Skandale im Vatikan: So toll trieben es die Päpste
Aktualisiert

Skandale im VatikanSo toll trieben es die Päpste

Papst Franziskus gilt als Ausbund der Bescheidenheit. Ungleich mancher seiner Vorgänger: Habgier war nur eines ihrer Laster. Auf dem Stuhl Petri sassen Ehebrecher, Vergewaltiger und eine Leiche.

von
Daniel Huber

Seit dem 13. März 2013 ist Jorge Mario Bergoglio als Papst Franziskus das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Der erste Jesuit, der zum Papst gewählt wurde, gilt als «Papst der Armen», der mit Traditionen bricht und bescheiden auftritt.

Doch unter seinen 265 Vorgängern auf dem Heiligen Stuhl gab es einige, die ganz und gar nicht bescheiden waren, sondern ihr Amt als Gelegenheit sahen, in jeder Beziehung auf ihre Kosten zu kommen. Habgier war da bei weitem nicht das einzige Laster – zahlreiche Stellvertreter Christi waren auch den fleischlichen Genüssen keineswegs abgeneigt. Berüchtigt sind da natürlich vor allem die Renaissancepäpste des 16. Jahrhunderts, als die Prachtentfaltung des Papsttums ihren Höhepunkt erreichte. Damals gab es in Rom so viele Prostituierte, dass man die Ewige Stadt spasseshalber nicht mehr caput mundi («Haupt der Welt»), sondern cauda mundi («Schwanz der Welt») nannte.

Franziskus gilt als konservativ und volksnah

Inzest und Gift

Auch Papst Alexander VI. (1492 - 1503) aus der berüchtigten Familie der Borgia, der seine Wahl zum Pontifex gekauft hatte, war dem weiblichen Geschlecht trotz seinem Keuschheitsgelübde sehr zugetan. Er hatte mehrere Kinder mit verschiedenen Frauen, überdies soll er mit seiner eigenen Tochter Lucrezia eine inzestuöse Beziehung geführt haben – dies mag aber auch ein Gerücht sein, das von seinen Gegnern in die Welt gesetzt wurde. Dasselbe gilt für die Gruppensex-Orgien, die er während seines Pontifikats veranstaltet haben soll. Seine Gegner soll Alexander mit dem berüchtigten «Borgia-Gift» aus dem Weg geräumt haben.

Der neue Papst bricht mit der Tradition

Video: «Horrible Histories - Pope Alexander VI»

Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick auf Alexander VI. (engl.):

(Quelle: Youtube/TheElviniho)

Aber auch schon früher lebten manche Päpste keineswegs dem keuschen Ideal nach, das die Kirche predigte. Im frühen 10. Jahrhundert begann mit Papst Sergius III. (904 – 911) eine Periode des Papsttums, die heute den unrühmlichen Namen «Pornokratie» (von griech. porne, «Hure») trägt. Während dieser Mätressenherrschaft standen die Päpste unter dem Einfluss von zum Teil käuflichen Geliebten. Besonders Marozia, eine Tochter des Grafen von Tusculum, beherrschte Rom als selbst ernannte senatrix (Senatorin). Gleich vier Päpste nacheinander – Johannes X., Leo VI., Stephan VII. und Johannes XI. – waren völlig von ihr abhängig.

Vom gehörnten Ehemann erschlagen

Den zweifelhaftesten Ruf der «pornokratischen» Päpste aber geniesst wohl Johannes XII. Er wird als eine der erbärmlichsten Figuren beschrieben, die je in der Geschichte Roms eine Rolle gespielt haben; 963 wurde er wegen Unwürdigkeit abgesetzt. Johannes, der mit 16 (oder spätestens 18) Jahren Papst wurde, soll Pilgerinnen im Petersdom vergewaltigt und Trinksprüche auf den Teufel ausgegeben haben. Ein Jahr nach seiner Absetzung wurde er angeblich von einem gehörnten Ehemann erschlagen, als er gerade mit dessen Frau im Bett lag.

Mit dem Tod kehrte auch für die meisten Päpste Ruhe ein. Nicht so für Formosus (891 - 896): Papst Stephan VI. (896 - 897) liess den Leichnam seines Vorvorgängers aus dem Grab holen und vor Gericht stellen. Der Grund dafür waren politische Machtkämpfe zwischen verschiedenen Adelshäusern, in die auch die Päpste involviert wurden. In der sogenannten «Leichensynode» wurde Formosus verurteilt; man schnitt der Leiche die drei Schwurfinger ab und warf sie in den Tiber. Stephans Nachfolger Theodor II (897) rehabilitierte Formosus und liess dessen Leichnam, den Anhänger aus dem Tiber geborgen hatten, wieder im Petersdom bestatten. Damit nicht genug: Sergius III, ein Anhänger Stephans, liess die verweste Leiche wieder exhumieren, enthaupten und in den Tiber werfen – wo sie sich in einem Fischernetz verfing und erneut geborgen wurde.

Eine naturgemäss willkürliche Auswahl an päpstlichen Skandalen finden Sie in der Bildstrecke oben (Quelle: www.stammbaum24.com).

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