14.09.2020 19:01

Forscher finden MechanismusSo überlistet das Coronavirus eine infizierte Zelle

Coronaviren kapern menschliche Zellen und bringen sie dazu, statt eigene fast nur noch Virusproteine zu produzieren. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, wie das geht.

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Unter dem Elektronenmikroskop: eine Aufnahme des Coronavirus.

Unter dem Elektronenmikroskop: eine Aufnahme des Coronavirus.

KEYSTONE
Forscher der ETH Zürich und der Universität Bern haben herausgefunden, wie das Coronavirus die Kontrolle über eine infizierte Zelle übernimmt.

Forscher der ETH Zürich und der Universität Bern haben herausgefunden, wie das Coronavirus die Kontrolle über eine infizierte Zelle übernimmt.

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Nachdem das Coronavirus eine menschliche Zelle gekapert hat, wird das Protein namens NSP1 als eines der ersten Virusproteine hergestellt.

Nachdem das Coronavirus eine menschliche Zelle gekapert hat, wird das Protein namens NSP1 als eines der ersten Virusproteine hergestellt.

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Darum gehts

  • Forscher haben herausgefunden, wie das Coronavirus die Kontrolle über infizierte Zellen übernimmt.
  • Der entdeckte Mechanismus führt dazu, dass die Zellen fast nur noch Virusproteine produzieren.
  • Dass Wissen über diesen Mechanismus könnte wichtige Informationen zum Design eines möglichen künftigen Medikamentes liefern.

Forschende der ETH Zürich und der Universität Bern haben herausgefunden, wie das Coronavirus die Kontrolle über eine infizierte Zelle übernimmt. Der entdeckte Mechanismus führt dazu, dass die Zellen statt eigenen fast nur noch Virusproteine produzieren.

Nachdem das Coronavirus eine menschliche Zelle gekapert hat, wird das Protein namens NSP1 als eines der ersten Virusproteine hergestellt. Von anderen Coronaviren wusste man bereits, dass NSP1 die Produktion von zelleigenen Proteinen hemmt. Die Wissenschaftler haben nun herausgefunden, wie das genau geschieht.

Die sogenannten Ribosomen lesen genetische Informationen ab und stellen darauf basierend Proteine her. Beim Ablesen durchläuft der Bauplan einen Kanal im Ribosom. Die Forschenden konnten in einer Studie im Fachmagazin «Nature Structural & Molecular Biology» zeigen, dass NSP1 innerhalb des Kanals bindet und so das Ribosom blockiert.

Möglichkeit für Medikamentenentwicklung

Mittels der Kryo-​Elektronenmikroskopie konnte die Bindungsstelle von NSP1 mit atomarer Auflösung dargestellt werden. «Dieses detaillierte Abbild liefert wichtige Informationen zum Design eines möglichen künftigen Medikamentes, welches die Bindung von NSP1 verhindert, die ribosomale Funktion aber nicht beeinträchtigt», sagte Nenad Ban, Professor für Molekularbiologie an der ETH Zürich und Mitautor der Studie, gemäss der Mitteilung der Hochschule.

In Experimenten stellten die Forschenden abgeänderte NSP1-Varianten her, die ihre hemmende Wirkung verloren hatten. Sars-​CoV-2 Viren mit solchen inaktiven Varianten würden so abgeschwächt sein, dass sie sich nicht mehr vermehren und somit auch keine starke Krankheit mehr auslösen können. Solche abgeschwächte Viren könnten gemäss den Forschenden als Impfstoff verwendet werden.

(SDA)

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78 Kommentare
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elisa

15.09.2020, 08:00

Sehr interessanter Artikel. Dieses Virus ist so speziell, vielseitig und unberechenbar und die Folgen noch nicht absehbar. Vlt. finden sie so schnell ein Medikament, das hilft. Es ist kein normales Grippevirus.

leonie

15.09.2020, 06:43

Damit ist klar, vogel gehört zur Vierengruppe q

Forscher

15.09.2020, 06:25

Ich habe in einer gross angelegten Studie herausgefunden, dass Sars Cov2 durch zwei Mal furzen restlos ausgeschieden werden kann.