03.04.2020 16:10

#bliibdehei

So überwacht uns die Polizei am Wochenende

Patrouillen, Überwachungskameras, Drohnen: Um Verstösse gegen die Corona-Verhaltensregeln zu verhindern, hat die Polizei verschiedene Mittel zur Hand.

von
Joel Probst
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Am Wochenende verstärkt die Polizei schweizweit ihre Patrouillen, um für die Einhaltung der Corona-Verhaltensregeln zu sorgen.

Am Wochenende verstärkt die Polizei schweizweit ihre Patrouillen, um für die Einhaltung der Corona-Verhaltensregeln zu sorgen.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Szenen wie hier am Zürcher Seeufer sollen verhindert werden. Wer nicht einsichtig ist, wird gebüsst.

Szenen wie hier am Zürcher Seeufer sollen verhindert werden. Wer nicht einsichtig ist, wird gebüsst.

Keystone/Alexandra wey
Die Kantonspolizei Aargau setzt sogar auf «virtuelle Patrouillen»: Mit Überwachungskameras kann sie öffentliche Plätze kontrollieren.

Die Kantonspolizei Aargau setzt sogar auf «virtuelle Patrouillen»: Mit Überwachungskameras kann sie öffentliche Plätze kontrollieren.

Keystone/Alexandra wey

Das anstehende Wochenende mit strahlendem Frühlingswetter wird zur Hauptprobe für Ostern. Die grosse Frage ist: Halten sich die Schweizer trotzdem an die Corona-Verhaltensregeln und bleiben zu Hause?

Um die öffentlichen Plätze zu kontrollieren, setzt die Kantonspolizei Aargau auf Überwachungskameras: Mit einer Sonderverordnung erlaubt der Regierungsrat der Polizei, in Echtzeit auf bestehende Videokameras zuzugreifen, um mit «virtuellen Patrouillen» für die Einhaltung der Corona-Regeln zu sorgen.

Drohneneinsätze sind möglich

Die Aargauer sind nicht die Einzigen, die sich wappnen. «Die Polizeikorps werden ihre Präsenz in den kommenden Tagen – auch im Hinblick auf die Festtage – merkbar verstärken», kündigte Stefan Blättler, der höchste Schweizer Polizist und Kommandant der Berner Kantonspolizei, am Donnerstag vor den Medien an. Es gehe darum, für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Sogar Drohneneinsätze sind zur Überwachung öffentlicher Plätze möglich, sagt Blättler. Bei allen von 20 Minuten zum Thema befragten Polizeikorps war diese Massnahme aber noch kein Thema.

Zu einer ungewöhnlichen Massnahme greift der Kanton Jura: Die Kantonspolizei setzt dort eine Pferdebrigade im Kampf gegen Menschenansammlungen ein. Zwei Polizistinnen in Uniform werden bald hoch zu Ross durch die belebtesten Ausflugsorte des Kantons reiten.

«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Auch die St.Galler Kantonspolizei arbeitet auf Hochtouren an den Vorbereitungen für das Wochenende: «Wir rechnen mit mehr Regelverstössen», sagt Mediensprecher Hanspeter Krüsi zu 20 Minuten. Bereits letzten Samstag habe sein Korps dieses Verhalten feststellen müssen. Jetzt komme in St. Gallen noch der Ferienbeginn dazu.

Sein Korps setze deshalb am Wochenende über den ganzen Kanton flächendeckend deutlich mehr Polizisten ein – eine aussergewöhnliche Massnahme: «In meinen über dreissig Jahren bei der Polizei habe ich das in dieser Dimension noch nie erlebt», so Krüsi.

Um an möglichst vielen neuralgischen Punkten präsent zu sein, würden zusätzliche Mitarbeiter aufgeboten. Im Moment mangle es nicht an Personal. Aber: «Nach diesem intensiven Wochenende steht noch Ostern an, wo wir vielleicht sogar noch mehr Leute einsetzen müssen.»

In Bern sind Parkanlagen gesperrt

Die anderen Kantone lassen sich nicht in die Karten blicken. «Wir wissen, was am Wochenende für Wetter angesagt ist», sagt Toprak Yerguz von der Kantonspolizei Basel-Stadt. Es seien zurzeit generell mehr Polizisten auf Patrouille. «Wir können zwar nicht flächendeckend überall sein, werden aber punktuell mehr Patrouillen einsetzen.» Details verrät Yerguz «aus polizeitaktischen Gründen» nicht.

Auch die Polizisten der Kantonspolizei Bern werden in den kommenden Tagen verstärkt draussen auf Patrouille sein, sagt Mediensprecherin Jolanda Egger. Bereits wurden im Kanton Bern verschiedene Parkanlagen geschlossen. Diese Massnahmen – auch die Stadt Zürich sperrte das Seeufer und verschiedene Pärke – liegen in der Kompetenz der Gemeinden.

«Verrückt, dass Polizei Aufpasser spielen muss»

Das Vorgehen der Polizisten ist bei Regelverstössen stets das gleiche: Bussen sollen möglichst nicht ausgesprochen werden, stattdessen wird an die Vernunft des Fehlbaren appelliert. Zeigt er sich dennoch uneinsichtig, wird gebüsst.

Trotz allem ist das immer wieder nötig. Für Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kapo St.Gallen, unverständlich: «Eigentlich ist es verrückt, dass die Polizei noch Aufpasser spielen muss. Mittlerweile weiss jeder, dass er zu Hause bleiben sollte.»

Auch Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit appelliert an die Bevölkerung, trotz des schönen Wetters zu Hause zu bleiben: «Ein kleiner Spaziergang um den Block ist in Ordnung.» Aber Promenaden oder andere normalerweise stark frequentierte Orte seien zu meiden. Er warnt: «Weitergehende Massnahmen werden wir nach dem Wochenende und vielleicht noch vor Ostern diskutieren.»

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