Aktualisiert 13.02.2019 08:29

Verspätungen und AusfälleSo viel Entschädigung könnte die SBB zahlen

Wenn ein Zug zu spät ankommt oder ausfällt, will die SBB künftig mehr zahlen. 20 Minuten hat berechnet, was das kosten könnte.

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Bei Verspätungen und Ausfällen will die SBB künftig höhere Entschädigungen bezahlen.

Bei Verspätungen und Ausfällen will die SBB künftig höhere Entschädigungen bezahlen.

Keystone/Markus Laeng
20 Minuten hat nachgerechnet, was das Kosten würde, und kommt auf 1'272'960 Franken pro Monat – die Rechnung finden Sie im Text.

20 Minuten hat nachgerechnet, was das Kosten würde, und kommt auf 1'272'960 Franken pro Monat – die Rechnung finden Sie im Text.

Keystone/Christian Brun
Zum Vergleich: Für Sparbillette hat die SBB in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 30 Millionen Franken pro Jahr aufgewendet.

Zum Vergleich: Für Sparbillette hat die SBB in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 30 Millionen Franken pro Jahr aufgewendet.

Keystone/Markus Laeng

Er schäme sich fast, dass Kunden heute bei Verspätungen nur einen Kaffee-Bon erhalten, sagte SBB-Chef Andreas Meyer kürzlich und kündigte an, dass Bahnreisende bei Verspätungen und Ausfällen künftig höhere Entschädigung zu bezahlen. «Ab einer gewissen Verspätung könnten etwa 50 Prozent des Billettpreises zurückerstattet werden, in gravierenden Fällen sogar der volle Preis», so Meyer gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Doch was würde das die Bundesbahnen kosten? Schweizweit gab es im Dezember 2018 1240 Ausfälle von Zügen der SBB, zudem kam es bei 86 Verbindungen zu Verspätungen von mehr als 60 Minuten, wie Zahlen der Plattform Open Transport Data zeigen. Gemäss SBB sitzen in ihren Zügen durchschnittlich 128 Passagiere, bei einem Angebot von durchschnittlich 453 Plätzen entspricht das einer Auslastung von 28,2 Prozent.

Experte erwartet keinen Preisanstieg

Die durchschnittliche Reisedistanz betrug laut SBB-Zahlen 40 Kilometer, das entspricht etwa der Distanz Zürich HB – Frauenfeld. Ein Einfach-Billett zweiter Klasse kostet hier 20.40 Franken, mit Halbtax 10.20 Franken, in der 1. Klasse ist man ab 17.90 Franken dabei. Nimmt man einen Durchschnittsbillettpreis von 15 Franken und eine generelle Rückerstattung von 50 Prozent des Preises an, so hätte die neue Regelung die SBB im Dezember 1'272'960 Franken gekostet.

Zum Vergleich: Für Sparbillette hat die SBB in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 30 Millionen Franken pro Jahr aufgewendet. Edwin Dutler von Pro Bahn erwartet durch die neue Regelung dann auch keine Verteuerung der Billette. «Bereits jetzt sind ja etwa die Schwarzfahrerquote und die Sparbillette in den Preis eingerechnet, da machen diese Entschädigungen keinen grossen Unterschied.»

Kommt eine europäische Regelung?

Dutler erwartet, dass die SBB die europaweiten Ansätze für Verspätungen anwenden wird: 25 Prozent bei einer Verspätung über 60 Minuten, 50 Prozent bei Verspätungen über 120 Minuten. «Es macht am meisten Sinn, auf eine einheitliche Lösung zu setzen.» Der berechnete Betrag sei darum wohl noch zu hoch gegriffen.

Welche Ansätze seitens der SBB genau geplant sind, will das Unternehmen noch nicht sagen. Auch wer ein GA besitzt, soll entschädigt werden, wie stark, ist noch unklar. Das Bundesamt für Verkehr arbeite derzeit mit der ÖV-Branche an einer Verordnung, in der die Details zu den künftigen Entschädigungszahlungen bei Verspätungen geregelt werden.

Doch wie teuer wird es im konkreten Fall? Je nach Zugbelegung und -grösse dürfte es grosse Unterschiede geben, wie diese drei Beispiele zeigen.

Szenario 1

Ein rappelvoller Pendlerzug von Bern nach Zürich bleibt stehen und fällt aus, die Passagiere müssen den Zug verlassen und auf andere Art und Weise weiterreisen. 30 Prozent der Passagiere haben ein GA, weitere 40 ein Halbtax. Davon sind je ein Viertel in der 1. Klasse unterwegs. Den insgesamt 921 Kunden wird der halbe Preis erstattet. Bei einem geschätzten durchschnittlich bezahlten Billettpreis von 35 Franken kostet der Zugausfall die SBB insgesamt 16'117.50 Franken.

Szenario 2

An einem Wochenende im Frühling zieht es viele Familien ins Tessin, der mit zwei Kompositionen geführte Intercity von Basel nach Lugano ist mit 553 Passagieren zur Hälfte voll. 10 Prozent der Reisenden haben ein GA, 30 Prozent ein Halbtax, 30 Prozent sind Kinder. Der Zug verspätet sich aber wegen einer Störung und trifft 70 Minuten zu spät in Lugano ein. Erstattet die SBB deshalb 50 Prozent des durchschnittlichen Billettpreises von geschätzt 45 Franken zurück, kostet sie das 12'442.50 Franken.

Szenario 3

Ein Regioexpress von Olten nach Luzern fällt nachmittags aus, weil er von Olten nicht weiterfahren kann. Der Zug ist mit 87 Reisenden zu 40 Prozent belegt. Wenige Minuten nach der geplanten Abfahrt gibt es jedoch eine weitere Verbindung nach Luzern. Unklar ist, ob die SBB auch in solch einem Fall bezahlt – und wie viel. Wenn die Kunden 50 Prozent des Billettpreises (geschätzter Schnitt: 15 Franken) zurückerhalten, kostet es das Unternehmen 652.50 Franken.

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