Ungewollt manipuliert: So tricksen dich «Dark Patterns» im Internet aus
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Ungewollt manipuliertSo tricksen dich «Dark Patterns» im Internet aus

Ein falscher Klick und schon sind die Cookies akzeptiert oder das Abo abgeschlossen. Solche Taktiken zu erkennen, ist für Laien schwierig - in der Schweiz sind diese «Dark Patterns» aber gänzlich legal.

von
Dominique Zeier
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Im Internet wird hart um die Aufmerksamkeit der Nutzerinnen und Nutzer gekämpft.

Im Internet wird hart um die Aufmerksamkeit der Nutzerinnen und Nutzer gekämpft.

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So wird häufig versucht, Userinnen und User mittels Tricks dazu zu bringen, auf gewisse Dinge zu klicken…

So wird häufig versucht, Userinnen und User mittels Tricks dazu zu bringen, auf gewisse Dinge zu klicken…

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…Abonnements abzuschliessen…

…Abonnements abzuschliessen…

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Darum gehts

  • Sogenannte Dark Patterns versuchen, Nutzerinnen und Nutzer auf Websites oder in Apps auszutricksen.

  • Ziel ist es, sie zum Lösen eines Abos, einem Kauf oder der Preisgabe privater Informationen zu bewegen.

  • Ein US-Bundesstaat hat diese Praktik nun für illegal erklärt.

  • In der Schweiz ist die Anwendung von Dark Patterns nach wie vor erlaubt.

Rote Buttons, automatisch angekreuzte Felder und Ferienwohnungen, die gerade auch «fünf andere Personen anschauen» – solche Werbe-Fallen sind überall im Netz zu finden. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat dazu nun sogar ein neues Gesetz beschlossen, das Konsumentinnen und Konsumenten im Internet besser vor sogenannten «Dark Patterns» schützen soll. Dabei handelt es sich um Tricks, die bei der User-Experience angewendet werden, um Nutzerinnen und Nutzer dazu zu bewegen, einen Kauf zu tätigen, ein Abo abzuschliessen oder persönliche Daten preis zu geben, ohne dass sie dies eigentlich wollen oder bemerken.

Kalifornien wird damit zum ersten Staat in den USA, der den Gebrauch solcher Dark Patterns illegal macht, berichtet «Business Insider». Unternehmen, die weiterhin solche Taktiken anwenden, werden künftig verwarnt und erhalten eine 30-Tage-Frist, innert welcher sie ihre Website oder App anpassen müssen. Geschieht dies nicht, muss der Betrieb mit Sanktionen rechnen. Doch was gilt genau als Dark Pattern und wie sieht es in der Schweiz aus?

Dringlichkeit vermitteln

Prominente Beispiele von Dark Patterns im Internet sind laut Darkpatterns.org beispielsweise auf Seiten wie Booking.com zu finden. Solche Sites tun alles in ihrer Macht stehende, um ein Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln. So werden beispielsweise Hotels oder Ferienwohnungen mit hohen Bewertungen angezeigt, die aber nicht buchbar sind, weil ein anderer User oder eine andere Userin diese gerade eben gebucht haben soll. Den Nutzenden zeigt dies, dass sie schnell handeln müssen, um die verbliebenen, hoch bewerteten Unterkünfte zu buchen.

Noch perfider wird es bei Banner- oder In-App-Werbungen, die den Nutzer oder die Nutzerin aktiv zu täuschen versuchen. So beispielsweise bei dieser Werbung, die vorgibt, ein Staubkorn sei auf den Bildschirm gefallen. Versuchen die Userinnen und User, das Staubkorn wegzuwischen, klicken sie aus versehen auf die Werbung.

«Konsumentenschutz in der Schweiz ist unterentwickelt»

Auch in der Schweiz werden solche Taktiken eingesetzt, um die Konsumentinnen und Konsumenten mit allen Mitteln manipulieren zu wollen, wie Martin Steiger, Anwalt für Recht im Online-Raum, weiss. «Abofallen, mit denen wir es als Anwaltskanzlei häufig zu tun haben, sind Dating-Plattformen.» Immer wieder Ärger verursachten ausserdem Telekommunikations-Abos, die nicht per Brief, sondern nur via Chat oder telefonisch aufgelöst werden können.

«Der Konsumentenschutz in der Schweiz ist unterentwickelt. Es ist deshalb für Konsumentinnen und Konsumenten schwierig bis unmöglich, gegen AGB, die einseitig formuliert sind, vorzugehen», so Steiger. Ausserdem stehe man als Privatperson meist alleine da. «Betroffenen müssen sich einzelnen wehren, denn es gibt keine Sammel- oder Verbandsklagen, um die Interessen von Konsumenten zu bündeln.» Dies bedeute, das Konsumentinnen und Konsumenten bereit sein müssten, allein gegen grosse Unternehmen den Rechtsweg zu beschreiten. Und das geschieht nur selten, erklärt der Anwalt.

Sales Taktik oder Dark Pattern?

Die User-Experience-Expertin Ina Hedwiger der Zeix AG kennt das Problem mit Dark Patterns ebenfalls. So gebe es sogar innerhalb von Unternehmen verschiedene Meinungen darüber, wann etwas noch schlaue Sales-Taktik ist und ab wann man von einem Dark Pattern spricht. «Ist es schon ‹dark›, wenn das Häkchen für den Newsletter im Bestellformular schon gesetzt ist und der User oder die Userin es aktiv rausnehmen muss? Oder wenn die Seite oder das Werbebanner so gebaut ist, dass man – klickt man das Angebot an der falschen Stelle - doch auf die Sales-Seite kommt? Oder dass der User als Alternative zu ‹Jetzt kaufen› klicken muss ‹Nein, ich möchten nicht sparen›, um ein Angebot verschwinden zu lassen?»

In der Schweiz kann man das Prinzip von Dark Patterns momentan zum Beispiel bei den Einstellungen für Cookie-Banner antreffen. Dort kann man laut Hedwiger zwar oft auswählen, welche Cookies man akzeptieren möchte und welche nicht, durch die Farbe, Beschriftung und die Platzierung der Buttons werde einem aber trotzdem nahegelegt, die eigene Auswahl wieder zu übersteuern. Dies sei für User schwer nachzuvollziehen.

«Eine Zeit lang hatte die Swiss ein recht dunkles Pattern im Einsatz, das wir damals auf Instagram beschrieben haben – die Swiss hat das inzwischen verbessert», erklärt Hedwiger weiter. Es handelte sich um folgendes Beispiel:

Für Laien kaum erkennbar

Zwar würden Dark Patterns von Schweizer Unternehmen nicht so aggressiv eingesetzt wie im Ausland, Unternehmen importieren aber solche Patterns, indem sie Minianwendungen und Dienste mit solchen Voreinstellungen in bestehende Websites integriert oder indem die Konsumenten die grossen Buchungs- und Handelsunternehmen aus dem Ausland einfach gerne nutzen, so Hedwiger. Anzutreffen in der Schweiz sei beispielsweise folgendes Bauteil für Websites von Usercentric aus München. «Was muss ich klicken, wenn ich keine Marketing-Cookies möchte? ‹Akzeptieren und schliessen› oder ‹Speichern›? Ist das einfach aus Versehen schlechte User Experience oder versucht man hier mit Absicht, die Userinnen und User zu verwirren?»

«Zu erkennen sind Dark Patterns für Laien oft nicht – das Interaktionsdesign will ja genau, dass der User oder die Userin es nicht oder als etwas anderes wahrnimmt», so Hedwiger. Wer aber dennoch ein solches Dark Pattern erkennt, könne von diesem einen Screenshot anfertigen und die Praktik öffentlich machen. Alternativ kann man sich laut der UI-Expertin direkt beim Betreiber beschweren. Einmal enttarnt, verschwänden Dark Patterns oft sehr schnell wieder von der Screen-Fläche. Ansonsten bleibe für Einkäufe und Buchungen der Wechsel zu anderen Anbietern.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

Deine Meinung

29 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Willhelm T.

04.04.2021, 10:32

Bei Booking-com suche ich immer die Hotels aus, lese die Berschreibungen und sehe mir die Photos an. Danach rufe ich das Hotel an und buche per Telefon meine Zimmer, billiger und mehr Auswahl. Dank an boocking für den Gratisservice, ihr sollt an den unbezahlten Kosten zu Grunde gehen.

Mike Lohmann

04.04.2021, 10:16

In einem Land in dem auch die Behörden den Bürgern getarnt auflauern, ist wohl kaum mit einem Konsumentenschutz zu rechnen.

Und der Datenschützer

04.04.2021, 07:51

Ist damit beschäftigt den digitalen Gesundheitspass zu bodigen