Frauen-EM 2022: Das Turnier bricht schon jetzt alle Rekorde

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Alles zur EM 2022So viel Geld und Fans wie noch nie – Frauen-EM bricht schon jetzt alle Rekorde

Am 6. Juli startet die Frauenfussball-Europameisterschaft in England. Die Nati muss sich in einer Hammer-Gruppe beweisen. Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen vor dem Turnier. 

von
Nils Hänggi
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Die Niederlande gewannen 2017 den EM-Titel. 

Die Niederlande gewannen 2017 den EM-Titel. 

imago images/Norbert Schmidt
Die Schweiz schaffte den Weg an die EM über die Playoffs gegen Tschechien.

Die Schweiz schaffte den Weg an die EM über die Playoffs gegen Tschechien.

Urs Lindt/freshfocus
Ob es in England auch wieder Freudentränen gibt?

Ob es in England auch wieder Freudentränen gibt?

Urs Lindt/freshfocus

Darum gehts

  • Am Mittwochabend startet die Frauenfussball-EM in England. 

  • Die Schweiz startet am Samstag mit dem Spiel gegen Portugal ins Turnier.

  • 20 Minuten zeigt die wichtigsten Informationen über die EM.

Vom 6. bis am 31. Juli ist die Frauenfussball-Europameisterschaft in England. Es ist die 13. Austragung des Turniers, im Mutterland des Fussballs findet die EM nach 2005 zum zweiten Mal statt. Eigentlich hätte das Turnier 2021 stattfinden sollen. Weil aber die EM der Männer wegen Corona um ein Jahr verschoben wurde, entschied die Uefa, auch jenes der Frauen zu verschieben.

Dass du mitreden kannst, erzählen wir dir, was du alles über das Turnier wissen musst:

Welche Teams sind qualifiziert?

Am Turnier nehmen 16 Teams teil. Portugal kam als neuste Equipe dazu. Die Portugiesinnen ersetzen Russland, das wegen des Ukraine-Kriegs vom Turnier ausgeschlossen worden ist. Die Schweiz trifft in einer Hammer-Gruppe auf Portugal (9. Juli, 18 Uhr), Schweden (13. Juli, 18 Uhr) und die Niederlande (17. Juli, 18 Uhr). 20 Minuten tickert alle Spiele live. 

  • Gruppe A: England, Österreich, Norwegen, Nordirland

  • Gruppe B: Deutschland, Dänemark, Spanien, Finnland

  • Gruppe C: Niederlande, Schweden, Schweiz, Portugal

  • Gruppe D: Frankreich, Italien, Belgien, Island

Wer ist der Titelverteidiger?

Die EM 2017 gewannen die Niederländerinnen im eigenen Land. In einem torreichen Final setzten sie sich vor begeisterten Heim-Fans mit 4:2 gegen Dänemark und den jetzigen Nati-Coach Nils Nielsen durch. Es war der erste Titel für die niederländischen Frauen. Norwegen gewann zweimal die Europameisterschaft, Schweden einmal. Rekordsieger ist Deutschland, das sich achtmal über den Titel freuen durfte. Die Mannschaften dieser Länder gehören auch alle zu den Top-Favoriten.

Wer ist laut Nati-Coach Nils Nielsen EM-Favorit?

EM-Favoriten gibt es ein paar. England will daheim den Titel holen, auch Spanien ist wohl auch ohne die verletzte Alexia Putellas  ein Favorit – ebenso Frankreich, Deutschland und Schweden. Die Niederlande holten 2017 den Titel, sind derzeit aber in der Krise. Zuletzt gab es ein paar Pleiten – etwa gegen England. Nati-Trainer Nielsen sagt: «Frankreich und Spanien haben für mich die stärksten Teams in diesem Turnier. Mein persönlicher Favorit ist aber Norwegen. Ada Hegerberg ist zurück, das hilft dem Team enorm.»

Nils Nielsen sagt: «Ich hoffe, dass wir ins Final kommen und dann gegen Dänemark spielen.»

Nils Nielsen sagt: «Ich hoffe, dass wir ins Final kommen und dann gegen Dänemark spielen.»

Marc Schumacher/freshfocus

Wie weit kommt die Schweiz?

Die zwei Test-Spiele der Nati gingen vor der EM in die Hose: 0:11 lautete das Torverhältnis nach zwei Spielen. Realistisch betrachtet wäre ein Weiterkommen in der Hammer-Gruppe eine Sensation. Trainer Nils Nielsen sieht das anders. Gegenüber 20 Minuten sagt er: «Ich hoffe, dass wir ins Final kommen und dann gegen Dänemark spielen.» Angesprochen darauf, dass die Schweiz in einer Gruppe mit zwei EM-Favoriten sei, meint er: «Eines dieser beiden Teams wird hoffentlich in der Gruppenphase rausfliegen.»

Wer sind die grössten Stars?

Wie immer bei solchen Turnieren gibt es einige. Die Norwegerin Ada Hegerberg zum Beispiel. Die Spielerin von Olympique Lyon zählt zu den besten Stürmerinnen der Welt. In der Geschichte der Frauen-Champions-League hat keine Spielerin so viele Tore geschossen wie sie (59 Tore in 60 Partien). Sie ist aber auch eine Kämpferin. So zog sie sich wegen eines Streits mit dem norwegischen Verband über die ungleiche Behandlung zwischen Männern und Frauen fast fünf Jahre aus dem Nationalteam zurück. 

Ebenso zu nennen ist die Engländerin Lucy Bronze. Die Verteidigerin, die mit ihrem dritten Vornamen «Tough» (hart) heisst, feierte ihre grössten Erfolge bei Olympique Lyon. 2020 wurde sie Fifa-Weltfussballerin. Nun will sie ihr Heimatland zum EM-Titel führen.

Spaniens Alexia Putellas fehlt hingegen. Der absolute Mega-Star ist die derzeit beste Fussballerin der Welt, gewann letzte Saison den Ballon d’Or. Doch sie riss sich am Dienstag im Training das vordere Kreuzband. Sie wird mehrere Monate ausfallen. Weitere Stars findest du in der Bildergalerie unten.

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Ada Hegerberg (Norwegen)

Ada Hegerberg (Norwegen)

AFP
Sie werden die Fussball-Fans vermissen: Alexia Putellas (Spanien)

Sie werden die Fussball-Fans vermissen: Alexia Putellas (Spanien)

Getty Images
Lucy Bronze (England)

Lucy Bronze (England)

AFP

Schon jetzt Rekord-EM, aber Spielerinnen sind sauer

Ein paar EM-Stadien sind richtig klein. So fasst zum Beispiel das Academy Stadium von Manchester City nur 4700 Zuschauerinnen und Zuschauer. Das sorgt für Kritik, ein paar Nationalspielerinnen sind stinksauer. Die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir spricht etwa von einem «peinlichen und respektlosen Entscheid». Die Schwedin Rebecka Blomqvist sagt über das Leigh Sports Village (8000 Fans): «Wir wollen so viel Publikum wie möglich, deshalb ist es schade.» 

Gegenüber 20 Minuten wehrt sich die Uefa: «Bei unserer letzten Frauen-EM hatten wir durchschnittlich 5000 Zuschauende, wenn wir die Spiele der Niederlande nicht mitzählen», so der Verband. «Nun haben wir bereits 500’000 Karten verkauft, was gigantisch ist.» Die bisherige Bestmarke für eine EM liegt bei insgesamt 240’000 Zuschauenden von 2017 in den Niederlanden. Auch der Schweizerische Fussballverband sagt: «Die Stadiongrösse ist für uns kein Thema. Die Spielerinnen und der SFV freuen sich auf eine grossartige Stimmung.»

  • Brighton & Hove (Community Stadium): Kapazität: 30'000 Zuschauer

  • London (Brentford Community Stadium): Kapazität: 17'000 Zuschauer

  • London (Wembley Stadium): Kapazität: 89'000 Zuschauer

  • Manchester (ManCity Academy Stadium): Kapazität: 4700 Zuschauer

  • Manchester (Old Trafford): Kapazität: 74'000 Zuschauer

  • Milton Keynes (Stadium MK): Kapazität: 30'000 Zuschauer

  • Rotherham (New York Stadium): Kapazität: 12'000 Zuschauer

  • Sheffield (Bramall Lane): Kapazität: 30'000 Zuschauer

  • Southampton (St. Mary's Stadium): Kapazität: 32'000 Zuschauer

  • Wigan & Leigh (Leigh Sports Village): Kapazität: 8000 Zuschauer

Wie viel Geld wird ausgeschüttet?

Sehr viel weniger Geld als bei den Männern, aber doppelt so viel wie früher. So können die Teams bis zu zwei Millionen Franken an Preisgeld einspielen. Die Gelder wurden verdoppelt, insgesamt 16 Millionen Franken werden verteilt. Bei der EM 2017 in den Niederlanden waren es noch acht Millionen. Die teilnehmenden Verbände erhalten erstmals eine Startprämie von 600’000 Franken. Zudem gibt es in der Gruppenphase Prämien für einen Sieg (100’000 Franken) und für ein Unentschieden (50’000). Bei den Männern war das Startgeld alleine schon mehr als neun Millionen, insgesamt wurden über 330 Millionen ausgeschüttet. 

  • Startgeld: 600’000 (Frauen 2022) – 9’250’000 (Männer 2021)

  • Sieg Gruppe: 100’000 – 1’000’000

  • Remis Gruppe: 50’000 – 500’000

  • Achtelfinal: entfällt – 1’500’000 

  • Viertelfinal: 205’000 – 2’500’000

  • Halbfinal: 320’000 – 4’000’000

  • Vize: 420’000 – 5’000’000

  • Sieger: 660’000 – 8’000’000

  • Maximal: 2’090’000 – 28’300’000

Abgesehen von der Nati – ist die Schweiz sonst noch vertreten?

Ja. Mit Esther Staubli und Susanne Küng sind zwei Schweizer Schiedsrichterinnen im Einsatz. Für Erstgenannte ist es nach 2013 (drei Einsätze) und 2017 (vier Einsätze) bereits das dritte EM-Aufgebot. Bei den Männern pfeift sie regelmässig in der Super League und ist als VAR im Einsatz. Küng wird als Linienrichterin nach England reisen. Die beiden haben zusammen die Champions-League-Finals 2015 und 2020 geleitet.

Zum Schluss: Wer ist der krasseste Aussenseiter?

Nein, die Nati ist es nicht. Die Schweiz liegt in der Weltrangliste auf Platz 20 und ist damit gemäss Liste das zwölftbeste Team des Turniers. Der krasseste Aussenseiter ist Nordirland. Die Nordirinnen sind 47. der Weltrangliste und damit das auf dem Papier schlechteste Team der EM. Gut für die Schweiz: Das gemäss Rangliste zweitschlechteste Team ist Portugal, das mit der Nati in einer Gruppe ist. 

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