Aktualisiert 15.12.2013 23:08

Antikes LiebeslebenSo trieben es die alten Römer

Die Sitten im Römischen Reich waren locker – bis die Christen kamen. Ein neues Buch zeigt auf, wie die neue Religion die Sexualmoral veränderte.

von
lmm

Die Wände der antiken Stadt Pompeji im heutigen Süditalien waren voll mit pornographischen Darstellungen (siehe Bildstrecke), und zahlreiche Überlieferungen berichten vom ausschweifenden Liebesleben der Römer. Sex wurde als ein Geschenk von wohlwollenden Göttern angesehen, über das der Mensch selber nicht die volle Kontrolle hatte – und wenn immer möglich vollzogen.

Prüde waren sie nicht, die alten Römer. Das änderte sich aber, als das Christentum an Einfluss gewann. Wie der Altertumsforscher Kyle Harper in seinem neuen Buch «From Shame to Sin: The Christian Transformation of Sexual Morality in Late Antiquity» zeigt, gab es selten einen solch krassen und schnellen Sittenwandel wie in den Jahren nach 313, als Kaiser Konstantin mit dem Toleranzedikt von Mailand das Christentum zu fördern begann.

Sex und Sklaverei

Harper macht auch klar, dass beim lockeren Sexleben der Römer vieles nicht ganz freiwillig ablief. So seien wenige der in Pompeji abgebildeten Frauen freiwillige Teilnehmer der Orgien und Gelage. Ebenso wurden zahlreiche junge Sklaven zum Liebesdienst gezwungen. Die Sklaverei und die damit verbundene freie Verfügbarkeit von gefangenen Frauen und Männern war die wichtigste Grundlage für das «fröhliche Treiben», das für eine Seite meistens nicht so fröhlich war.

Die Ausbeutung von armen Frauen und Sklavinnen wurde vom Staat sogar begünstigt. Die Körper der Freien, der römischen Bürger, waren hingegen vom Gesetz streng geschützt. Einvernehmlicher Sex unter gleichgestellten Erwachsenen war viel komplizierter – so auch in der Ehe, die nicht zwingend der Ort war, an dem Mann und Frau ihre sexuellen Fantasien ausleben konnten.

Gegen Unzucht und Prostitution

Die christliche Ethik sah die menschliche Sexualität in einem ganz anderen Licht. Für den heiligen Paulus stand Unzucht symbolisch für die Auflehnung des Menschen gegen Gott. Jeder Verkehr ausserhalb der Ehe war falsch und eine schwere Sünde. Als die Christen schliesslich an die Macht kamen, stülpten sie ihre Vorstellung dem ganzen Reich über.

Männliche Prostituierte – gleichgeschlechtlicher Verkehr wurde als die schlimmste Sünde angesehen – wurden bald verbrannt, Prostitution generell verboten. Hassprediger im ganzen Reich prügelten den Leuten die neuen Regeln ein. Sie schafften es, die Ideen einer kleinen, lange verbotenen Gruppe unter eine grosse Masse zu bringen und ihre strenge Sexualmoral zu etablieren – mit Nachwirkungen bis heute.

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