19.02.2015 10:42

Luxus oder NostalgieSo überleben Skigebiete trotz starkem Franken

In den Schweizer Winterkurorten nimmt die Zahl der Gäste wegen des starken Frankens ab. Mit diesen vier Strategien könnte die Wende klappen.

von
K.Wolfensberger
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Den Schweizer Skigebieten macht der starke Franken zu schaffen. Doch Experten haben eine Reihe von Strategien, die ihnen helfen sollen, der Währungsfalle zu entschwinden.

Den Schweizer Skigebieten macht der starke Franken zu schaffen. Doch Experten haben eine Reihe von Strategien, die ihnen helfen sollen, der Währungsfalle zu entschwinden.

Keystone/Gaetan Bally
Strategie 1: Luxus
Strategie 1: Luxus

Wenn schon teuer dann richtig. Die Superreichen kommen auch ins «Chedi» oder nach St. Moritz, wenn es noch so teuer ist.

Keystone/Eddy Risch
Strategie 2: Asien
Strategie 2: Asien

Wenn nicht mehr genug Europäer kommen, wieso nicht neue Märkte erschliessen? Am besten in China.

Keystone/how Hwee Young

Die Freigabe des Schweizer Frankens trifft die Tourismusbranche mit voller Härte. Für die ausländischen Gäste ist das Land auf einen Schlag 15 bis 20 Prozent teurer geworden. Noch sind die Buchungsstände zwar gut, doch in Zukunft wird es schwierig. Wie sollen in diesem Umfeld zum Beispiel die Skidestinationen längerfristig überleben? Vier Strategien aus der Krise.

Die Luxus-Strategie Seit der Aufhebung des Mindestkurses ist die Schweiz für ausländische Gäste teurer geworden. Wieso die Preise nicht noch weiter erhöhen und auf die Superreichen dieser Welt als Kunden setzen? Dies schlägt die «Aargauer Zeitung» vor. Ihr Argument: Reiche kommen auch für 1000 Franken pro Nacht in Hotels wie «The Chedi» in Andermatt.

Die Expansions-Strategie Wenn nicht mehr genug Touristen aus Europa kommen, so gilt es neue Märkte zu erschliessen. Zum Beispiel in Asien oder im arabischen Raum.

Die Familien-Strategie Wenn das Angebot in der Schweiz teurer ist als anderswo, so müsse man Zusatzdienstleistungen bieten, schreibt die «Aargauer Zeitung». Zum Beispiel mit Sonderangeboten für Kinder.

Die Nostalgie-Strategie Braucht es immer den neusten Sessellift? Anlagen sind im Unterhalt extrem teuer. Eine Möglichkeit: den Ausbau-Standard zurückfahren, dafür tiefere Preise anbieten.

Welche dieser Strategien bietet die grössten Aussichten auf Erfolg? «Das kommt ganz darauf an. Eigentlich handelt es sich um vier Teilstrategien, die je nach Situation mehr oder weniger eingesetzt werden sollten», sagt Bruno Gantenbein, Schulleitungsmitglied der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden, zu 20 Minuten.

Für die meisten Destinationen kämen aber primär die Expansions- und die Familien-Strategie infrage. Gantenbein nennt ein Beispiel: «Einige Skigebiete bieten Kleinkindern gratis Skischulunterricht. Eine gute Idee, denn viele Menschen gehen auch als Erwachsene immer wieder dorthin in die Winterferien, wo sie den Sport einst erlernten.»

Den Gästen Mehrwert bieten

Jürg Stettler, Tourismus-Professor an der Hochschule Luzern, ist, was die vier Strategien anbelangt, eher skeptisch. Vor allem der Nostalgie-Idee kann er nicht viel abgewinnen. «Das funktioniert höchstens als Nischen-Konzept.»

Sein Gegenvorschlag: «Ich rate an, mehr Kooperationen einzugehen, wie sie zwischen zwölf Hotelbetrieben in Adelboden und Frutigen geplant ist.» Dadurch liessen sich beispielsweise die Kosten für Vermarktung und Einkauf dank Skaleneffekten um 10 bis 40 Prozent senken.

«Ausserdem sollte man den Kunden immer einen besonderen Mehrwert bieten.» Gerade in Zeiten des starken Frankens seien Zusatzleistungen ein gutes Argument für die im internationalen Vergleich hohen Preise.

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