Aktualisiert 02.07.2014 09:14

Das Spiel aus Fan-Sicht

«So viel Pech kann man doch gar nicht haben!»

Es war kein Abend für schwache Nerven: Das Spiel Schweiz gegen Argentinien zog das ganze Land in seinen Bann - bis zum bitteren Ende. Stimmen von Nati-Fans nach der Niederlage.

von
G. Brönnimann

Rotweiss gegen Blauweiss auf grünem Rasen: Dieses Bild flimmert am Dienstag in jeder Stube, jeder Beiz, jeder Bar und in jedem Public Viewing vor weit aufgerissenen Augen. Der Ruf «Hopp Schwiiz» hallt durch Täler und Häuserschluchten.

Vor dem Spiel herrscht Hochstimmung. «Natürlich gewinnt die Schweiz», sagt Michi Trusch (28). «An dieser WM ist alles möglich», pflichtet Tanja Siegrist (26) bei. Und Christoph Albrecht (31) fügt an: «Wunschdenken ist wichtig im Fussball!»

Die Hochstimmung hält lange an. «Jaaa!», schallt es bei jeder Balleroberung durch die Strassen. «Uhhh», tönt es aus über fünftausend Kehlen im Public Viewing an der Zürcher Europaallee, wenn ein Ball der Argentinier knapp daneben geht. Und das Echo der kollektiven «Nein!»-Rufe, wenn die Schweizer Geschosse ihr Ziel knapp verfehlen, hört man wohl weit über die Landesgrenze hinaus.

«Das ist ja nicht auszuhalten», schreit ein Fan in der Verlängerung, und spricht damit vielen aus der Seele. Fingernägel, manche rotweiss lackiert, graben sich immer tiefer in verschwitzte Handflächen. «Ich bin ja keine Fussball-Expertin», gesteht Lilo Stempfel (50) in der 107. Minute, «aber Argentinien ist längst fällig!» Doch es will und will kein Tor fallen für die Schweizer Mannschaft.

Stattdessen schiesst Angel Di María die Schweiz in der 118. Minute ins Elend. Der Jubel verstummt, als hätte jemand den Stecker gezogen. Ein letztes Aufbäumen, «Hopp Schwiiz»-Rufe, die letzte Hoffnung auf den Ausgleich in der letzten Minute - vergebens. Fans mit langen Gesichtern auf der Langstrasse, lange Gesichter in der ganzen Schweiz.

«Hut ab vor der Schweizer Nationalmannschaft»

«Das war einfach nur Pech», analysiert Patrick Meier (43) das verlorene Achtelfinale. «Die Nati hat gut gespielt und gut gekämpft.» Seine Stimme klingt heiser. «Es gab viel zu schreien, das war ein unglaublicher Thriller», sagt er. «So viel Pech kann man doch gar nicht haben», findet auch Manon Bonfranchi (47) nach dem Match. «Wie sie gespielt haben, das ist absolut bewundernswert. Hut ab vor der Schweizer Nationalmannschaft.»

«Ich bin sehr traurig», sagt Lorenzo Testoni (23). «120 Minuten lang haben wir super gespielt, und dann ist alles weg. Einfach nur schade.» Er findet: «Wir hätten gegen Argentinien gewinnen müssen.» Das sieht Andreas Traut (35) genauso. Er meint: «Die Argentinier haben noch kein Spiel an dieser WM verdient gewonnen.»

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