Aktualisiert 30.07.2019 20:16

LiveWire-TesfahrtSo viel Spass macht die erste Elektro-Harley

Emanuel Elsa war vergangene Woche mit der LiveWire, dem ersten Elektrobike von Harley-Davidson, in den USA unterwegs.

von
Emanuel Elsa
30.7.2019
... unvermeidlichen Schwarz. Schwarzsehen dürften aber auch alle Harley-Fans, die nicht für das neue E-Zeitalter gespart haben, denn unter 36'500 Franken läuft bei der US-Kultmarke nichts.

... unvermeidlichen Schwarz. Schwarzsehen dürften aber auch alle Harley-Fans, die nicht für das neue E-Zeitalter gespart haben, denn unter 36'500 Franken läuft bei der US-Kultmarke nichts.

Harley-Davidson
Schon nach wenigen Kilometern zeigte sich, für welche Käuferschaft Harley-Davidson sein erstes elektrisch angetriebenes Motorrad entwickelt hat: Die LiveWire ist für eine urbane, finanziell gut aufgestellte Käuferschaft gedacht. «Born to be Wild» war gestern.

Schon nach wenigen Kilometern zeigte sich, für welche Käuferschaft Harley-Davidson sein erstes elektrisch angetriebenes Motorrad entwickelt hat: Die LiveWire ist für eine urbane, finanziell gut aufgestellte Käuferschaft gedacht. «Born to be Wild» war gestern.

Harley-Davidson
«Die LiveWire soll Technologie-Trendsetter, Konsumenten von Luxus-Brands und Menschen mit einem besonders hohen Anspruch an Design und Qualität begeistern», schreiben die Amerikaner.

«Die LiveWire soll Technologie-Trendsetter, Konsumenten von Luxus-Brands und Menschen mit einem besonders hohen Anspruch an Design und Qualität begeistern», schreiben die Amerikaner.

Harley-Davidson

«Portland ist die grösste Stadt in Oregon und liegt an den Flüssen Columbia und Willamette im Schatten des schneebedeckten Mount Hood. Es ist für seine Parks, Brücken und Radwege sowie für seine Umweltfreundlichkeit, Mikrobrauereien und Cafés bekannt. In der Stadt gibt es florierende Kunst-, Theater- und Musikszenen», schreibt Wikipedia. Das passt, haben sie sich wohl auch bei Harley-Davidson gedacht, als man im Hauptsitz in Milwaukee nach einem Ort gesucht hat, an dem die US-Kultmarke mit der LiveWire den Aufbruch ins Elektro-Zeitalter starten wollte. «Der innovative Charakter der Stadt widerspiegelt unser erstes Elektrobike perfekt», hiess es anlässlich der Fahrpräsentation für die internationalen Journalisten.

Fünf lange Jahre Entwicklungsarbeit und fünf Jahre begleitendes PR-Tamtam gingen diesen Testfahrten voraus. Doch schon nach wenigen Kilometern zeigte sich, für welche Käuferschaft Harley-Davidson sein erstes elektrisch angetriebenes Motorrad entwickelt hat: Die LiveWire ist für eine urbane, finanziell gut aufgestellte Käuferschaft gedacht. «Born to be Wild» war gestern. «Die LiveWire soll Technologie-Trendsetter, Konsumenten von Luxus-Brands und Menschen mit einem besonders hohen Anspruch an Design und Qualität begeistern», schreiben die Amerikaner.

«Einmal von Zuhause ins Büro und zurück bitte»

Das passt auch zur Reichweite des Elektrobikes. Zwar kann man mit der LiveWire theoretisch bis zu 250 Kilometer zurücklegen, doch die anspruchsvolle Topographie der Schweiz dürfte den Radius auf rund 150 Kilometer verkleinern. Was für Hardcore-Biker und Tourenfahrer ein Witz ist, dürfte für die anvisierte Klientel allerdings locker genügen – einmal von Zuhause ins Büro und zurück, dann reichts im Normalfall auch noch für eine kurze Feierabend-Ausfahrt. Und egal, ob in Fahrt, parkiert oder an der Steckdose – das Design des Stromers ist gelungen: Wie bei den kultigen 2-Zylinder-Aggregaten haben es die Ingenieure und Designer geschafft, den Elektromotor prominent in Szene zu setzen, die Verarbeitungsqualität ist top. Alles andere ist Geschmackssache.

Born to be Green?

Emanuel Elsa war vergangene Woche mit der LiveWire, dem ersten Elektrobike von Harley-Davidson, in den USA unterwegs.

Auch Harley in Genf unter Strom

Wer beim bis Sonntag dauernden Auto-Salon in Genf genauer hinschaut, der entdeckt unter den vielen E-Autos auch eine lautlose Zweiradlegende.

Sehr emotional und packend hingegen ist das Fahrgefühl auf der Landstrasse – wie bei Elektroautos begeistert die lineare Leistungsentfaltung des Elektromotors auch auf zwei Rädern. Vom ersten Meter an steht das volle Drehmoment von 116 Newtonmetern zur Verfügung. Das bedeutet ein Andante furioso: Gerade mal 3 Sekunden gibt die Motor Company für den Spurt aus dem Stand auf 96,5 km/h an. Damit lassen die E-Biker schon mal den einen oder anderen Sportwagen quasi lautlos stehen. Zum Glück ist die Brembo-Bremsanlage jeder Herausforderung gewachsen. Ergänzt wird das ausgezeichnete Bremssystem von einem Bosch-Stabilisierungssystem, das neben einer Traktionskontrolle auch eine Wheelie-Kontrolle, ein Kurven-ABS und eine Hinterrad-Abhebeerkennung umfasst. Also auch hier kein Alteisen, vielmehr Next Level.

Diese Harley giert nach Schräglage

Das gilt auch für die Fahrdynamik, weil die LiveWire mit feinen japanischen Showa-Komponenten ausgerüstet ist und straff, präzise, agil und stabil über die gleitet. 45 Grad gibt Harley als Schräglagen-Maximum an, und es scheint, als würde die LiveWire – ein Novuum bei Harley-Davidson – nach solchen Grenzwerten gieren. Doch mindestens so eindrucksvoll wie lustvolles Schnellfahren, ist gemütliches Cruisen mit der LiveWire. Flüsterleise und vollkommen ruckfrei gleitet das 249 Kilogramm wiegende E-Bike mit jedem gewünschten Tempo voran. Stop-and-Go in der City wird ohne dias ständige Kuppeln zum Vergnügen, und die sonst oft lästige Abwärme des Motors vor der roten Ampel gibt's angenehmerweise auch nicht. Dafür jede Menge zum Spielen: Vier vorkonfigurierte Fahrmodi werden von drei individuellen Modi ergänzt. Mal wird mehr, mal weniger Leistung freigegeben, mal mehr, mal weniger rekuperiert.

Die Zeiten der bollernden Zweizylinder sind zwar noch lange nicht vorbei, doch die Zukunft tönt anders. Darum hat man sich in Milwaukee auch viele Gedanken über eine markengerechte Soundkulisse gemacht. Das Ergebnis ist ein mit der Fahrgeschwindigkeit ansteigender, überraschend angenehmer (oder zumindest nicht störender) Pfeiffton. Stärker ins Herz soll aber der künstliche Herzschlag treffen: Der setzt ein, wenn das Motorrad startbereit ist, und sendet ein leichtes Pulsieren bis in das Gesäss des Fahrers. Vorausgesetzt, das Bike hat genügend Strom.

Das sollte im Normalfall kein Problem sein, denn das Wiederaufladen des Akkus ist grundsätzlich einfach: Eine Kabelverbindung genügt. An der Haushaltssteckdose dauert es 12,5 Stunden, bis eine komplett entleerte Batterie wieder 100-prozentig fit ist, an einer Gleichstrom-Schnellladesäule dagegen nur eine Stunde. Aber sie muss erstens vorhanden und darf zweitens nicht belegt sein. Und drittens sollte sie möglichst nicht in einem unwirtlichen Industriegebiet oder an der Autobahn stehen, sondern an einem Ort, an dem die neue Generation von Harley-Davidson-Fahrern gerne eine Pause macht. Zurzeit dürfte diese Kombination in der Schweiz nur bei den Tesla-Superchargern vorhanden sein – und dort gibt's für die LiveWire keinen Anschluss.

Drei Farben, ein Preis und ab September auf der Strasse

Selbstverständlich beherrscht das 4,3 Zoll-TFT-Display der LiveWire die heute gängigen Spielarten der Konnektivität, integriert also Musik, Navigation und Telefonie. Natürlich gibt es umfassende, gut ablesbare und damit verständliche Anzeigen für den Zustand beziehungsweise die Belastung der 15,5 kWh-Batterie. Alles 7/24, und auch auf dem Smartphone.

Bis die ersten Bikes in die Schweiz kommen, dauert es nur noch ein paar Wochen. Denn schon ab September rollen die ersten E-Bikes in den zwei auffälligen Matt-Metallicfarben Orange Fuse und Yellow Fuse auf die Strasse. Natürlich auch im unvermeidlichen Schwarz. Schwarzsehen dürften aber auch alle Harley-Fans, die nicht für das neue E-Zeitalter gespart haben, denn unter 36'500 Franken läuft bei der US-Kultmarke nichts. Noch nichts: Denn die LiveWire ist zwar ein weiterer Meilenstein in der fast 120-jährigen Geschichte der Marke, aber sie ist nur der Auftakt für die Elektro-Offensive aus Milwaukee.

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