Aktualisiert 26.03.2014 09:34

Tabuthema Lohn

So viel verdienen Herr und Frau Schweizer

Wie viel verdient ein Arzt, wie viel eine Floristin? Im Lohnbuch 2014 finden sich Angaben zu 9000 Salären. Der tiefste Lohn liegt bei 2000 Franken. Ein Streifzug durch Branchen und Berufe.

von
S. Spaeth

Wie viel verdienst du? Diese Frage ist bei Schweizern meist tabu. Und auch von sich aus spricht man nur ungern über das eigene Salär, denn Löhne sind in der Schweiz sowohl Reiz- als auch Neidthema. Auskunft über 9000 Brutto-Gehälter, Mindestlöhne und regionale Unterschiede bietet das 800 Seiten dicke Lohnbuch 2014. Autor des knapp 2 Kilogramm schweren Werks ist Philipp Mülhauser vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich.

Im Vorwort schreibt Mülhauser, dass sich die Lohntransparenz in der Schweiz in den letzen fünf Jahren verbessert hat. Grund dafür seien zahlreiche Lohnrechner im Internet. Auffällig ist, dass sich unter den am schlechtesten bezahlten Berufen vor allem typische Frauenberufe wie Floristin (mit Lehre minimal 3700.- pro Monat), Coiffeuse (gelernt 3600.-) oder Angestellte im Gastrobereich (ungelernt 3407.-; gelernt 4108.-) befinden. Den absoluten Tieflohn führt das Lohnbuch beim Zirkuspersonal wie Tierpfleger, Zeltarbeitende und Artisten: Es sind 2000 Franken im Monat.

Toplöhne: Nicht immer Zürich an der Spitze

Zudem zeigt das Lohnbuch auf, dass die Regel, wonach in Zürich stets die höchsten Saläre bezahlt werden, nicht für alle Branchen stimmt. So verdienen Angestellte von Kurierfirmen beispielsweise in der Region Basel rund 30 Prozent mehr als in Zürich. Ähnliches gilt für den Pharmasektor. Zudem verdienen Angestellte von Telekomfirmen in der Region Genf laut dem Lohnbuch 13 Prozent mehr als in Zürich.

Klicken sie sich in der Diashow durch die Löhne von A wie Analyst bis Z wie Zirkusartist.

Herr Siegenthaler*, wie steht die Schweiz in puncto Lohnungleichheit da?

Die Lohnungleichheit in der Schweiz ist im internationalen Vergleich relativ gering. Grund dafür ist, dass hierzulande meist auch die schlechter qualifizierten Personen relativ gut ausgebildet sind. Zudem liegt es an sozialen Normen. Enorme Unterschiede beim Lohn sind in der Schweiz weniger akzeptiert als im angelsächsischen Raum.

In welchen Branchen dürfen die Löhne zunehmen?

Die Löhne wachsen mittelfristig bei steigender Produktivität. Das wird in Zukunftsbranchen wie Pharma, Maschinenindustrie oder den wissensintensiven Dienstleistungsbranchen der Fall sein. Über alle Branchen hinweg dürften die Löhne vor allem in Jobs steigen, welche Kreativität, soziale Kompetenzen und kognitive Fähigkeiten erfordern.

Wer hat schlechte Karten?

Keine guten Aussichten haben beispielweise Coiffeure oder Angestellte im Gastgewerbe. Hier lässt sich die Produktivität nicht beliebig steigern, weshalb dem Lohnwachstum Grenzen gesetzt sind. Unter Druck werden die Löhne auch in Jobs kommen, welche ins Ausland verlagert oder künftig von Robotern und Computern ausgeführt werden können. (sas)

* Michael Siegenthaler ist Arbeitsmarktexperte bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich

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