Schweizer Studie: So verschwindet die Lungenentzündung rascher
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Schweizer StudieSo verschwindet die Lungenentzündung rascher

Eine pfeifende Lunge ist lebensgefährlich – und lästig. Doch bekommt der Patient neben Antibiotika auch Kortison, ist das Leiden schneller vorbei.

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Mit Lungenentzündungen ist nicht zu spassen. Denn trotz medizinischer Fortschritte stellen sie unter den Infektionskrankheiten immer noch die häufigste Todesursache in industrialisierten Ländern dar.

Mit Lungenentzündungen ist nicht zu spassen. Denn trotz medizinischer Fortschritte stellen sie unter den Infektionskrankheiten immer noch die häufigste Todesursache in industrialisierten Ländern dar.

Lungenentzündungen heilen schneller, wenn die übliche Antibiotikatherapie mit Kortison ergänzt wird. Dies hat eine am Montag publizierte Langzeitstudie an sieben Schweizer Spitälern aufgezeigt. In der Schweiz könnten dank dieser Kombitherapie Einsparungen von gegen 20 Millionen Franken erzielt werden.

Die Studie war vom Universitätsspital Basel (USB) initiiert worden. Daran teil nahmen auch das Kantonsspital Aarau, das Inselspital Bern, das Bürgerspital Solothurn, das Kantonsspital in Delsberg und die Baselbieter Kantonsspitäler Liestal und Bruderholz. Einbezogen waren insgesamt über 800 Patienten in den Jahren 2009 bis 2014.

Kürzer am Tropf, schneller heim

Die Idee, Kortison gegen Lungenentzündungen anzuwenden, sei nicht neu gewesen, doch hätten bisher klare Daten gefehlt, teilte das USB mit. Mirjam Christ-Crain mit ihrem Forschungsnetzwerk habe nun die erhofften Belege geliefert. Ihre Studie werde wohl die Behandlung von Lungenentzündungen «weltweit verändern».

Mit Kortison erholen sich Patienten gemäss USB im Schnitt 1,5 Tage schneller. Sie könnten so einen Tag früher aus dem Spital entlassen werden: schon nach sechs statt sieben Tagen. Dank Kortison könne zudem die übliche Dauer der intravenösen Verabreichung von Antibiotika um einen Tag auf vier Tage verkürzt werden.

Keine relevanten Nebenwirkungen

Im Rahmen der Studie erhielten alle einbezogenen Patienten Antibiotika. Die eine Hälfte bekam dazu Kortison, die andere Hälfte stattdessen ein Scheinpräparat. Der Vergleich der beiden Gruppen zeigte klar die bessere Wirkung der Kombination.

Ein weiterer positiver Effekt war laut USB ein kleineres Risiko der Verschlechterung der Krankheit. Und da die Kortisonbehandlung bei der Studie auf sieben Tage beschränkt war, traten auch keine relevanten Nebenwirkungen auf, wie sie bei Langzeittherapien mit Kortison vorkommen.

Unter dem Strich schätzt das Unispital Basel die in der Schweiz möglichen Einsparungseffekte mit der neuen Kombitherapie auf 16 bis 20 Millionen Franken im Jahr. Die Ergebnisse der Studie wurden am Montag in der Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert – wegen deren Relevanz im beschleunigten Verfahren.

(fee/sda)

Mirjam Christ-Crain dürfte die Studie die Behandlung von Lungenentzündungen «weltweit verändern». (Bild: Derek Li Wan Po/SNF)

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