António Horta-Osório : «The Special One» – neuer CS-Chef schafft es nach Burn-out an die Spitze
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António Horta-Osório «The Special One» – neuer CS-Chef schafft es nach Burn-out an die Spitze

António Horta-Osório soll neuer CS-Präsident werden. Er gilt als Top-Feminist. Schlagzeilen machte der Banker mit einem Burn-out und einer heimlichen Geliebten.

von
Fabian Pöschl
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«The Special One»: António Horta-Osório soll neuer CS-Verwaltungsratspräsident werden.

«The Special One»: António Horta-Osório soll neuer CS-Verwaltungsratspräsident werden.

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Der portugiesische Top-Banker soll Ende April an der Generalversammlung als Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen werden. Es ist eine externe Lösung. Horta-Osório kommt von der britischen Lloyd-Bank, die er aus den roten Zahlen in die Profitabilität brachte.

Der portugiesische Top-Banker soll Ende April an der Generalversammlung als Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen werden. Es ist eine externe Lösung. Horta-Osório kommt von der britischen Lloyd-Bank, die er aus den roten Zahlen in die Profitabilität brachte.

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Horta-Osório machte sich bei Lloyds einen Namen als Digitalisierer.

Horta-Osório machte sich bei Lloyds einen Namen als Digitalisierer.

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Darum gehts

  • Die CS hat bekannt gegeben, wen sie an der Generalversammlung als Nachfolger von Urs Rohner vorschlagen möchte.

  • Der Portugiese António Horta-Osório soll neuer Verwaltungsratspräsident der Grossbank werden.

  • Der Top-Banker gilt als «The Special One»

  • Er kommt von der britischen Lloyds-Bank und bringt 30 Jahre Erfahrung mit.

  • Schlagzeilen machte der 56-Jährige mit einem Burn-out und einer heimlichen Geliebten.

Lange wurde spekuliert, wer neuer Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse (CS) und damit Nachfolger von CS-Urgestein Urs Rohner wird. In der engeren Auswahl soll auch Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand gewesen sein. Doch mit dem Portugiesen António Horta-Osório hat wohl keiner gerechnet.

Am Dienstag gab die Grossbank bekannt, dass sie ihren Aktionären an der Generalversammlung Ende April den 56-jährigen Horta-Osório, Chef der britischen Lloyds-Bank, zu ihrem Verwaltungsratspräsidenten vorschlagen will. Er wird in der Londoner City wie Landsmann und Fussballcoach José Mourinho «The Special One» gennant.

«Mit dieser unerwarteten Wahl hat Urs Rohner alle überrascht, aber gute Voraussetzungen für einen souveränen Übergang geschaffen», sagt der Bankenexperte Adriano Lucatelli, Gründer des Finanzdienstleisters Descartes Finance sowie Ex-Manager der CS und UBS, zu 20 Minuten.

Alter Hase im Privatkunden- und Investment-Geschäft

Horta-Osório sei ein Top-Manager, der mit über 30 Jahren Erfahrung alle wichtigen Geschäftsbereiche der CS abdecke: Das Privatkundengeschäft, weil er von der britischen Retail- und Geschäftsbank Lloyds kommt, die er seit 2011 leitet. Investmentbanking sei ihm von seiner Tätigkeit bei Goldman Sachs vertraut und Auslandserfahrung habe er etwa in Südamerika für die spanische Bank Santander gesammelt.

Bankenexperte Lucatelli lobt die CS ausserdem dafür, dass eine externe Lösung gewählt hat, die unvorbelastet entscheiden könne. «Ein globaler Ausländer mit enormer Bankenerfahrung gestaltet den Strategieteil der CS, und der Schweizer CEO Thomas Gottstein den operativen Teil, das passt und wird positiv vom Markt aufgenommen», sagt Lucatelli.

Burn-out wegen Finanzkrise

Schlagzeilen machte Horta-Osório kurz nach seinem Stellenantritt bei Lloyds 2011. Als er sich als einer der bestbezahlten Banker der Londer City wegen eines Burn-outs in eine Spezialklinik einliefern liess, beschrieben ihn die Boulevardmedien als den teuersten Patienten.

Horta-Osório äusserte sich ausführlich in der Öffentlichkeit über die Krankheit, überwand diese und führte danach Lloyds aus den roten Zahlen zurück in die Profitabilität. Seither setzte er sich dafür ein, dass seine Mitarbeiter vor psychischem Druck geschützt sind, wie der Finanzblog «Inside Paradeplatz» schreibt.

Dass das Burn-out negativ für den neuen CS-Chef sein könnte, glaubt Experte Lucatelli nicht: «Ich habe grossen Respekt davor, wenn jemand offen darüber spricht, dass er unter dem Druck in der Finanzkrise 2008 gelitten hat. Das macht ihn glaubwürdiger.»

Top-Feminist der Londoner City

Was ebenfalls für Horta-Osório spricht: Experten loben ihn für seine Digitalisierungserfahrung. So trimmte er Lloyds zur digitalsten britischen Grossbank mit den im Vergleich zu den Gesamtkosten höchsten Ausgaben für Technologie, wie das Finanznews-Portal «Finews» schreibt.

Auch für die Rechte der Frauen macht sich Horta-Osório stark. Der Portugiese setzte schon 2013 auf die Förderung von Frauenkarrieren, weshalb die Zeitung «Evening Standard» bereits die Frage stellte, ob Horta-Osório der Top-Feminist der Londoner Banker sei.

Skandal um heimliche Geliebte

Trotz seines guten Rufs bei der Frauenförderung ist der verheiratete Top-Banker mit drei Kindern nicht frei von Skandalen. 2016 enthüllte die britische Boulevard-Zeitung «The Sun», dass er sich vor Beginn einer Welt-Bankenkonferenz in Asien, auf der er sprechen sollte, mit einer heimlichen Geliebten im Hotel traf.

Gemäss der Zeitung gab der Portugiese im Hotel umgerechnet fast 5000 Franken aus – einschliesslich Behandlungen im Luxus-Spa. Horta-Osórios Frau Ana betreibt ihr eigenes Spa in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon und hat einen Online-Blog, in dem sie die Vorzüge von Bio-Spas lobt.

Obwohl es laut Arbeitgeber keinen Verstoss gegen die eigene Spesenpolitik gab, kostete Horta-Osório der Skandal fast seinen Job. Die Briten störte sich vor allem daran, dass sich der Chef vergnügte, während die Bank gleichzeitig Tausende Stellen abbaute und zuvor Milliardenhilfe wegen der Finanzkrise vom Staat bekam.

Rohner tritt nach 12 Jahren im Verwaltungsrat ab

Noch-CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner räumt im kommenden Jahr im Einklang mit der Amtszeitbeschränkung seinen Posten. Er war zwölf Jahre im CS-Verwaltungsrat, ab 2011 als dessen Präsident, seit 2004 arbeitet er für die CS. Der Zürcher war nicht unumstritten. Der Genfer Stimmrechtsberater Ethos, der die Interessen der Aktionäre vertritt, forderte seit 2017 den Rücktritt Rohners. Ethos-Direktor Vincent Kaufmann warf Rohner Strategielosigkeit vor. «Es geht nur darum, weitere Stellen abzubauen», sagte Kaufmann in einem Interview. Nach der Beschattungsaffäre um Starbanker Iqbal Khan wurden die Rücktrittsforderungen lauter, es ging aber CEO Tidjane Thiam.

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