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Studierte HausfrauenSo viel kostet es, wenn die Mutter arbeiten geht

50'000 Frauen arbeiten in der Schweiz trotz Studium nicht. Dies liegt auch daran, dass sich eine Teilzeitstelle finanziell oft nicht lohnt.

von
Florian Meier

In der Schweiz leben rund 50'000 studierte Hausfrauen, die keiner Arbeit nachgehen. «Es werden Milliarden in die Ausbildung von Frauen investiert, die schlussendlich der Wirtschaft nichts nützen», sagte Rudolf Minsch, Chefökonom der Economiesuisse, am Montag gegenüber 20 Minuten.

Dutzende Hausfrauen mit Topausbildung fühlten sich vor den Kopf gestossen und liessen ihrem Unmut im 20-Minuten-Talkback freien Lauf. «Bei Kleinkindern muss man die Kinderkrippe bezahlen. Dazu kommt auch noch die grössere finanzielle Belastung der Steuern, weil man in eine höhere Progressionsstufe gerät. Wenn man alles zusammenrechnet, wird es sehr knapp, wenn man nicht sogar draufzahlt!», schreibt eine Ökonomin, die gerne arbeiten würde.

20 Minuten hat nachgerechnet. Ausgangspunkt ist eine Familie mit zwei Kindern, die in der Stadt Zürich wohnt. Der Vater arbeitet 100% und verdient dabei 8000 Franken. Wenn nun die Mutter eine 40%-Stelle annimmt und dabei 1600 Franken im Monat verdient, schrumpft der Lohn aufgrund des Mehraufwandes bis auf weniger als 1000 Franken.

Noch extremer gestaltet sich die Situation, wenn davon ausgegangen wird, dass die Mutter bei 100%-Stelle ebenfalls 8000 Franken pro Monat verdienen würde. Diese Annahme ist gerade dann näher an der Realität, wenn es sich um eine Frau mit Studienabschluss handelt. Wenn die Mutter jetzt eine 80%-Stelle annimmt (der Mann verdient weiterhin 8000 Franken), gehen beinahe 3000 Franken von ihrem Lohn wieder verloren.

Genaue Situation hängt vom Wohnort ab

Die Beispiele zeigen: Je gebildeter eine Mutter ist und je mehr Tage pro Woche sie arbeitet, desto teurer wird der Berufseinstieg für die Familie. Ab einem gewissen Pensum lohnt sich das Arbeiten für die Frau sogar gar nicht mehr, hat Susanne Stern vom Forschungsbüro Infras in einer Studie herausgefunden.

Dieser Punkt liege etwa bei 40%: Wenn z. B. der Vater in einer Familie 100% und die Mutter zusätzlich zwei Tage arbeitet, bleibt am Ende des Monats mehr übrig, als wenn die Frau drei oder vier Tage arbeiten würde. Grund dafür ist, dass die Steuerbelastung mit zunehmendem Einkommen zunimmt, während die Subventionen für die Kinderbetreuung abnehmen. «Bei diesen 40% handelt es sich aber nur um einen ungefähren Wert. Das genaue Pensum hängt stark vom Tarifsystem bzw. der Gemeinde ab, in der eine Familie wohnt», meint Stern. So hat laut Studie eine Frau, die mehrere Tage pro Woche arbeitet, viel mehr davon, wenn sie in der Stadt Zürich wohnt, als wenn sie in Dübendorf (ZH) beheimatet ist.

«Kinder können von der Krippe profitieren»

Auffallend ist auch, dass es stark vom Einkommen abhängt, ob es sich für den oder die Zweitverdienerin lohnt, einen Job anzunehmen oder nicht. Im Kanton Basel Stadt zum Beispiel ist es für eine Familie mit einem mittleren Einkommen (Mann verdient 8000 Fr./Monat, Frau 4000 Fr./Monat) ideal, wenn die Frau 80% arbeitet. Handelt es sich aber um eine Familie mit einem hohen Einkommen (Mann verdient 12'000 Fr. pro Monat, Frau 6000 Fr./Monat), erreicht das Haushaltsbudget bei einem 40%-Pensum der Frau sein Maximum.

Stern betont aber auch, dass für diese Studie nur der kurzfristige Effekt berücksichtigt wurde. «Auf lange Frist müssen natürlich noch weitere Faktoren berücksichtigt werden.» Beispielsweise könne es für die Entwicklung des Kindes förderlich sein, wenn es ein bis zwei Tage pro Woche in einer gut geführten Krippe verbringt. «Zudem ist es für die berufliche Laufbahn der Frau sehr wichtig, dass sie den Anschluss nicht verliert.»

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