Aktualisiert 28.03.2018 08:24

Samira Marti

So tickt die jüngste Nationalrätin

Mit 24 Jahren wird Samira Marti die jüngste Nationalrätin der Schweiz. Eben noch in der Juso, gibt die Baselbieterin mittlerweile in der Mutterpartei den Ton an.

von
David Frische
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Mit jungen 24 Jahren wird die Baselbieter SP-Politikerin Samira Marti Nationalrätin. Sie rückt für Susanne Leutenegger Oberholzer in den Eidgenössischen Rat nach.

Mit jungen 24 Jahren wird die Baselbieter SP-Politikerin Samira Marti Nationalrätin. Sie rückt für Susanne Leutenegger Oberholzer in den Eidgenössischen Rat nach.

Samira Marti
Schon mal Nationalrats-Luft geschnuppert: Marti postete 2015 ein Foto von sich aus dem Bundeshaus. Ob sie damals auch schon vom Einzug ins Parlament träumte?

Schon mal Nationalrats-Luft geschnuppert: Marti postete 2015 ein Foto von sich aus dem Bundeshaus. Ob sie damals auch schon vom Einzug ins Parlament träumte?

Facebook/Samira Marti
Martis Vorgängerin Leutenegger Oberholzer hat ihren Rücktritt aus dem Nationalrat per Ende 2018 angekündigt.

Martis Vorgängerin Leutenegger Oberholzer hat ihren Rücktritt aus dem Nationalrat per Ende 2018 angekündigt.

Keystone/Anthony Anex

Samira Marti, hat die Juso in der SP jetzt das Sagen?

Es kommt immer wieder zu Generationenwechseln innerhalb der SP. Heute kommen die jungen Mitglieder der Partei mehrheitlich aus der Juso. Die SP wiederum schafft Platz für die Jugend, die mit der rechten Politik der SVP aufgewachsen ist und dagegen aufsteht. Das hat also nicht alleine mit meinem Nachrücken in den Nationalrat zu tun.

Mit 24 Jahren sind sie bereits Nationalrätin und mit dem gleichaltrigen Adil Koller im Präsidium der SP Baselland. Stehen Sie für einen Linksrutsch innerhalb der Partei?

Seit ich im Präsidium der SP Baselland bin, hatte ich noch nie den Eindruck, dass sich meine politischen Positionen von jenen der älteren Parteimitglieder grundlegend unterscheiden. Wir Jungen sprechen aber hier und da eine klarere Sprache. Sich trauen, zu sagen, was man denkt und nicht um den heissen Brei reden. Wir Jungen haben der SP eine neue Sprache gegeben.

Verstehen Sie sich auch als Sprachrohr der Jungen?

Ja, sicher. Ich sehe mich als Vertreterin einer Generation, die im Parlament konstant unterrepräsentiert ist und sich gegen diese Tendenz wehrt. National- und Ständerat mit vielen älteren und männlichen Mitgliedern bilden unsere Gesellschaft nicht so ab, wie sie wirklich ist.

Sie werden bald die jüngste Nationalrätin sein. Welche politischen Anliegen werden Sie nach Bern tragen?

Die Schweizer Wirtschaft ist heute nicht nachhaltig. Den Reichsten wird Geld geschenkt und es wird jenen genommen, die es am nötigsten haben. Dieser Missstand zeigt sich bei den Unternehmenssteuerreformen. Obwohl die USR III abgelehnt wurde, weist die kommende Steuervorlage 17 von Finanzminister Ueli Maurer nur minimale Anpassungen vor. 30 Franken Familienzulagen sind viel zu wenig und ein Hohn gegenüber allen, die Nein zur USR III gesagt haben. Ich setze mich unter anderem in diesem Bereich für eine Kehrtwende ein.

Ihr Genosse Fabian Molina ist neben Ihnen der einzige im Parlament, der unter 30 ist. Wie erklären Sie sich Ihren rasanten Aufstieg?

Ich habe bereits 2015 für den Nationalrat kandidiert. Dass ich jetzt tatsächlich Teil davon werde, liegt wohl in erster Linie daran, dass ich es damals bei den Wahlen auf den zweiten Platz der Nachrückenden geschafft habe. Und natürlich war auch etwas Zufall und Glück dabei. Schon damals war es mir ernst. Politik ist kein Spiel, es geht um sehr viel.

Was hat Sie eigentlich politisiert? Gab es ein Schlüsselereignis?

Ja, da gibt es zwei Themen, die mich politisiert haben. 2012 war ich erstmals an einem Schülerprotest gegen Bildungsabbau in Liestal dabei. Es war sehr prägend für mich zu sehen, was man erreichen kann, wenn man zusammen für eine Sache einsteht. Das zweite Thema ist der Aufstieg der rechten Politik der SVP während meiner Jugend. Dieser Politik auf Kosten der Schwachen und Minderheiten und zugunsten der Reichen konnte ich nicht länger zusehen und möchte ich stoppen.

Und zuletzt die Gretchenfrage: Wie halten Sie es als Ökonomin eigentlich mit dem Kapitalismus?

Die heutige Weltwirtschaft ist weder nachhaltig noch sozial. Sie ist für die Klimakatastrophe verantwortlich, die auch soziale Auswirkungen hat. Millionen Menschen fliehen vor menschengemachten Naturkatastrophen. In der Wirtschaft sollen nicht nur die mitreden dürfen, die Profit machen, sondern auch jene, die es betrifft. Sie muss demokratischer werden und alternative Wirtschaftsformen sollen diskutiert werden.

Von der Juso zur SP-Nationalrätin

Samira Marti kam am 23. Januar 1994 in Liestal BL zur Welt und wuchs in Ziefen im Oberbaselbiet auf. Die heute 24-Jährige begann ihre politische Laufbahn in der Juso Baselland. Seit März 2017 ist Marti Co-Vizepräsidentin der kantonalen SP. Sie hat ein abgeschlossenes Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften und Soziologie an der Universität Basel. Marti wohnt in Liestal und studiert zurzeit Volkswirtschaft im Master an der Universität Zürich. In ihrer Freizeit widmet sich Marti der Musik: Sie singt und spielt Klavier und Gitarre.

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