Kollege erzählt: So tickte Schauspiel-Star Bruno Ganz
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Kollege erzähltSo tickte Schauspiel-Star Bruno Ganz

Unbestechlich, authentisch, kratzbürstig: Schauspieler Martin Rapold erzählt, wie er den verstorbenen Bruno Ganz auf einem gemeinsamen Dreh erlebt hat.

von
P. Michel
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Er war einer der grössten Schweizer Schauspieler. Nun ist Bruno Ganz mit 77 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.

Er war einer der grössten Schweizer Schauspieler. Nun ist Bruno Ganz mit 77 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.

Keystone/Martial Trezzini
Der Schauspieler wuchs in Zürich auf und besuchte das Zürcher Bühnenstudio, heute bekannt als Hochschule der Künste. Ausserdem schloss er die Rekrutenschule als Sanitäter ab.

Der Schauspieler wuchs in Zürich auf und besuchte das Zürcher Bühnenstudio, heute bekannt als Hochschule der Künste. Ausserdem schloss er die Rekrutenschule als Sanitäter ab.

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Im Jahr 1960 hatte Ganz seinen ersten Auftritt in einem Film. Er spielte den Kammerdiener in dem Film «Der Herr mit der schwarzen Melone».

Im Jahr 1960 hatte Ganz seinen ersten Auftritt in einem Film. Er spielte den Kammerdiener in dem Film «Der Herr mit der schwarzen Melone».

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Martin Rapold, Sie spielten in «Der grosse Kater» (2010) an der Seite von Bruno Ganz. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie heute von seinem Tod erfahren haben?

Ich wusste, dass er an Krebs erkrankt war. Von daher musste man sich auf diese Nachricht einstellen. Aber wenn dann jemand tatsächlich unwiederbringlich abreist, ist das dann doch etwas anderes und erinnert einen an die eigene bevorstehende Reise. Bruno Ganz war ein wundervoller Schauspieler, und ich bin sicher, es hätte noch einige grossartige Rollen für ihn gegeben.

In «Der grosse Kater» spielten Sie Bruno Ganz' Chauffeur. Wie haben Sie ihn als Mensch erlebt?

Unsere gemeinsame Zeit war kurz, aber intensiv. Wir verbrachten auf dem Set viele Stunden in einer Maibach-Limousine. Dort fühlte er sich offenbar wohl, denn ich hatte das Gefühl, dass er sich in unseren persönlichen Gesprächen mir gegenüber öffnete. Ich erinnere ich mich nicht mehr genau daran, über was wir gesprochen haben. Aber das «wie» hat mich beeindruckt, seine authentische und unbestechliche Art. Die Qualität, bei sich zu bleiben. Diese Kratzbürstigkeit und Authentizität zeigten sich auch in seinem Schauspiel. Das inspirierte und war sicher ein Grund für seinen Erfolg.

Wie gross ist der Verlust für den Schweizer Film?

Mit seinen Rollen in «Heidi» oder «Vitus» hat Bruno Ganz für den Schweizer Film beste Arbeit geleistet. Seine Offenheit und diese verletzliche Verspieltheit in «Vitus», wo er den Grossvater eines hochbegabten Buben spielte, fand ich grossartig. Mein Lieblings-Ganz-Film ist allerdings «Der Erfinder» von Kurt Gloor. Wie er als Erfinder merkt, dass er etwas bereits Erfundenes erfunden hat, ist von einer wunderbaren tragischen Komik.

Für viele ist Ganz' Verkörperung von Adolf Hitler in «Der Untergang» seine Meisterleistung. Ist sie auch Ihr Favorit?

Es war sicher sehr mutig, den Film zu machen. Darüber, ob dies sein bester Film ist, kann man streiten. Sagen wir so, es ist vielleicht seine «lauteste» Performance, akustisch und medial. Da bevorzuge ich «Himmel über Berlin» von Wim Wenders (1987). Da konnte man bereits erahnen, wie gross Bruno Ganz einmal werden würde.

Martin Rapold.

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