Aktualisiert 24.02.2014 13:05

Luxus pur

So viel kostete Janukowitschs Lebensstil

Vorhänge für 80'000 Euro, Holz-Deko für 1,7 Millionen Euro – Dokumente der Buchhaltung zeigen, wie luxuriös der geflohene ukrainische Staatschef tatsächlich gelebt hat.

von
Maria Danilova, AP

Der inzwischen untergetauchte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch scheint es ziemlich genau genommen zu haben mit der Buchhaltung zu seinen Privatausgaben. Dies legen jedenfalls Dokumente nahe, die jetzt in seiner verlassenen Residenz in Kiew gefunden wurden.

Das Haus ist seit dem Wochenende unter Kontrolle der Opposition. Tausende Ukrainer strömen dorthin, um zu inspizieren, wie opulent ihr – nun vermutlich ehemaliger – Präsident zu leben wusste, während das Land in wirtschaftlicher Not dem Staatsbankrott entgegentaumelte.

Journalisten durchkämmen Papierberge

Während die Besucher wütend den Luxus in Janukowitschs Herrenhäusern, die Gartenteiche und exotischen Tiere bestaunen, durchkämmen Journalisten die Papierberge mit Zeugnissen von seinem extravaganten Lebensstil.

Einige Belege zu seinen Finanzen sind verbrannt worden, andere wurden in einen See geworfen, bevor Janukowitsch am Freitagabend in die ostukrainische Stadt Charkow abflog. Doch Taucher fischten die Dokumente aus dem Wasser. Und Aktivisten legten sie zum Trocknen aus. Anschliessend wurden Fotos der Papiere von dem Journalisten Mustafa Najem ins Internet gestellt. Andere ukrainische Medien berichteten ebenfalls.

800'000 Euro für Pflanzen

So wurde nicht nur die Quittung für die umgerechnet 9 Millionen Euro in bar öffentlich, sondern auch eine Rechnung über etwa 7,2 Millionen Euro. Rund 80'000 Euro gab Janukowitsch für die Vorhänge in seinem sogenannten Rittersaal aus. Dann waren da noch die 800'000 Euro für Pflanzen. Dekogegenstände aus Holz liess sich der Machthaber 1,7 Millionen Euro kosten.

Die Wut der Janukowitsch-Gegner, die drei Monate lang in einem erbitterten Machtkampf gegen den Präsidenten demonstrierten, wird durch die Enthüllungen sicher nicht kleiner. Wo sich der Präsident aufhält, ist unklar. Eine Beraterin liess am Sonntag nur wissen, er fühle sich nach wie vor als legitimes Staatsoberhaupt.

Seine Residenz Meschigorje in einem Park am Dnipro-Fluss ist für viele Ukrainer aber längst ein Symbol für seine korrupte Regierung. Der Präsident hatte sich Fragen zu seinem Leben auf dem Anwesen stets verweigert und behauptet, er wohne in einem bescheidenen Haus auf einem kleinen Grundstück.

Museum oder Spital?

Die Besucher reiben sich nun die Augen, wenn sie das Haus und den Park einschliesslich Janukowitschs privatem Golfplatz, der Schweinefarm und des kleinen Zoos mit Pfauen und Straussen besichtigen. Einige überlegen bereits, wie es mit all der Herrlichkeit weitergehen soll.

Die Umwandlung in ein Krankenhaus oder ein Sanitorium halten einige für angemessen. Oder noch besser: «ein Museum der Korruption». Der Besitz geht jetzt jedenfalls an die Regierung über, so hat es das ukrainische Parlament am Sonntag beschlossen.

«Wir sind noch im Schockzustand»

Der überbordende Lebensstil des Präsidenten beschäftigt auch viele Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen Kiews. Jarina Mosur hat ihre beiden Kinder in der Westukraine zurückgelassen, um sich an den Protesten gegen Janukowitsch zu beteiligen. Sie steht auf dem Platz, als ein orthodoxer Priester ein Gebet für die mindestens 82 Todesopfer des gewaltsamen Machtkampfs der vergangenen Tage anstimmt.

Der zur Schau gestellte Reichtum in Janukowitschs Anwesen mache sie wütend, sagt Mosur. «Wir sind alle noch im Schockzustand, aber er wird dafür teuer bezahlen.»

(Video: YouTube/Atlantet)

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