Tesla-Hype: So umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich

Aktualisiert

Tesla-HypeSo umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich

Mit dem Hype um Tesla stellt sich immer wieder die Frage nach der Ökobilanz von Elektroautos. Denn sie sind nicht per se sauberer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

von
lin

Vor kurzem stellte Tesla das Model 3 vor: das Elektroauto, mit dem das kalifornische Unternehmen den Massenmarkt erobern will. Obwohl das Auto wohl erst Ende 2017 in Produktion gehen wird, wurde die Firma von CEO Elon Musk mit Vorbestellungen förmlich überrannt. Gegen 400'000 sollen es inzwischen sein, wie ein Tesla-Manager diese Woche in Amsterdam erklärte.

Auch bei den Lesern von 20 Minuten stiess das neue Tesla-Modell auf grosses Interesse, wobei sich die Diskussionen auch um die Ökobilanz von Elektroautos drehten. Während viele die Elektromobilität für die Technik der Zukunft halten, äusserten sich andere kritisch: Elektroautos seien nicht wirklich ökologischer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Stimmt das?

• Herstellung:

Um die Ökobilanz von verschiedenen Antrieben vergleichen zu können, muss auch die Produktion der Autos selbst betrachtet werden. Und hier liegen Elektroautos klar im Nachteil. Laut einer Studie des Fraunhofer-Institut für Bauphysik, die den ganzen Lebenszyklus – vom Abbau der Rohstoffe bis zum Recycling – analysierte, fallen rund 60 Prozent mehr CO2-Emissionen an als bei Autos mit Verbrennungsmotoren. Der Grund ist vor allem die Batterie. Beim Abbau von Rohstoffen wie Seltener Erde werden oft grosse Mengen an giftigen Stoffen ein- und freigesetzt. Das geschieht zudem meist in Ländern, wo der Umweltschutz keine grosse Rolle spielt.

Die heutigen Batterien bedeuten zudem viel Gewicht. Jene des Tesla Model S zum Beispiel wiegt 750 Kilogramm. Damit die Autos nicht zu schwer sind, setzen die Hersteller auf Leichtbau-Karosserien, die meist aus Aluminium bestehen. Auch die Produktion des Leichtmetalls ist in vielen Fällen problematischer für die Umwelt als beim Stahl, der für Autos mit Verbrennungsmotoren normalerweise eingesetzt wird.

• Verbrauch:

Während Elektroautos bei der Herstellung nicht mit Umweltfreundlichkeit punkten können, sieht es beim täglichen Einsatz auf den Strassen besser aus – falls das Fahrzeug mit Ökostrom betankt wird. Denn wer sein Elektroauto vollständig mit Ökostrom betreibt, hat ab 30'000 Kilometern die negative Ökobilanz der Produktion ausgeglichen. Ab diesem Zeitpunkt sind Elektroautos «sauberer». Beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien 50 Prozent am Strommix, müssen Elektroautos 100'000 Kilometer bewegt werden, um das Produktionsdefizit wettzumachen, so die Forscher des Fraunhofer-Instituts.

• Lebensdauer:

Neben Herstellung und Verbrauch spielt auch die Lebensdauer eine Rolle für die Ökobilanz. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren wird heute in der Regel von einer Lebensdauer von 150'000 Kilometern ausgegangen. Da bisher nur wenige Modelle mit Elektroantrieb auf den Strassen rollen, gibt es auch kaum Erfahrungswerte in Sachen Lebensdauer. Beträgt die Gesamtfahrleistung weniger als 150'000 Kilometer, erhöhen sich die negativen Umwelteinflüsse der Herstellung pro Fahrkilometer.

Auf der Basis von Realverbrauchsdaten berechnete das Fraunhofer-Institut, dass ein E-Kompaktauto (bei einer Gesamtfahrleistung von 150'000 Kilometer) ein Treibhauspotenzial von rund 100 Gramm C02-Äquivalenz pro Kilometer aufweist – deutlich weniger als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Dem liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass nur Ökostrom getankt wird. Je mehr Strom aus fossilen Quellen verwendet wird, desto mehr gleichen sich die Werte jenen von diesel- und benzinbetriebenen Fahrzeugen an.

Deine Meinung