JAMES-Studie: So viel surfen Jugendliche wirklich im Web
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JAMES-StudieSo viel surfen Jugendliche wirklich im Web

Internet und Handy haben das Fernsehen bei der Mediennutzung Jugendlicher klar abgelöst. Doch wie nutzen sie das Web?

von
oku

Die Aufzeichnung der Podiumsdiskussion zur neuen JAMES-Studie am 28. Februar im Stapferhaus in Lenzburg.

Über die «Generation Internet» kursieren viele Geschichten. Aber wie klickt und tickt jene Generation wirklich, die mit Handy und Internet aufwächst? Erst mal vorweg: Die Schweiz kann aufatmen. Keinesfalls wachsen hierzulande nur soziophobe Menschen heran, die direkten Kontakt scheuen und nur noch via Internet mit anderen kommunizieren. So steht bei den häufigsten Freizeitbeschäftigungen, die nicht den Medienkonsum betreffen, sowohl bei Jungen wie bei Mädchen das Treffen von Freunden mit deutlichem Vorsprung auf Platz eins, gefolgt von «Sport treiben» und «nichts tun».

Die Studie zeigt, dass Handy und Internet inzwischen deutlich häufiger genutzt werden als das Fernsehen. An erster Stelle hinsichtlich der Mediennutzung steht bei Schweizer Jugendlichen das Handy, an zweiter Stelle die Nutzung von Internetdiensten und anschliessend (in absteigender Reihenfolge) MP3 hören, Fernsehen, Musik-CD, Radio, Tageszeitung und Computer- und Videogames. Computer- und Videogames werden von Knaben häufiger genutzt als von Mädchen. Drei Viertel der Befragten haben einen eigenen Computer. 95 Prozent haben von zuhause aus Zugang zum Internet. Diesen nutzen die Jugendlichen rege: An Wochentagen wird durchschnittlich 2 Stunden und 5 Minuten im Internet gesurft, an freien Tagen knapp eine Stunde mehr (3 Stunden und 1 Minute).

Das ist das Ergebnis der «James-Studie 2010» für die 1000 Schweizer Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt wurden. Der Medienpsychologe Professor Daniel Süss von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) stellte am Montag die erste umfassende Jugend-Mediennutzungsstudie für die Schweiz vor. Im Interview erklärt er, welche interessanten Einblicke ins digitale Leben der Jugendlichen die Studie bringt.

Welches sind die zentralen Erkenntnisse von JAMES?

Prof. Daniel Süss:Handy und Internet sind zu unverzichtbaren Medien für die Jugendlichen geworden und haben das Fernsehen als Leitmedium abgelöst. Zahlreiche Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren bewegen sich zudem regelmässig auf Social Network Sites wie Facebook. Dabei gehen sie mit ihren Daten und ihrer Privatsphäre zu sorglos um. Hier zeigt sich, dass sich Jugendliche – auch wenn sie die neuen Medien teilweise technisch virtuos beherrschen – nicht immer angemessen im Internet bewegen.

Gibt es grundlegende Unterschiede bei den Ergebnissen von Jungen und Mädchen?

JAMES zeigt, dass Mädchen die neuen Medien eher kreativ nutzen, gestalten selber eigene Produkte, während bei den Knaben Games eine zentrale Rolle einnehmen.

Was hat Sie besonders überrascht?

Überraschend sind die doch erheblichen Unterschiede zwischen den Sprachregionen. Zum Beispiel ist Surfen ohne bestimmtes Ziel unter Tessiner Jugendlichen besonders verbreitet und in der Deutschschweiz eher weniger. Die Jugendlichen aus der Westschweiz liegen dazwischen. Auch in Bezug auf den Umgang mit Privatsphäre zeigen sich erhebliche sprachregionale Unterschiede.

Denken und handeln so genannte Digital Natives, also Jugendliche, die selbstverständlich mit Internet und Handy aufwachsen anders als Digital Immigrants, die ohne neue Medien aufgewachsen sind?

Ein grosser Unterschied ist sicher, dass so genannte Digital Natives Aufgaben eher spielerisch, nach dem Prinzip Versuch und Irrtum angehen. Sie gehen auch mit ihrer Privatsphäre sorgloser um als Erwachsene. Die älteren Generationen haben grössere Bedenken und Berührungsängste gegenüber den neuen Medien. Es geht aber nicht darum die unterschiedlichen Denkmuster gegeneinander auszuspielen. Vielmehr liegt darin eine Chance. Jugendliche haben andere Lern- und Handlungsstrategien als Erwachsene. Erwachsene verfügen über eine andere Lebenserfahrung. Beide Seiten können voneinander profitieren und lernen.

Warum erscheint JAMES gerade jetzt?

In den letzten Jahren wurde eine grosse öffentliche Debatte zum Thema Jugendmedienschutz entfacht. Auch in der Politik. Es wurde beispielsweise eine Motion für ein Verbot sogenannter Killerspiele eingereicht oder ein Medienführerschein gefordert. Der Bundesrat hat zudem im Juni vergangenen Jahres ein nationales Programm für Jugendmedienschutz und Medienkompetenzen lanciert. Um sinnvolle Massnahmen im Bereich Jugendmedienschutz zu ergreifen, braucht es verlässliche Daten, welche JAMES nun liefert.

Live auf 20 Minuten Online

Am Montagabend werden die Ergebnisse der Studie vorgestellt und im Rahmen einer Diskussionsrunde im Stapferhaus in Lenzburg ausführlich beleuchtet. Prof. Dr. Daniel Süss, der Verantwortliche der JAMES-Studie, diskutiert mit Patrice Emch (28), Jugend- und Schulsozialarbeiter sowie Mitgründer des Beratungsdienstes jugend-online.ch, die Mediennutzung der Schweizer Jugend. 20 Minuten Online überträgt die Veranstaltung ab 18 Uhr live.

Zeit: Montag, 28. Februar 2011, 18:00 bis 19:00 Uhr

Ort: Zeughaus Lenzburg, Ringstrasse West 19

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