Nach Tragödie bei Travis-Scott-Konzert – So verhindern Schweizer Veranstalter Massenpanik an Festivals
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Nach Tragödie bei Travis-Scott-KonzertSo verhindern Schweizer Veranstalter Massenpanik an Festivals

Am Freitagabend kam es beim Astroworld-Festival in Houston zu einer Massenpanik. Schweizer Veranstalter klären auf, wie man solch dramatische Zustände hierzulande verhindert.

von
Katrin Ofner

Beim Festival des amerikanischen Rappers kam es zu einer Massenpanik. Alles fing an, als Fans den Eingangsbereich stürmten.

20min/mk

Darum gehts

  • Beim Astroworld-Festival, das von US-Rapper Travis Scott (29) organisiert wird, kam es am Freitagabend gegen 21 Uhr (Ortszeit) zu einem Massenandrang.

  • Mindestens acht Menschen wurden getötet, es gibt mehrere Verletzte.

  • Gemäss Augenzeugenberichten gab es Sicherheitsbedenken bei dem Event.

  • Welche Vorkehrungen gegen Massenpanik es bei Schweizer Festivals gibt, erzählen Damian Schnydrig, Sicherheitschef des Openair Gampel, und Adem Morina, Organisator des Alba Festivals.

Dramatische Szenen spielten sich am Freitagabend beim zweitägigen Astroworld-Festival in Houston ab. «Die Menge begann sich vor der Bühne zusammenzudrängen, was eine Panik auslöste und zu Verletzungen führte», berichtete der örtliche Feuerwehrchef, Samuel Peña, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Bei dem Massenandrang kamen mindestens acht Menschen ums Leben, zahlreiche Besucherinnen und Besucher wurden verletzt.

Doch wie kann es zu einem solchen Unglück kommen? Und wie schützen Schweizer Festival-Organisatoren ihre Gäste? «Eine Massenpanik entsteht durch Angst und löst ein instinktives Fluchtverhalten aus. Darum richtet man als Veranstalter ein besonderes Augenmerk auf die neuralgischen Orte auf dem Festivalgelände, wo sich die Besucherinnen und Besucher möglicherweise in grosser Zahl drängen», erklärt Adem Morina, Organisator des Alba Festivals, gegenüber 20 Minuten.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

«Einlass muss klar strukturiert sein»

Das seien insbesondere der Einlass und der Bereich unmittelbar vor der Bühne. Auf dem Alba Festival gebe es daher diverse Notausgänge, damit solche Anstauungen sofort aufgelöst werden können. Um die Sicherheit auf dem zweitägigen Event zu gewährleisten, «investieren wir hier sehr viel Zeit und Geld und arbeiten nur mit den besten und erfahrenen Spezialisten zusammen», so Morina weiter.

Das Sicherheitskonzept für das Alba Festival umfasse mehrere Dutzend Seiten. «Im Kontext mit der Verhinderung einer Massenpanik sind die wichtigsten Vorkehrungen, dass man den Einlass klar strukturiert, genügend Kassen- und Sicherheitspersonal engagiert und man im Bereich vor der Bühne mit abgegrenzten Sektoren arbeitet

«Tragödie hätte verhindert werden können»

Auch auf dem Openair Gampel werde die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher grossgeschrieben. «Wir haben einen sehr hohen Sicherheitsstandard und ein robustes und detailliertes Sicherheitskonzept, welches wir seit Jahren weiterentwickeln», sagt Damian Schnydrig, Sicherheitschef des Festivals. Bereits bei der Planung werden solche Ereignisse berücksichtigt - und zwar «mittels Risikoanalyse und der Berücksichtigung von 25 potentiellen Szenarien, darunter die Massenpanik.» Man verfüge über technische Lösungen wie eine flächendeckende Videoüberwachung, Wellenbrecher im Bühnenbereich, grosszügige Notausgänge und organisatorische sowie personelle Massnahmen.

Es war nicht das erste Mal, dass es auf dem von Travis Scott organisierten Festival zu Verletzen kam. Ähnliche Szenen gab es bereits vor zwei Jahren. Bei der Eröffnung des Festivals stürmten 2019 ebenfalls Menschenmengen aufs Gelände. Dabei wurden mindestens drei Konzertbesucherinnen und -besucher verletzt. Zwar kennen sowohl Schnydrig als auch Morina die Sicherheitsstandards von dem Konzert in Houston nicht, doch letzterer ist sich sicher: «Bei einer sorgfältigen Analyse der Vergangenheit hätte diese Tragödie verhindert werden können.»

Nach jedem Festival werde verbessert und korrigiert

Schon beim ersten Vorfall hätte man das Sicherheitskonzept überarbeiten müssen, so Morina. «Kein professioneller Veranstalter möchte sich dem Vorwurf aussetzen, zu wenig in die Sicherheit seiner Besucherinnen und Besucher investiert zu haben.» Auch die Veranstalter des Openair Gampel rekapitulieren nach jedem Festival. «Wir analysieren den Verlauf und korrigieren oder verbessern konsequent alle nötigen Punkte», sagt Schyndrig.

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