Autonarren aufgepasst: So viel müsst ihr für das Kennzeichen «BE 9» hinblättern 
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Autonarren aufgepasstSo viel müsst ihr für das Kennzeichen «BE 9» hinblättern 

Ein Berner bietet das Kontrollschild «BE 9», das sein Schwiegervater einst als Taxiunternehmer günstig erwarb, nun für ein Vermögen auf Tutti an. Darf er das?

von
Simon Ulrich
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Wer künftig mit dem Kennzeichen «BE 9» herumkurven will, muss tief in die Tasche greifen. 

Wer künftig mit dem Kennzeichen «BE 9» herumkurven will, muss tief in die Tasche greifen. 

Gaël Kratochvil
Das Kontrollschild ist derzeit noch an einem silbrigen Mercedes angebracht, der früher als Taxi im Einsatz stand.

Das Kontrollschild ist derzeit noch an einem silbrigen Mercedes angebracht, der früher als Taxi im Einsatz stand.

Gaël Kratochvil
Für viel Geld wird es nun auf Tutti.ch zum Verkauf angeboten. 

Für viel Geld wird es nun auf Tutti.ch zum Verkauf angeboten. 

Tutti.ch

Darum gehts

Wechseln im Kanton Bern tiefe und besonders attraktive Nummernschilder den Besitzer oder die Besitzerin, geschieht dies für gewöhnlich über die Online-Auktionen des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes (SVSA). «BE 5» spülte so im Dezember 2018 satte 151’000 Franken in die Staatskasse. Der Verkauf von «BE 11» brachte immerhin 50’000 Franken ein. 

«BE 9» hingegen wird derzeit auf Tutti.ch feilgeboten: 229’000 Franken muss hinblättern, wer das Stück Blech mit den Wappen, dem Kantonskürzel und der Quadratzahl sein Eigen nennen will. «Es gibt eine Vielzahl an wunderschönen Fahrzeugen im Kanton Bern, jedoch nur neun einstellige Autokennzeichen», preist Inserent Gaël Kratochvil sein Verkaufsobjekt an.

Der erste Verkaufsversuch scheiterte

Das Kontrollschild gehöre seinem Schwiegervater, sagt er auf Anfrage von 20 Minuten: «Er hatte ein kleines Taxiunternehmen, ist nun aber pensioniert und bereit, sich für den richtigen Preis vom begehrten Kennzeichen zu trennen.» Kratochvil selber, der Teilhaber eines Kältetechnikunternehmens ist, hat weder beruflich noch privat Verwendung dafür: «Ich bin ein diskreter Mensch. Und für unsere Servicefahrzeuge wäre die Nummer definitiv zu schade.»

Bereits im November 2020 hatte Kratochvil über die Auktions-Plattform Ricardo versucht, «BE 9» für das Startgebot von 140’000 Franken zu versteigern, blieb jedoch auf dem Angebot sitzen. Interessentinnen und Interessenten hätten sich damals vor allem an den 74’000 Franken gestört, die sie zusätzlich dem Kanton hätten entrichten müssen, sagt der 40-Jährige. Denn: Für den Privatgebrauch muss das Taxi-Kontrollschild aus dem Fahrzeugpool des berufsmässigen Personentransports (BTP) herausgelöst werden. Die Sonderabgabe beträgt für einstellige Nummern zwischen 74’000 («BE 9») und 90’000 Franken («BE 1»). 

Beim Angebot von 229’000 Franken handle es sich nun um eine Pauschale, bei der die Sonderabgabe inbegriffen sei, sagt Kratochvil Vor der Überschreibung auf den neuen Besitzer oder die neue Besitzerin soll das Nummernschild demnach mit dem entsprechenden Anteil aus dem Verkaufserlös aus dem Personenbeförderungspool herausgelöst werden. Der Berner ist guter Dinge, dass er das Kennzeichen auf diese Weise doch noch loswird: «Die Interessentinnen und Interessenten wissen nun: So viel kostet mich das Nummernschild – ohne dass vom Kanton nochmals 74’000 Franken draufgeschlagen werden.» 

Bern: Nummernschild-Verkauf an Dritte erlaubt

Doch darf Kratochvil die einstellige Autonummer, die sein Schwiegervater einst günstig erwarb (ursprünglich wurden im Kanton Bern sämtliche ein- bis dreistelligen Nummern an Fahrzeuge des berufsmässigen Personentransports vergeben), für ein Vermögen weiterverkaufen? Ja, darf er. Denn anders als in Kantonen wie beispielsweise Zürich, St. Gallen, Luzern oder Wallis, wo das Abtreten von Autokennzeichen nur unter Familienangehörigen und Ehepartnern möglich ist, dürfen Kontrollschilder im Kanton Bern auch an Dritte verkauft werden. So finden sich in den einschlägigen Verkaufsportalen denn auch weitere Berner Kontrollschilder mit tiefen Nummern und speziellen Zahlenkombinationen: Auf Tutti beispielsweise gibts «BE 30» für 65’000 Franken, «BE 111111» für 4800 Franken. 

Dass der Kanton Bern allerdings kein Interesse an einem blühenden Handel mit begehrten Nummern hat, zeigen letztlich die immensen Sonderabgaben, die bei einem Besitzerwechsel anfallen. 

*Name der Redaktion bekannt 

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