30.10.2020 10:19

Vereine sorgen sich So viel Geld verlieren Proficlubs bei jedem Corona-Geisterspiel

Die Rückkehr der Fans wurde gestoppt, stattdessen zog der Bundesrat wieder ganz den Stecker. Die Geisterspiele treiben die Proficlubs immer weiter an den Rand des Ruins.

von
Eva Tedesco
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Der Bundesrat verschärft die Massnahmen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie und schränkt Grossveranstaltungen wieder massiv ein.

Der Bundesrat verschärft die Massnahmen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie und schränkt Grossveranstaltungen wieder massiv ein.

Foto: Freshfocus

Darum gehts

  • Der Bundesrat lässt im Kampf gegen die Corona-Pandemie nur noch 50 Zuschauer ins Stadion.

  • Das macht den Clubs Sorgen.

  • 30 bis 40 Prozent der Einnahmen generieren die Clubs aus Zuschauereinnahmen.

  • Wie hoch ist der Verlust pro Spiel?

Zuschauereinnahmen sind für die Clubs entscheidend. Die Sorge, dass es in der Super League für unbestimmte Zeit nur Geisterspiele gibt, ist für die Verantwortlichen eine Horrorvorstellung. Zumal angesichts der explodierenden Corona-Fallzahlen ein rasches Ende der Beschränkung unrealistisch scheint.

«Mittelfristig sind die Clubs aber zwingend darauf angewiesen, wieder Spiele vor Publikum austragen zu können. Ein länger andauerndes Verbot von Grossveranstaltungen stellt für die Vereine eine existenzielle Bedrohung dar», heisst es bei der Swiss Football League. Claudius Schäfer, CEO der SFL, sagt: «Bei einem Super-League-Club machen die Matcheinnahmen durchschnittlich 30 bis 40 Prozent der Jahreseinnahmen aus.» Deshalb seien die Einnahmen aus einem Heimspiel von grosser Relevanz. Von welchen Summen spricht Schäfer?

Ein Bild aus guten Zeiten. Die YB-Fans stehen wie ein 12. Mann hinter ihrer Mannschaft. 

Ein Bild aus guten Zeiten. Die YB-Fans stehen wie ein 12. Mann hinter ihrer Mannschaft.

Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

Bei einem ausverkauften Heimspiel nehmen die Young Boys einen hohen sechsstelligen Betrag ein. Der «Bund» schätzt einen Umsatz von rund 800'000 Franken pro gut gefülltem Wankdorf. Anfallende Kosten nicht berücksichtigt. Es sei schwierig, jetzt Zahlen zu nennen, sagt Medienchef David Gadze vom FC St. Gallen zu 20 Minuten. Es käme einer Milchbüechlirechnung auf Annahmen basierend gleich. Gadze: «Wir rechnen mit Bruttoeinnahmen-Ausfällen pro Heimspiel von rund 400'000 Franken aus dem Ticketing.»

Der FC Luzern spricht von einem «substanziellen sechsstelligen Betrag», wie Kommunikationschef Markus Krienbühl auf Anfrage sagt. Konkrete Zahlen können auch die Zentralschweizer nicht nennen. Zu viele unsichere Faktoren würden das unmöglich machen und wären nicht seriös.

Sicher ist: Je höher die Zuschauerzahlen eines Clubs, desto härter trifft ihn das Zuschauerverbot. «Dieser Entscheid ist für den FC Basel 1893 gravierend und stellt den Club vor existenzielle Herausforderungen», sagt Roland Heri, CEO der Basler, «die Perspektive, bis Ende 2020 praktisch ohne Zuschauer spielen zu müssen und damit vor allem im Catering und Merchandising nicht von den einträglichen Spieltagen profitieren zu können, trifft uns hart.» Neben YB droht wohl den Baslern der grösste Einnahmen-Verlust.

«Die Perspektive, bis Ende 2020 praktisch ohne Zuschauer spielen zu müssen und damit vor allem im Catering und Merchandising nicht von den einträglichen Spieltagen profitieren zu können, trifft uns hart», sagt Roland Heri, CEO des FC Basel 1893. 

«Die Perspektive, bis Ende 2020 praktisch ohne Zuschauer spielen zu müssen und damit vor allem im Catering und Merchandising nicht von den einträglichen Spieltagen profitieren zu können, trifft uns hart», sagt Roland Heri, CEO des FC Basel 1893.

Foto: Freshfocus

«Geisterspiele bedeuten für uns nur noch mehr Kosten – für uns über 300'000 Franken pro Heimspiel», bezifferte FCB-Präsident Bernhard Burgener den Verlust gegenüber SRF. Bei fünf ausstehenden Partien im Joggeli bis Ende Dezember wären das hochgerechnet 1,5 Millionen, die dem FCB in der Kasse fehlen. Anfallende Kosten ebenfalls nicht abgezogen.

Die Basler kommunizieren transparent. So wies der FCB in der Jahresrechnung 2019 inklusive Business Seat Matcheinnahmen von 17,9 Millionen Franken aus. Teilt man diesen Betrag durch die 23 Heimspiele, ergab das 778'000 Franken pro Partie. 18 dieser 23 Partien waren Meisterschaftsspiele, für die man rund 19'000 Saisonkarten verkaufte. Die Crux: Diese Jahres-Abos liefen Ende 2019 aus und mussten erneuert werden. Der FCB stellt aber auf ein neues System um, weg von Jahres- hin zu Saisonkarten.

Bundesgelder sind gefragt

«Über 10'000 FCB-Fans haben sich bereits früh in diesem Jahr aus grösster Solidarität für die Reservation einer Halbjahreskarte 2021 entschieden», sagt Heri. Wie sich herausstellt, ein Handicap wegen Corona. «Wir hätten in diesen Tagen mit den entsprechenden Fans Kontakt aufgenommen und sie darum gebeten, die reservierten Halbjahreskarten in unserem Ticketsystem definitiv zu buchen und zu bezahlen. Aufgrund der nun erneut unsicheren Zukunft, auch was den Beginn des Jahres 2021 betrifft, verzichten wir bis auf weiteres auf diese Aufforderung und gehen zu einem späteren Zeitpunkt auf die betreffenden Fans zu.»

FCZ-Präsident Ancillo Canepa zeigt sich kämpferisch und sagt, dass man in der Lage sei, auch weiterhin einen möglichst sicheren Spielbetrieb zu organisieren.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa zeigt sich kämpferisch und sagt, dass man in der Lage sei, auch weiterhin einen möglichst sicheren Spielbetrieb zu organisieren.

Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Fakt ist: Was der Bundesrat im Frühjahr zunächst als vorübergehende Massnahme angedacht hatte, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bekämpfen, macht den Schweizer Proficlubs immer mehr Sorgen und bedroht sie im längerfristigen Fall in ihrer Existenz.

«Dass der Fussball gesellschaftspolitisch und auch wertschöpfungsmässig eine grosse Bedeutung hat, wird mittlerweile von vielen anerkannt. Deshalb sollte der Sport eine gleichwertige Unterstützung erhalten wie kulturelle Institutionen», sagt Canepa gegenüber Blue Sport. Man habe beim FCZ in den letzten Wochen sehr viel Arbeit und Energie in die Schutzkonzepte investiert. Man sei deshalb in der Lage, auch weiterhin einen möglichst sicheren Spielbetrieb zu organisieren beim FCZ, zeigte sich Canepa da kämpferisch.

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46 Kommentare
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Cillo Frey

30.10.2020, 12:12

Weniger Lohn, Kurzarbeit, RAV. Ob es sinnvoll ist dort mit dem 500 PS Sportwagen vorzufahren Ist fraglich. Jedenfalls gibt es Lösungen welche nicht nur für uns normalsterbliche sondern auch für Sportler funktionieren dürften.

Pflegefachkraft mit 6000 pro Monat

30.10.2020, 12:10

Über 300‘000 im Durchschnitt Jahreslohn für einen Profitschütteler. Da liegt noch viel Sparpotenzial drin.

kardinal emanuel de castiglia

30.10.2020, 12:09

schlagzeile des tages... Joseph Aloisius Ratzinger ist heute 30.10.2020 um 11:15 uhr an corona verstorben...