Lohnbuch 2021 - So viel verdienen Lernende in der Schweiz
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Lohnbuch 2021So viel verdienen Lernende in der Schweiz

Ein Bäcker-Lehrling verdient viel mehr als ein Goldschmied. Und wie sieht es in der Coiffeur-Lehre aus? Das aktuelle Lohnbuch gibt Auskunft.

von
Barbara Scherer
Dominic Benz
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Automobil-Mechatroniker/Mechatronikerin im 1. Lehrjahr: 700, 2. Lehrjahr: 850, 3. Lehrjahr: 1050 und 4. Lehrjahr: 1300
Das sind die gesamtschweizerisch empfohlenen Löhne für Lernende auf dem Weg zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ), in Franken und pro Monat:

Automobil-Mechatroniker/Mechatronikerin im 1. Lehrjahr: 700, 2. Lehrjahr: 850, 3. Lehrjahr: 1050 und 4. Lehrjahr: 1300

Getty Images
Bäcker und Bäckerin: 1. Lehrjahr: 800, 2. Lehrjahr: 900 und 3. Lehrjahr: 1100

Bäcker und Bäckerin: 1. Lehrjahr: 800, 2. Lehrjahr: 900 und 3. Lehrjahr: 1100

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Coiffeur und Coiffeuse: 1. Lehrjahr: 500-700, 2. Lehrjahr: 600-800 und 3. Lehrjahr: 700-1000

Coiffeur und Coiffeuse: 1. Lehrjahr: 500-700, 2. Lehrjahr: 600-800 und 3. Lehrjahr: 700-1000

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Die Löhne unterscheiden sich von Lehre zu Lehre.

  • Auch bei den Lohnsprüngen zwischen den Lehrjahren gibt es grosse Unterschiede.

  • Wie viel Lernende verdienen, zeigt das neuste Lohnbuch.

Der Stellenwert von Geld hat in der Corona-Krise zugenommen: Besonders junge Schweizer und Schweizerinnen möchten gut verdienen. Umso wichtiger wird der Lohn für Lehrlinge. Wie viel Geld sich in welcher Lehre verdienen lässt, zeigt das Lohnbuch Schweiz der Volksdirektion des Kantons Zürich.

Der mehrere hundert Seiten schwere Wälzer gibt Aufschluss über Mindestlöhne beziehungsweise ortsübliche Löhne von tausenden Berufen in der Schweiz. Das Lohnbuch nennt zudem die gesamtschweizerisch empfohlenen Löhne von Lehrlingen in den einzelnen Lehrjahren.

Dabei fallen die Löhne im Branchenvergleich sehr unterschiedlich aus. So verdient etwa ein Jugendlicher, der das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) besitzt, als Goldschmied mit 450 Franken pro Monat im ersten Lehrjahr verhältnismässig wenig. Ein Kochlehrling erhält auf gleicher Stufe bereits 1020 Franken.

Lohnsprung ist im Malergeschäft grösser als in der Bäckerei

Es gibt auch grosse Unterschiede bei den Lohnsprüngen zwischen den Lehrjahren. So verdient eine Malerin oder ein Maler im ersten Lehrjahr zwischen 500 und 650 Franken im Monat. Im dritten und letzten Lehrjahr gibt es mit 1200 bis 1600 Franken mehr als doppelt so viel.

Als Bäckerin oder Bäcker gibt es hingegen nur kleine Lohnsprünge: Während es im ersten Lehrjahr durchschnittlich 800 Franken gibt, sind es im dritten Lehrjahr mit 1100 nur 300 Franken mehr.

Wie viel die Lehrlinge verdienen, erfährst du in der Bildergalerie oben.

Wie es im Lohnbuch aber heisst, könnte das Lohnniveau künftig steigen. Grund ist die durch die Pandemie verursachte Lehrstellenkrise. Stefan Wolter, Bildungsökonom der schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, schätzt, dass es bis 2025 bis zu 20 Prozent weniger Lehrstellen geben wird. Zudem dürfte sich die Jugendarbeitslosigkeit akzentuieren.

Das alles dürfte «in absehbarer Zukunft zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften» führen. Davon könnten wiederum die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit Blick auf den Lohn profitieren. «Vor allem gut ausgebildete Arbeitskräfte könnten sich in einer besseren Verhandlungsposition wiederfinden», heisst es im Lohnbuch weiter.

Auf Lohnverhandlung vorbereiten

Wer aber mit seinem Lohn nach der Lehre als Berufseinsteiger nicht zufrieden ist, kann das Salär etwa mit Verhandeln aufbessern. Das bedingt allerdings Vorbereitung. «Man sollte wissen, welche Löhne im Beruf gezahlt werden», sagt Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband Schweiz, auf Anfrage.

Auch eine Weiterbildung kann den Lohn erhöhen. Doch was sollte man dabei beachten? «Wichtig ist, seinen Interessen nachzugehen und etwas zu wählen, das man in der Praxis anwenden kann», sagt Kraft. In welche Richtung man gehen wolle, finde man oft schon während der Lehre raus. Man sollte sich aber nicht nur wegen des Lohns weiterbilden. «Damit würde man nicht glücklich.»

«Man kann überall viel Geld verdienen, wenn man will»

Warum gibt es so grosse Lohnunterschiede?Das hat mit Angebot und Nachfrage zu tun: Eine Lehrstelle als Koch ist schwieriger zu besetzen als jene zum Automechaniker. Ebenso kommt es darauf an, wie schnell ein Lehrling eingesetzt werden kann und wie hoch sein Anteil an der Wertschöpfung ist. Auch spielen Arbeitszeiten und Rahmenbedingungen wie etwa Arbeiten im Freien eine Rolle.

Sind besser bezahlte Lehren anspruchsvoller?Absolut nicht. Es gibt auch sehr anspruchsvolle Jobs, die weniger gut bezahlt sind.

Verdient man nach einer gut bezahlten Lehre auch nachher noch mehr?In den ersten Jahren ist das so. Aber das relativiert sich mit der Zeit. Der Lohn hängt dann damit zusammen, wie viel Verantwortung man übernimmt oder welche Weiterbildung man gemacht hat. Demnach kann man überall viel Geld verdienen, wenn man will.

Wie wichtig ist der Lohn bei der Suche nach einer Lehre?Der Lohn sollte nicht im Vordergrund stehen. Wichtiger ist, dass die Lehre Spass macht, man im Team integriert ist und einen Sinn in der Arbeit sieht. So ist man engagierter und motivierter. Mit der Karriere und dem Lohn gehts dann automatisch weiter.

*Urs Casty ist Gründer und Chef der Lehrstellenplattform Yousty.ch

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