Alkoholkonsum: So trinkt die Schweiz
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AlkoholkonsumSo trinkt die Schweiz

Wie viel trinkt die Schweiz? Was sind unsere Lieblingsgetränke? Wann vergeht die Lust am Bier? Der Alkohol-Report von 20 Minuten liefert die Antworten.

von
Th. Bigliel
National rückläufig, bei den Jugendlichen aber steigend: Alkoholkonsum in der Schweiz.

National rückläufig, bei den Jugendlichen aber steigend: Alkoholkonsum in der Schweiz.

Ein neues Präventionsprojekt des Bundes soll dazu beitragen, dass die Bürger ihren Alkoholkonsum kritisch hinterfragen. «Wie viel ist zu viel?», lautet die zentrale Frage der Kampagne. Doch wie sehen die Trinkgewohnheiten der Schweizer überhaupt aus? Wie unterscheiden sie sich zwischen Frauen und Männern? Und wie hat sich unser Alkoholkonsum in den letzten Jahrzehnten verändert? 20 Minuten hat in die Gläser der Schweizerinnen und Schweizer geschaut.

So viel trinken wir:

Quelle: Eidg. Alkoholverwaltung EAV / Eigene Darstellung

Aktuelle Zahlen der eidgenössischen Alkoholverwaltung zeigen, dass der typische Schweizer pro Jahr rund 100 Liter in Form von alkoholischen Getränken konsumiert. Das macht pro Woche eine Flasche Wein und zwei Dosen Bier. Angesichts der Zahlen darf die Schweiz durchaus als Land der Biertrinker bezeichnet werden. Selbst in der weinliebenden Westschweiz nimmt der Gerstensaft einen höheren Stellenwert ein als der Wein - zumindest, was die Menge angeht.

Alkohol früher und heute:

Quelle: Suchtmonitoring Schweiz (2012) / Eigene Darstellung

Verantwortlich dafür sind die «geänderten Trinkgewohnheiten», wie Frank Zobel, Soziologe und Vizedirektor von Suchtschweiz, erklärt. Besonders stark nachgelassen habe dabei der tägliche Alkoholkonsum. «Besonders der Wein war lange ein tägliches Konsumprodukt.» So war es früher durchaus üblich, beim Mittagessen Wein zu bestellen. Heute sei das weniger akzeptiert. «Schon gar nicht während der Arbeitszeit».

Wer trinkt was?

Quelle: Suchtmonitoring Schweiz (2012) / Eigene Darstellung

Männer trinken lieber Bier, Frauen lieber Wein - die Statistik bestätigt das Klischee . Bier ist zwar das beliebteste alkoholische Getränk, aber in der Schweiz wird insgesamt am meisten Alkohol in Form von Wein konsumiert. Andere Klischees lassen sich laut Zobel statistisch hingegen nicht erhärten. «Dass in der Westschweiz vor allem Wein, in der Deutschschweiz Bier und im Tessin Grappa getrunken wird, ist ein Mythos.»

Ist Wein eine Frage des Alters?

Quelle: Suchtmonitoring Schweiz (2012) / Eigene Darstellung

Hat Wein etwas mit dem Alter zu tun? «Ja», meint Sozialforscher Zobel. «Der getränkespezifische Konsum verändert sich stark mit dem Alter. Der Preis, der Geschmack und das Image des Weins sind für Jugendliche nicht sexy.» Der Weinkonsum nimmt prozentual mit dem Alter zu. Alkopops werden hingegen hauptsächlich in sehr jungen Jahren konsumiert. Bleibt die Frage: Wann wird aus einem Bier- ein Weintrinker? Statistisch gesehen zwischen 25 und 35. In diesem Alter finden die meisten zunehmend Gefallen an dem vergärten Traubensaft - und das immer mehr und bis ins hohe Alter. «Spätestens ab 45 wird Bier zunehmend zur Nebensache.»

Greift man in der Romandie öfters zur Flasche?

Quelle: Suchtmonitoring Schweiz (2012) / Eigene Darstellung

Im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Deutschschweiz, schaut man in der Westschweiz tatsächlich deutlich häufiger ins Glas. Knapp ein Drittel der Romands trinkt zwischen drei- und siebenmal in der Woche ein alkoholisches Getränk. Zum Vergleich: In der Deutschschweiz sind es 23 Prozent, die regelmässig zur Flasche greifen. Spitzenreiter ist jedoch das Tessin. «Dass im italienischsprachigen Landesteil öfter Wein gereicht wird, hat kulturelle Gründe.» Mehr trinken die Tessiner dadurch aber nicht. «Dafür regelmässiger», stellt Zobel fest.

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