Oben ohne in die Badi – das denkt die 20-Minuten-Community darüber
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Oben ohne in die Badi?«Ich trage Grösse D – und wäre darum dagegen»

SP-Nationalrätin Tamara Funiciello und andere Frauen fordern, dass oben ohne in Schwimmbädern künftig erlaubt sein soll. Das sagt die 20-Minuten-Community dazu.

von
Gabriela Graber
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Samantha (33) ist aus praktischen Gründen gegen das Oben-ohne-Baden: «Ich habe einen grossen Busen.»

Samantha (33) ist aus praktischen Gründen gegen das Oben-ohne-Baden: «Ich habe einen grossen Busen.»

Privat
«Ausserdem ist die Brust auch Teil meiner Sexualität und Intimität, die ich nicht jedem Mann präsentieren möchte», so Samantha. (Symbolbild)

«Ausserdem ist die Brust auch Teil meiner Sexualität und Intimität, die ich nicht jedem Mann präsentieren möchte», so Samantha. (Symbolbild)

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Peter (30) dagegen befürchtet, dass Brüste ihren Reiz verlieren – «wenn es jetzt normal werden sollte, dass Frauen sie jedem in der Badi vorführen.» (Symbolbild) 

Peter (30) dagegen befürchtet, dass Brüste ihren Reiz verlieren – «wenn es jetzt normal werden sollte, dass Frauen sie jedem in der Badi vorführen.» (Symbolbild) 

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Darum gehts: 

  • In Göttingen (D) können am Wochenende alle ohne Bikinioberteil  baden. 

  • Auch in der Schweiz ist die Diskussion um die Oben-ohne-Erlaubnis angerollt. 

  • Wir wollten von euch wissen: Was denkt ihr darüber? 

  • Fünf 20-Minuten-Leserinnen erzählen. 

Nachdem auch Frauen in Göttingen (D) versuchsweise am Wochenende ohne Bikinioberteil baden können, ist die Diskussion zum Oben-ohne–Baden auch in der Schweiz entbrannt. SP-Nationalrätin Tamara Funiciello, Agota Lavoyer, Expertin für sexualisierte Gewalt,  und Helena Trachsel von der Gleichstellungs-Fachstelle im Kanton Zürich haben sich für eine Neuregelung in Schweizer Schwimmbädern ausgesprochen. Wir wollten wissen: Wie steht ihr zum Oben-ohne-Baden? Fünf 20-Minuten-Leser*innen erzählen:

«Ich bin aus praktischen Gründen dagegen» 

Samantha (33): «Ich bin aus praktischen Gründen dagegen: Ich habe einen grossen Busen, Grösse D aufwärts. Würde ich ohne Oberteil in der Badi rumlaufen, würden meine Brüste wabbeln. Das wäre für mich sehr unangenehm. Für Frauen mit kleineren Brüsten wäre das sicher weniger ein Problem. Ausserdem ist die Brust auch Teil meiner Sexualität und Intimität, die ich nicht jedem Mann präsentieren möchte. Ich denke, dass dies viele Hetero-Männer genauso sehen und sich nicht zurückhalten können zu starren. Mich persönlich würde das sehr stören.»

Peter* (30): «Ich als Mann werde sexuell erregt, wenn ich eine weibliche Brust sehe – auch in der Badi. Das ist für mich ein natürlicher und schöner Reflex, den ich mir nicht nehmen lassen will. Ich finde Brüste toll. Wenn es jetzt normal werden sollte, dass Frauen ihre Brüste jedem in der Badi vorführen, dann würden diese ihren speziellen Reiz verlieren. Ich bin seit zehn Jahren verheiratet und finde es immer noch toll, wenn sich meine Frau beim Vorspiel die Kleider vom Leib reisst. Wenn die Brüste nicht mehr das sind, was sie jetzt sind, würde Sex nur halb so viel Spass machen.»

«Sünnele und baden oben ohne ist mega toll»

Maya (28): «Ich bin total für eine solche Neuregelung. Es wäre so wichtig, dass Frauenbrüste nicht mehr dermassen sexualisiert würden. ‹Free the nipple› hätte viele positive Effekte, auch für stillende Mütter. Zudem ist sünnele und baden oben ohne mega toll. Ich mache es heute hauptsächlich deswegen nicht, weil die Leute glotzen würden. Wenn es üblicher wäre, sein Bikini–Oberteil fallen zu lassen – wie in Spanien oder Frankreich – wären Brüste nicht mehr so aufregend und würden nicht mehr so sexualisiert und tabuisiert werden. Deshalb braucht es dringend einen Freipass. Allerdings bräuchten wir danach eine mehrjährige Gewöhnungszeit, bis ein wirkliches Umdenken stattfinden könnte.»

«Spanner spannen sowieso, egal, ob mit oder ohne Oberteil» 

Diana (18): «Leider fühle ich mich sehr unwohl in meinem Körper. Ich bin leicht mollig, deshalb in der Schule auch schon gemobbt worden und führe gerade grosse Kämpfe mit mir selber. Deshalb würde ich nie oben ohne in der Badi herumlaufen. Andere Frauen halbnackt zu sehen, ihre perfekten Oberkörper, das würde mich nur deprimieren. Ich würde die Badi verlassen und mich fragen, was mit mir nicht stimmt. Gleichzeitig möchte ich, dass Frauen die Wahl haben, sich zu kleiden, wie sie wollen – auch in der Badi. Ich denke, ich müsste lernen, mich von negativen Gefühlen zu distanzieren, würde eine Oben-ohne-Erlaubnis kommen.»

Jost  (31): «Im Ausland sehe ich vermehrt Frauen oben ohne herumlaufen und schwimmen, ohne dass sich jemand daran stört. In der Schweiz sind wir meines Erachtens hintendrein. Mich würde es überhaupt nicht stören, wenn Frauen das machen würden. Schliesslich ist es die freie Entscheidung einer erwachsenen Person. Gaffer gibts überall. Ich war auch mal jung – und bin männlich. Logisch guckst du als Teenager, wenn eine schöne Frau an dir vorbeiläuft. Hier und da passiert mir das heute noch. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Schauen und Gaffen. Und die Spanner spannen sowieso, egal, ob die Frau ein Bikinioberteil anhat oder nicht.»

*Name geändert 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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