30.06.2020 02:57

Bis zu 10 Prozent Arbeitslose

So verheerend wäre ein zweiter Lockdown für die Schweiz

Mehr Arbeitslose, steigende Schulden und eine Pleitewelle: Ein zweiter Lockdown hätte katastrophale Folgen für die Schweizer Wirtschaft.

von
Barbara Scherer
1 / 12
Die Corona-Zahlen steigen: Kommt es zu einer zweiten Welle, könnte das einen zweiten Lockdown mit sich bringen.

Die Corona-Zahlen steigen: Kommt es zu einer zweiten Welle, könnte das einen zweiten Lockdown mit sich bringen.

KEYSTONE
Doch kann sich die Schweiz einen zweiten Lockdown überhaupt leisten?

Doch kann sich die Schweiz einen zweiten Lockdown überhaupt leisten?

KEYSTONE
Laut Experten wäre ein zweiter Lockdown verheerend.

Laut Experten wäre ein zweiter Lockdown verheerend.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Weil die Corona-Fälle wieder steigen, könnte es zur zweiten Welle kommen und damit einen weiteren Lockdown geben
  • Für die Schweizer Wirtschaft wäre das verheerend.
  • Es gäbe mehr Konkurse und dadurch mehr Arbeitslose.
  • Darunter würde noch die nächste Generation leiden.

Die Zahl der Corona-Fälle steigt langsam wieder an. Superspreader-Events wie Demos und Partys, an denen die Hygienemassnahmen nicht eingehalten werden, verunsichern: Steigen die Zahlen weiter, droht laut Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, eine zweite Welle.

Das befürchtet auch die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli: Nur wenn sich jetzt alle an die Massnahmen hielten und mitmachten, sei ein weiterer Lockdown zu verhindern. Doch was würde passieren, wenn das ganze Land wieder dichtmacht? Kann sich das die Schweiz überhaupt leisten? Alle wichtigen Fragen und Antworten:

Was bedeutet ein zweiter Lockdown für die Schweiz?

Ein Lockdown, wie ihn die Schweiz von März bis Mai erlebt hat, wäre verheerend: «Das könnte zu einer Wirtschaftskrise führen, wie sie die Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat», sagt Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse. Die Arbeitslosigkeit würde zunehmen, der Konsum sinken und die Armut steigen. Deshalb müsse ein zweiter Lockdown unter allen Umständen verhindert werden. Besonders verheerend wäre die Situation, wenn es weltweit zu Lockdowns kommt. Dann würde nicht nur der Binnenmarkt, sondern auch die Exportwirtschaft geschwächt. Von dieser ist die Schweiz stark abhängig: «Rund 40 Prozent der Wertschöpfung erzielen wir im Ausland», so Minsch.

Was wären die Folgen davon?

«Mit einem zweiten Lockdown würde die Zahl der Konkurse in der Schweiz wohl überproportional steigen», sagt BAK-Chefökonom Martin Eichler. Branchen wie die Gastronomie und der Tourismus wären davon besonders stark betroffen. Dabei würde ein zweiter Lockdown lange Nachwirkungen haben. Denn laut einer Schätzung der Credit Suisse dauert es 15 bis 20 Jahre, um die bereits entstandenen Kosten der Corona-Krise abzubauen. Bei einem zweiten Lockdown ist laut Eichler zu erwarten, dass sich mit der Verdopplung der Kosten auch die Zeit für den Schuldenabbau verdoppelt. Laut Rudolf Minsch würde die nächste Generation die Folgen eines zweiten Lockdown noch spüren: «Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz würde steigen und der Lebensstandard für mindestens zwei bis drei Jahre sinken.»

Wie viel kostet das?

Etwa 70 Milliarden hat die Corona-Krise die Schweiz bereits gekostet. «Während der restriktiven Phase des Lockdown war das rund eine Milliarde am Tag», erklärt Chefökonom Eichler. Ein zweiter Lockdown würde wohl ähnliche Kosten pro Tag verursachen. «Die Kosten könnten aber auch etwas tiefer ausfallen, weil sich die Unternehmen inzwischen besser an einen Lockdown anpassen können», sagt Eichler. Mit einem erneuten Lockdown könnten sich die direkten Kosten wohl auf 140 Milliarden Franken verdoppeln. Bis Ende 2022 könnte die Schweizer Wirtschaft dann sogar bis zu 242 Milliarden Franken verlieren.

Wie viele Menschen würden ihre Arbeit verlieren?

Viele Firmen halten sich zurzeit mit Kurzarbeit über Wasser. Um das Unternehmen vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, kommt es aber seit dem ersten Lockdown immer wieder zu Entlassungen. Das Seco erwartet deshalb eine Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent für 2020, das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als im Mai. «Im Moment kann mit rund 100’000 Entlassungen aufgrund der Corona-Krise gerechnet werden», sagt der BAK-Chefökonom Eichler. Bei einem zweiten Lockdown würde sich diese Zahl in diesem Jahr wohl mindestens verdoppeln. Der WirtschaftshistorikerTobias Straumann geht sogar noch weiter: Er rechnet als Folge eines zweiten Lockdown mit einer Arbeitslosigkeit von bis zu 10 Prozent.

Das sind die Alternativen zum Lockdown

Aus wirtschaftlicher Sicht muss ein zweiter Lockdown verhindert werden. «Denn das wäre schlichtweg zu teuer», sagt Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse. Um die Wirtschaft zu schützen, müsse man punktuelle Massnahmen ergreifen, wie beispielsweise die Einführung einer Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Eine weitere Möglichkeit sind laut Minsch regionale Lockdowns: «In Gemeinden mit vielen Infektionen könnten etwa Ausgehlokale vorübergehend geschlossen werden.» Der Bundesrat plant im Moment kein landesweites Betriebsverbot. Im Falle einer zweiten Welle sollen sofort Massnahmen auf lokaler Ebene getroffen werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
472 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Büzer

01.07.2020, 08:51

Seien wir mal ehrlich - mind. 10% der Bevölkerung sind für Arbeit ohnehin ungeeignet

Bürger der CH

30.06.2020, 06:58

Die Damen und Herren in Bern würden sich hoffentlich nie getrauen ein 2. Mal völlig unnötige Massnahmen zu ergreifen. Falls doch, wird Bundesbern und die Schweiz wohl bald brennen... Leute, die das wirtschaftliche Disaster nicht sehen, tun mir leid.

Plankton

30.06.2020, 06:57

Bin ja auch nicht begeistert, dass nun die jungen Menschen Partys machen statt vorsichtig zu sein. Dennoch sollte man ehrlich genug sein, dass wir mit 20 ig Jahren plus minus auch von Disco zu Disco zogen, jedenfalls waren die im dem 90er Jahren bis auf den letzten Quadratmeter vollgrstopft, dazu noch eingequalmt, also wir waren auch nicht die Vernunft in Person.