28.02.2015 15:49

Junge DschihadistinnenSo verführt der IS westliche Teenager

Mädchen aus dem Westen machen sich auf den Weg ins Kalifat: Warum ist die Terrormiliz Islamischer Staat bei der Rekrutierung so erfolgreich?

von
kmo
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Aqsa Mahmood reiste 2013 als 19-Jährige von Glasgow nach Syrien, wo sie seither für den Gotteskrieg der Terrormiliz Islamischer Staat wirbt.

Aqsa Mahmood reiste 2013 als 19-Jährige von Glasgow nach Syrien, wo sie seither für den Gotteskrieg der Terrormiliz Islamischer Staat wirbt.

Twitter/Tumblr
Möglicherweise hat sie auch die drei 15- und 16-jährigen Engländerinnen beeinflusst, die am 17. Februar in die Türkei flogen.

Möglicherweise hat sie auch die drei 15- und 16-jährigen Engländerinnen beeinflusst, die am 17. Februar in die Türkei flogen.

London Metropolitan Police
Privat sieht Mahmood so aus. Doch in der Öffentlichkeit ...

Privat sieht Mahmood so aus. Doch in der Öffentlichkeit ...

Twitter/Tumblr

Drei minderjährige Mädchen machten sich vergangene Woche in London auf den Weg nach Syrien. Sie sind drei von schätzungsweise 550 westlichen Frauen, die ihr Leben dem «Kalifat» der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) widmen. Und es werden immer mehr. Der IS rekrutiert gezielt junge Frauen. Welche Mittel wendet die Terrormiliz dabei an? Was erhoffen sich die Mädchen im Kalifat? Und was passiert dort dann wirklich mit ihnen? Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wozu rekrutiert der IS junge Frauen aus dem Westen?

Einerseits will die Terrormiliz ihren Kämpfern vor Ort Bräute organisieren, andererseits unternehme der IS alles, um weiterhin westliche Dschihad-Reisende anzuwerben, so der «Guardian». Dazu nutzt er die Frauen als Lockmittel.

Wie tritt der IS mit den Mädchen in Kontakt?

Die Kontaktaufnahme läuft zum grössten Teil über soziale Medien wie Twitter, Facebook und WhatsApp. Die Rekrutierer stammen häufig aus dem Westen und sprechen die Sprache der Opfer. Frauen werden meist von anderen Frauen, die bereits im Kalifat leben, kontaktiert. Am bekanntesten ist die Schottin Aqsa Mahmood.

Wie verführt der IS die Mädchen?

Weibliche Rekrutierer schwärmen Mädchen im Westen vom Leben im Kalifat vor. Laut dem «Independent»beschreiben die Rekrutiererinnen IS-Terroristen als Prinzen, die ihr Leben dem Kalifat widmen. Für eine Frau gebe es nichts Ehrbareres, als einen Dschihadisten zu heiraten, sagen sie.

Männliche Rekrutierer flirten junge Mädchen oft in Chatrooms an. Der «Independent» vergleicht ihr Vorgehen mit Pädophilen, die ihre Opfer mit Komplimenten umgarnen und ihnen wahre Liebe versprechen.

Was versprechen sich die Mädchen vom IS?

Die jungen Frauen – wie auch die jungen Männer – springen auf die Idee eines islamischen Kalifats an. Es gebe drei Gründe dafür, dass muslimische junge Frauen besonders leicht zu verführen seien, schreibt Humaira Patel im «Guardian», eine Muslimin, die im gleichen Stadtteil wie die drei Londoner Schulmädchen aufwuchs. Zum einen hätten junge Mädchen oft das Gefühl, keiner nehme sie ernst. Ausserdem seien sie mit täglichem Sexismus konfrontiert und hätten schlechtere berufliche Aussichten als Männer. Dazu komme, dass junge Musliminnen im Westen zunehmend Feindseligkeiten und Vorurteile erlebten. Dadurch fühlten sie sich besonders unverstanden und wertlos, schreibt Patel.

Genau hier setze der IS an. Er verspricht den Mädchen eine wertvolle Rolle beim Aufbau des Kalifats. Der Traum von einem Prinzen und das Versprechen von einem Leben in Sicherheit und Geborgenheit tun ihr Übriges. «Ein mietfreies Haus mit Gratisstrom und Wasser – tönt grossartig, was?», schrieb die IS-Rekrutiererin Mahmood etwa auf ihrem Tumblr-Account.

Was erwartet die Mädchen beim IS?

Einmal beim IS angekommen, stehen die Frauen und Mädchen unter der totalen Kontrolle der Männer, wie der britische Thinktank Quilliam Foundation in zahlreichen Publikationen darlegte. Mode oder Feminismus sind verteufelt. Der Beitrag der Frauen zum Kalifat beschränkt sich darauf zu heiraten, Kinder zu gebären und den Haushalt zu führen. Erlaubt ist die Heirat dort ab dem Alter von neun Jahren – spätestens mit 17 sollte eine Frau aber unter der Haube sein, wie es in IS-Richtlinien für Frauen im Kalifat heisst. Stirbt ihr Mann, wird eine Frau an den nächsten Kämpfer weitergereicht. Vom öffentlichen Leben werden die Frauen ferngehalten und eine Rolle als Kämpferin, von der manche westliche Mädchen träumen, ist absolut tabu.

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