23.10.2020 15:12

Neue AnsprücheSo verändert Homeoffice das Wohnen

Wer neu im Homeoffice arbeitet, hat andere Wohnansprüche als früher. Die Zufriedenheit sinkt, und viele sind weniger bereit, beim Wohnen zu sparen.

von
Raphael Knecht

Platz, Lage, Pendeln: So verändern sich die Ansprüche beim Wohnen wegen Homeoffice.

Foto: Raphael Knecht

Darum gehts

  • Wer im Homeoffice arbeitet, hat andere Wohnansprüche als vorher.

  • Die Zufriedenheit sinkt – vor allem mehr Platz wird gewünscht.

  • Die Wohnqualität wird für viele zum wichtigsten Aspekt, auf den es im Leben ankommt.

  • Viele sind weniger bereit, beim Wohnen zu sparen.

  • Pendlerdistanzen werden weniger wichtig.

Diesen Monat hiess es für viele Berufstätige in der Schweiz wieder: Zurück ins Homeoffice. Das Arbeiten von zu Hause verändert nicht nur unseren Arbeitsalltag, sondern auch unsere Wohnansprüche. Das aktuelle Immo-Monitoring von Wüest Partner zeigt, welche Wohnaspekte sich wegen Homeoffice besonders verändern:

Zufriedenheit sinkt

Generell hat die Wohnzufriedenheit im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen. Vor allem Personen, die seit April zeitweise vollständig von zu Hause aus gearbeitet haben, sind nun weniger zufrieden mit ihrer Wohnung als Personen, die nicht oder nur wenig Homeoffice machten. Wenn die eigene Wohnung als Wohn- und Arbeitsort genutzt wird, würden sie manchen Anforderungen plötzlich nicht mehr gerecht werden. Insbesondere wünschen sich Mieter mehr Platz, sagt Robert Weinert von Wüest Partner: «Oft muss man den Esszimmertisch als Arbeitsplatz nutzen. Man gibt Lebensfläche auf kleinem Raum preis, weil man dort arbeiten muss.»

Wohnqualität gewinnt an Gewicht

Die Lage der Wohnung oder des Hauses ist vielen Schweizern wichtiger geworden und steht bei den Aspekten, auf die es im Leben ankommt, neuerdings an erster Stelle – noch vor einem erfüllenden Job oder sozialen Kontakten. Auch die Wichtigkeit der Wohnungseinrichtung hat im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen. Insbesondere der Wunsch nach mehr Platz steigert die Nachfrage bei Wohneigentum, da dort die Fläche im Schnitt grösser ist als bei Mietobjekten.

Beim Wohnen wird weniger gespart

Wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten, Kurzarbeit und Stellenabbau wollen viele Haushalte in der Schweiz zwar sorgfältiger mit dem Geld umgehen. Der Mietpreis ist dabei aber nicht der Hauptaspekt: Eher soll bei grösseren Anschaffungen, Mode und Reisen gespart werden. «Viele, die neuerdings auch bei der Arbeit oft oder immer zu Hause sind, dürften jetzt weniger bereit sein, beim Wohnen zu sparen», so Weinert.

Pendlerdistanz wird unwichtig

Die Relevanz von Pendlerdistanzen nimmt ab, wenn man ganze Tage von zu Hause aus arbeiten kann. Das erleichtert insbesondere die Suche nach dem Einfamilienhaus. Denn wegen des knappen Angebots waren Interessenten schon länger gezwungen, weniger zentrale Lagen in Betracht zu ziehen. Dank Homeoffice wird dieses Problem kleiner. Grundsätzlich steigt die Umzugsbereitschaft in den Zentren. Wer von zu Hause arbeiten kann, muss nicht mehr so nahe beim Büro wohnen.

Wohneigentum

Eigenheime sind derzeit besonders rar

Der Traum vom eigenen Hüsli rückt für viele weiter in die Ferne: «Wohneigentum zu finden, ist derzeit noch schwieriger als in den vergangenen Jahren», sagt Robert Weinert, Mitautor des am Donnerstag erschienenen Immo-Monitoring 2021 von Wüest Partner. Derzeit gibt es dreimal so viele Interessenten, wie Einfamilienhäuser pro Quartal auf dem Markt inseriert werden.

Grund dafür seien vor allem die weiter steigende Nachfrage und die rückläufige Neubautätigkeit. Dass derzeit vor allem Wohneigentum gefragt ist, hat mit der Pandemie zu tun: So bieten solche Objekte im Schnitt mehr Geräumigkeit als Mietobjekte, was vielen Interessenten im Zusammenhang mit Homeoffice derzeit besonders wichtig ist. Dazu kommt, dass gerade bei Einfamilienhäusern privater Platz im Freien dazugehört – wer nach draussen will, muss sich also nicht in den öffentlichen Raum begeben.

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30 Kommentare
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glowfish777

24.10.2020, 17:39

Ich arbeite seit 16 Jahren vorwiegend im Homeoffice - 6 Jahre während meinem ausbildungsbegleitenden Praktikum und nun seit 10 Jahren im studierten Beruf. Habe mir anfangs einen grossflächigen Stehpult gekauft zusammen mit einer Kybounder-Matte für die Füsse. Will diese Freiheit nicht mehr missen. Konzentriert arbeiten kann ich aber erst, wenn die Kinder aus dem Haus sind und meine Frau nicht auch noch im Büro sitzt.

Danke Bauarbeiter

24.10.2020, 17:20

Luzern Wer am Arbeitsplatz nicht allein ist, muss neu eine Maske tragen.

Vorausschauend

24.10.2020, 11:25

Also alles richtig gemacht vor mehr als 30 Jahren in der Aglo grosses Haus mit Garten gekauft...neben dem Wertzuwachs...auch optimal fürs Homeoffice..nur komisch dass vor 30 Jahren dort niemand kaufen wollte und heute ist das Hyp ..