Benzin, Heizen, Fliegen: So viel kostet das CO₂-Gesetz eine Schweizer Familie
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Benzin, Heizen, FliegenSo viel kostet das CO₂-Gesetz eine Schweizer Familie

Der Nationalrat streitet am Mittwoch über höhere Abgaben auf Benzin und Heizöl. Doch was würde uns der Klimaschutz denn effektiv kosten?

von
Claudius Seemann
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Am Mittwoch debattiert der Nationalrat weiter über das CO₂-Gesetz. Etwa, wie es bei den Abgaben für Flugtickets oder Ölheizungen weitergeht.

Am Mittwoch debattiert der Nationalrat weiter über das CO₂-Gesetz. Etwa, wie es bei den Abgaben für Flugtickets oder Ölheizungen weitergeht.

Foto: Keystone / Peter Schneider
Geht es nach dem Nationalrat, soll die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. 75 Prozent davon sollen im Inland reduziert werden.

Geht es nach dem Nationalrat, soll die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. 75 Prozent davon sollen im Inland reduziert werden.

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Doch die grosse Frage in der Debatte ist: Was wird uns das kosten?

Doch die grosse Frage in der Debatte ist: Was wird uns das kosten?

KEYSTONE/Christian Beutler

Darum gehts

  • Am Mittwoch debattiert der Nationalrat darüber, wie es bei den Abgaben für Flugtickets oder Ölheizungen weitergeht.
  • 20 Minuten berechnet die Klima-Abgaben mit der fiktiven Familie Müller.
  • Beim Gewerbeverband heisst es, dass Unternehmen stärker belastet würden.
  • SP-Fraktionschef Roger Nordmann weist darauf hin, dass die Abgaben wieder an die Bevölkerung zurückfliessen.

Geht es nach dem Nationalrat, soll die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. 75 Prozent davon sollen im Inland reduziert werden. Am Mittwoch debattiert der Nationalrat weiter. Etwa, wie es bei den Abgaben für Flugtickets oder Ölheizungen weitergeht. Doch welche Mehrkosten für den Klimaschutz kommen voraussichtlich auf die Haushalte zu?

20 Minuten geht einmal von der fiktiven vierköpfigen Familie Müller aus, die in Luzern in einem 100 Quadratmeter grossen Altbau wohnt. Sie fliegt einmal im Jahr aus der Schweiz in die Ferien und besitzt ein kleines Auto, mit welchem der Vater jeden Arbeitstag nach Zürich zur Arbeit pendelt.

Flugtickets

Wer privat in ein Flugzeug steigt, soll künftig pro Flug je nach Reisedistanz und Beförderungsklasse eine Abgabe zwischen 30 und 120 Franken zahlen. So möchten es der Ständerat – auch die Kommission des Nationalrats folgt diesem Vorschlag. Würde Familie Müller etwa einmal im Jahr aus der Schweiz abfliegen und dabei durchschnittlich eine Abgabe von 50 Franken anfallen, ergäben sich damit rund 200 Franken zusätzlich. Das Geld soll aber teilweise wieder an die Bevölkerung zurückerstattet werden.

Heizöl

Die Kommissionen wollen den maximalen Satz der CO₂-Abgabe auf Brennstoffen von 96 auf bis zu 210 Franken pro Tonne erhöhen. Für die vierköpfige Familie Müller würde dies teuer werden: Wenn ihr 100 Quadratmeter grosser Altbau mit Öl beheizt wird und es pro Quadratmeter jährlich 21 Liter Heizöl braucht, würden gemäss Myclimate.ch jedes Jahr 6,4 Tonnen CO₂ ausgestossen werden. Die Abgabe auf Heizöl würde demnach 730 Franken höher ausfallen – pro Monat wäre dies ein Aufschlag von 60 Franken.

Benzin

Der Vater arbeitet in einem 100-Prozent-Pensum in Zürich, nimmt dabei seinen älteren VW Golf und legt damit jährlich rund 25’500 Kilometer zurück. Bis 2024 soll der Literpreis für Treibstoff um höchstens 10 Rappen aufgeschlagen werden dürfen, ab 2025 um bis zu 12 Rappen. Bei einem Verbrauch von 8 Litern pro 100 Kilometer müsste er in diesem Fall für die jährlichen Benzinausgaben mit einer Erhöhung von bis zu 204 respektive 245 Franken rechnen.

«Unternehmen würden stärker belastet»

«Der Nationalrat hat diesbezüglich in einer links-grünen Echoblase beraten», sagt Henrique Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands. Laut Schneider könnten für eine Person durch das revidierte CO₂-Gesetz im Gesamtdurchschnitt sogar etwa 2’000 Franken mehr anfallen. Auch würden Produkte teurer werden müssen, wenn die Unternehmen stärker mit Abgaben belastet würden. So müsse ein Gewerbebetrieb von etwa 400 Quadratmetern künftig über 4’200 Franken für Heizöl zahlen. «Das ist der Monatslohn eines Mitarbeitenden», so Schneider.

Abgaben fliessen teils an Bevölkerung zurück

SP-Fraktionschef Roger Nordmann sagt, die Warnung des Gewerbeverbandes sei übertrieben. «Das Gesetz ist nicht gratis. 2000 Franken pro Kopf und Jahr sind aber deutlich zu hoch.» Es komme darauf an, wie viel man fliege, Auto fahre oder wie man heize. «Berücksichtigen muss man auch, dass die Abgaben wieder an die Bevölkerung zurückfliessen und investiert werden, etwa in Gebäudesanierungen oder Bahnverbindungen.»

Für Nordmann ist klar: «Die Kosten des Nichtstuns sind viel höher als jene des Gesetzes. Kriegen wir die Erderwärmung nicht in den Griff, wird es viel teurer, etwa wegen Naturkatastrophen oder Ernteausfällen in der Landwirtschaft.»

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316 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Klima

12.06.2020, 10:43

Wer das Klima verdreckt soll die Kosten dafür tragen! Gletscher schmelzen. In unseren Bergen taut das Permafrost auf, Kohlenstoff wird freigesetzt und zahlreiche Bergstationen sind in Bewegung. Klimawandelleugner stecken den Kopf im Sand. Aus Liebe zu den nächsten Generationen braucht es einen Wandel und konkrete Massnahmen.

Rowi

12.06.2020, 05:35

Es wird nur die Erhebung bzw. kurzfristige Kostenseite der CO2 Abgabe ins Zentrum gestellt. Dabei wird der grösste Teil der Einnahmen für günstigere Alternativen und Sozialverträglichkeit in der Schweiz investiert. Das CO2 Gesetz kurbelt die Wirtschaft an und verringert die Auslandabhängigkeit. Dringend nötige Impulse werden geschaffen. Das CO2 Gesetz reduziert lokale Umweltbelastungen, schafft Arbeitsplätze in der Schweiz und trägt zur Reduktion der Klimakrise bei.

Schlauer Fuchs

10.06.2020, 01:13

Mindestens die Hälfte der Einnahmen sollten für hiesigen Naturschutz und international wichtigen Waldschutzgebieten eingesetzt werden.