkaufstour gegeben. Mit der Übernahme des US- Transformatorenherstellers Kuhlman Electric will ABB von der überfälligen Modernisierung der Stromnetze in den Vereinigten Staaten profitieren.

Inwiefern er weitere Zukäufe ins Auge fasst, wollte Hogan an der Telefonkonferenz nicht sagen. «Es ist nicht eine Frage der Grösse, sondern eine Frage der richtigen strategischen Richtung». Auch müsse er die Rolle des CEO im September zuerst einmal übernehmen, bevor er sich konkret äussere.

Ihn reize an ABB auch der internationale Fokus. Ihm seien die verschiedenen Kulturen und Personen wichtig. ABB sei ein «gewaltiges Unternehmen» und es sei «eine Ehre», die neue Aufgabe zu übernehmen.

Aktie im Plus

Die Aktionäre zeigen sich überzeugt, dass er diese meistern wird. Die ABB-Aktien stiegen bis nach Mittag um 3,8 Prozent auf 28.74 Franken. Im gleichen Zeitraum legte der SMI um 2,5 Prozent zu.

Damit scheint das Vertrauen in ABB zurück, die Kritik ist vorerst Vergangenheit. Dieser war ABB massiv ausgesetzt, als sich von Grünberg im Februar von Konzernchef Fred Kindle trennte.

Dies, obwohl ABB für 2007 ein glänzendes Ergebnis vorwies. Die genauen Gründe für den Entscheid hat Grünberg nie genannt. Es habe unüberwindbare Differenzen gegeben, sagte er lediglich.

Kindle, Schweizer und Liechtensteiner Staatsbürger, heuerte im Juni als Partner der Beteiligungsgesellschaft Clayton, Dubilier & Rice an. Er beteiligte sich finanziell und begleitet die zur Gesellschaft gehörenden Firmen wie Rexel Group oder Sally Beauty operativ. (sda)

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