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Todesstrafe in den USASo viel kostet eine Hinrichtung

Eine Studie liefert den Gegnern der Todesstrafe in den USA neue Munition. Sie belegt am Beispiel des Bundesstaats Kalifornien die Kosten einer Exekution. Diese sind exorbitant.

von
pbl
Die Todeskammer im Staatsgefängnis von San Quentin wurde letztes Jahr neu gebaut, nachdem ein Bundesrichter die bisherige Anwendung der Giftspritze für verfassungswidrig erklärt hatte. Seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet.

Die Todeskammer im Staatsgefängnis von San Quentin wurde letztes Jahr neu gebaut, nachdem ein Bundesrichter die bisherige Anwendung der Giftspritze für verfassungswidrig erklärt hatte. Seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet.

Im März hat der US-Bundesstaat Illinois die Todesstrafe abgeschafft. Begründet wurde die Massnahme unter anderem mit den hohen Kosten. Tatsächlich zeigen diverse Untersuchungen der letzten Jahre, dass es deutlich teurer ist, einen Menschen hinzurichten, als ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis zu stecken. In Kalifornien, dem grössten Bundesstaat, ist dieses Verhältnis besonders krass. Dies zeigt eine neue Studie.

Demnach hat die Todesstrafe die kalifornischen Steuerzahler seit ihrer Wiedereinführung 1978 mehr als vier Milliarden Dollar gekostet. In dieser Zeit wurden aber nur 13 Personen hingerichtet – macht im Durchschnitt 308 Millionen Dollar pro Exekution. Und Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Bis 2030 würden die Gesamtkosten für die Todesstrafe auf neun Milliarden Dollar steigen, schreiben die beiden Autoren, der Richter Arthur Alarcon und die Rechtsprofessorin Paula Mitchell von der Loyola Law School, laut «Los Angeles Times».

Unglaubliche Geldverschwendung

Ins Geld gehen die Infrastruktur für die Todeskandidaten und nicht zuletzt die langwierigen und teuren Rechtsverfahren. Ein Fall, in dem die Todesstrafe verhängt wird, ist laut der neuen Studie etwa 20-mal teurer als einer mit lebenslänglich ohne Aussicht auf Bewährung. Etwa 70 Prozent aller Todesurteile in Kalifornien würden von Berufungsrichtern wegen Mängeln an die Vorinstanz zurückgeschickt, heisst es im Bericht weiter.

«Wir wollen, dass die Wähler aufwachen und realisieren, dass es sich um eine unglaubliche Geldverschwendung handelt», sagte Paula Mitchell, eine Gegnerin der Todesstrafe. Ihr Ko-Autor Arthur Alarcon befürwortet sie grundsätzlich. In Kalifornien bestimmt das Volk über die Todesstrafe. Es hat sie getreu der allgemeinen Befindlichkeit in den USA in den letzten Jahrzehnten laufend ausgebaut. Bereits werden 39 Delikte davon erfasst.

Befürworter betonen, man müsse sie nur effizienter gestalten. Doch das ist leichter gesagt als getan: Seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet, und das wird sich so schnell nicht ändern. Nach einer verpfuschten Hinrichtung in Florida hat ein Bundesrichter die heutige Praxis mit der Giftspritze für verfassungswidrig erklärt.

184 Millionen Ersparnis pro Jahr

Die Autoren der Studie betonen, dass eine «Verbesserung» das System nur noch teurer mache. Wogegen der Staat 184 Millionen Dollar pro Jahr sparen könnte, wenn er die derzeit 714 hängigen Todesurteile in lebenslänglich ohne Aussicht auf Bewährung umwandeln würde. Kein unwichtiges Argument in einem Bundesstaat, der unter Defiziten von 25 Milliarden Dollar pro Jahr ächzt und an der Schwelle zum Bankrott steht. Umfragen zeigen bereits, dass die Zustimmung zur Todesstrafe abnimmt – wegen der hohen Kosten.

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