Sporthauptstadt Bern: So unterschiedlich sind sich YB- und SCB-Fans
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Sporthauptstadt BernSo unterschiedlich sind sich YB- und SCB-Fans

Sowohl YB als auch der SCB befinden sich auf einem sportlichen Höhenflug. Fans, die beiden Clubs die Daumen drücken, finden sich aber kaum. Was sind die Gründe?

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sul
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Eher der Stadtclub: Etwa ein Drittel der über 18'000 Saisonkarten verkauft YB auf Stadtberner Boden.

Eher der Stadtclub: Etwa ein Drittel der über 18'000 Saisonkarten verkauft YB auf Stadtberner Boden.

Keystone/Melanie Duchene
Laut Fanarbeiter Lukas Meier, der sowohl im Stade de Suisse als auch in der PostFinance-Arena Spiele verfolgt, verfügt YB über das durchmischtere Publikum: «von Züri West über die Rapper von Wurzel 5 bis zum Turn- und Schwingfest-Publikum» sei alles vertreten.

Laut Fanarbeiter Lukas Meier, der sowohl im Stade de Suisse als auch in der PostFinance-Arena Spiele verfolgt, verfügt YB über das durchmischtere Publikum: «von Züri West über die Rapper von Wurzel 5 bis zum Turn- und Schwingfest-Publikum» sei alles vertreten.

Keystone/Marcel Bieri
Der YB-Fan sei «cooler, hipper», meint ein SCB-Fan.

Der YB-Fan sei «cooler, hipper», meint ein SCB-Fan.

Keystone/Anthony Anex

Bern mausert sich zur Sporthauptstadt der Schweiz: Der zweite Meistertitel in Folge von YB steht bereits sieben Runden vor Schluss fest. Und auch der SC Bern kann sich im Playoff-Final gegen den EV Zug durchsetzen und den 16. Meistertitel feiern.

Obschon YB und der SCB momentan höchst erfolgreich sind, gibt es wenig Fans, die beide Teams unterstützen. YB-CEO Wanja Greuel geht «von ungefähr 1000 Zuschauern» aus, die regelmässig in beiden Stadien zugegen sind, wie er gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagt. SCB-Manager Marc Lüthi spricht «von 500 bis 800 Switchern», Fans also, «die entweder bei uns oder bei YB sind, je nachdem, wem es gerade besser läuft».

Nun haben Fussballfans oftmals wenig mit Eishockey am Hut und umgekehrt. Ein Grund für die wenigen Doppel-Fans dürften aber auch die Unterschiede beim Image und bei der Ausrichtung beider Clubs liegen, denn zwischen YB und dem SCB klafft ein kleiner Stadt-Land-Graben.

Young Boys «cooler, hipper»

Der BSC Young Boys ist mehr der urbane Club, der etwa einen Drittel der inzwischen über 18'000 Saisonkarten auf Stadtberner Boden absetzt. Vor dem Hintergrund eines rot-grünen Wähleranteils von 60 Prozent kann davon ausgegangen werden, dass YB auch eine politisch links gerichtete Anhängerschaft abdeckt. Im Breitenrain-Quartier, einer städtischen SP-Hochburg, werden über 1500 Saison-Abos verkauft.

Wie ein SCB-Fan gegenüber der Zeitung offenlegt, würde er eher mit einem YB- und weniger mit einem SCB-Schal die links-alternative Brasserie Lorraine aufsuchen. Der YB-Fan sei «cooler, hipper», meint er weiter.

Laut Fanarbeiter Lukas Meier, der sowohl im Stade de Suisse als auch in der PostFinance-Arena Spiele verfolgt, verfügt YB über das durchmischtere Publikum: «Von Züri West über die Rapper von Wurzel 5 bis zum Turn- und Schwingfest-Publikum» sei alles vertreten.

SCB-Fans «nicht auf Sonnenseite des Lebens»

Der SCB dagegen ist mehr der Landclub: Nur 20 Prozent der Dauergäste strömen aus der Stadt zu den Spielen, 35 Prozent aus der Agglomeration. Der Schlittschuhclub ziehe eher Menschen an, «die im Klub Halt finden und in ihm eine Sinnstiftung sehen», befindet Meier. Nach Beobachtung von GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer sind es Leute, «deren Leben nicht so einfach ist, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen». Der SCB versprühe eher Barstreet-Feeling, YB den Groove des Gurtenfestivals vergangener Tage, meint ein anderer Beobachter.

YB-CEO Wanja Greuel, der früher in der Vermarktung des SCB tätig war, sagt: «Der SCB ist ruraler als YB und richtet sich vorwiegend auf das regionale und nationale Geschäft aus. Der Fussball ist dagegen internationaler ausgerichtet. Unser Geschäftsmodell sieht auch Einnahmen aus den Uefa-Wettbewerben vor.» Der SCB dagegen setzt auf ein ausgereiftes Gastrokonzept, auf eigene Restaurants im Stadion und auch ausserhalb.

Die Regionalität des SCB zeigt sich nicht zuletzt auf der höheren Sponsoringebene: Werbepartnerin ist die nahe liegende Jungfrau-Region. Bei YB ist es das österreichische Zillertal.

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