Gefälschte Waren, Drogenhandel: So viel Geld verdient die Mafia in Europa
Aktualisiert

Gefälschte Waren, DrogenhandelSo viel Geld verdient die Mafia in Europa

Laut einer neuen Studie erzielt die Mafia in Europa ungefähr 120 Milliarden Franken Umsatz pro Jahr. Das Geld investieren die Gangster in grossem Mass in legale Geschäfte.

von
kwo

Ob Vito Corleone oder Tony Soprano: Drogenhandel, gefälschte Markenprodukte, Prostitution und Schutzgelderpressung sind die typischen Einnahmequellen der Mafiabosse in Film und Fernsehen. Seit Jahrzehnten haben die organisierten Gangsterbanden in der Welt des Kinos ihren Stammplatz. Doch nicht nur im Film, auch in der realen Welt ist das organisierte Verbrechen nach wie vor sehr aktiv, wie eine neue Studie der Mailänder Università Cattolica del Sacro Cuore (Katholische Universität vom Heiligen Herzen) beweist.

Umsätze von über 120 Milliarden Franken

Laut den Resultaten der Wissenschaftler erwirtschaftet die organisierte Kriminalität in Europa mit verbrecherischen Machenschaften Milliardenbeträge und investiert die Gewinne zu einem grossen Teil in legale Geschäfte. Die gesamten Umsätze auf dem Kontinent werden auf umgerechnet gut 120 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Michele Riccardi, ein an der Studie beteiligter Wissenschaftler, erklärt gegenüber der Zeitung «Der Standard»: «Allein der Markt für gefälschte Waren umfasst etwa 50 Milliarden Franken.» Des Weiteren sei der Drogenhandel absolut zentral. So verdiene die Mafia mit dem Heroinhandel etwa 10,3 Milliarden Franken jährlich, mit Kokain 8,2 Milliarden und mit Marihuana 8,1 Milliarden. Und genau diese Gewinne würden dann via Investitionen in legale Märkte fliessen.

Gastronomie, Transport, Bau und Lebensmittel

«Europaweit sehr gut zu belegen ist der Einfluss auf das Baugewerbe, die Gastronomie, das Transportwesen und den Lebensmittelhandel», erklärt Forscher Riccardi hierzu. In Deutschland zum Beispiel fänden sich Hinweise darauf, dass der kalabrische Mafia-Clan 'Ndrangheta in Speiselokale und Catering-Betriebe investiere. Auch die sizilianische Cosa Nostra sei in diesem Bereich aktiv und investiere ausserdem ins Baugewerbe und in Kleiderläden.

Allgemein gelte: Grundsätzlich bevorzugt die Mafia für ihre Investitionen Grossstädte wie Madrid, London, Paris und Berlin. Trotzdem fänden sich auch in Süditalien, dem Herzland der Mafia, sowie in der Lombardei, in Andalusien oder an der Adriaküste Belege für Investitionen der Mafia.

Mafia ist auch in der Schweiz aktiv

Auch in der Schweiz gibt es Mafiosi, wie ein aktueller Fall um einen Ableger der kalabrischen 'Ndrangheta in Frauenfeld beweist. Italienische Ermittler behaupten sogar, die Mafia sei schon seit über 40 Jahren hierzulande präsent. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bezweifelt dies zwar, gegenüber der NZZ sagte Bundesanwalt Michael Lauber aber: «Fakt ist, dass die Schweiz die Logistikbasis der Mafia ist. Hier werden Treffen organisiert und allenfalls auch Bankkonti benutzt. Die Schweiz ist wie ein Rückzugsgebiet für die Mafia, weil sie ruhig und stabil ist.»

Die Ergebnisse der Studie sollen den Ermittlern und Behörden sowie der Politik ermöglichen, die organisierte Kriminalität besser zu verhindern und zu bekämpfen. Die endgültigen Resultate wurden noch nicht publiziert und erst Ende November erwartet. Finanziert wurde die Studie unter anderem von der EU-Kommission.

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