Grosse Lohnunterschiede: So viel verdienen Lehrpersonen mit und ohne Diplom

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Grosse LohnunterschiedeSo viel verdienen Lehrpersonen mit und ohne Diplom

Ausgebildete Lehrpersonen verdienen je nach Kanton unterschiedlich. Lehrkräfte ohne Diplom bekommen dabei bis zu 20 Prozent weniger.  

von
Seline Bietenhard
Monira Djurdjevic
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Schulleitungen müssen vermehrt auf Personen ohne pädagogische Ausbildung zurückgreifen. (Symbolbild)

Schulleitungen müssen vermehrt auf Personen ohne pädagogische Ausbildung zurückgreifen. (Symbolbild)

20min/Michael Scherrer
Die Lehrerverband-Chefin schlägt wegen Lehrpersonen ohne Diplom Alarm. (Symbolbild)

Die Lehrerverband-Chefin schlägt wegen Lehrpersonen ohne Diplom Alarm. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
Mittlerweile könne man nicht mehr von «Bildung sprechen, sondern lediglich von Betreuung». (Symbolbild)

Mittlerweile könne man nicht mehr von «Bildung sprechen, sondern lediglich von Betreuung». (Symbolbild)

Tamedia/Raisa Durandi

Darum gehts

  • In der Schweiz herrscht akuter Lehrpersonenmangel.

  • Einzelne Kantone stellen deshalb Lehrpersonen ohne Diplom ein. Diese verdienen jeweils weniger als ausgebildete Lehrkräfte. 

  • Die Beträge, die dadurch gespart werden, sollen für Weiterbildungen der Lehrpersonen ohne Diplom eingesetzt werden, fordert der Verein Schule und Elternhaus.

In der Schweiz herrscht akuter Lehrpersonenmangel. Einzelne Kantone stellen deshalb Lehrpersonen ohne Diplom ein. Lehrerverbände befürchten Qualitätseinbussen und schlagen Alarm. Sie fordern Lösungen, welche die Qualität an Schulen langfristig sichern. Dazu gehören unter anderem höhere Löhne. Doch wie viel verdienen Lehrpersonen mit und ohne Diplom in der Schweiz?

Im Kanton Genf beträgt der Einstiegslohn für eine ausgebildete Primarlehrperson rund 97‘010 Franken pro Jahr und ist damit schweizweit der höchste Einstiegslohn auf der Primarstufe. Deutlich weniger verdient eine Primarlehrerin im Kanton Tessin, dort beträgt der Jahreslohn für Einsteigerinnen und Einsteiger etwa 65’800 Franken. Den höchsten Lohn auf der Oberstufe erhalten Berufseinsteiger im Kanton Zürich: 98‘592 Franken pro Jahr. Im Kanton Nidwalden beträgt der Einstiegslohn auf der Oberstufe hingegen 85’280 Franken.

Auch bei den Maximallöhnen zeigen sich grosse Unterschiede:  Im Kanton Zürich liegt dieser auf der Oberstufe bei knapp 160’000 Franken und auf der Primarstufe bei fast 150’000 Franken, in St. Gallen sind es 140’000 Franken beziehungsweise knapp 120’000 Franken und im Kanton Wallis liegt der höchstmögliche Lohn für ausgebildete Lehrpersonen bei 130’000 Franken beziehungsweise 110’000 Franken. 

Bis zu 20 Prozent weniger Lohn

Personen ohne Lehrdiplom verdienen in der Schweiz bis zu 20 Prozent weniger als ausgebildete Lehrkräfte. «Die vom betroffenen Kanton eingesparten Lohnkosten sollten für die Unterstützung und die Weiterbildung von Personen ohne Lehrdiplom eingesetzt werden», sagt Gabriela Heimgartner, Co-Präsidentin des Vereins Schule und Elternhaus. Das sei wichtig, damit diese Personen im Lehrberuf bleiben und eine pädagogische Ausbildung erhalten. «Ansonsten haben wir das Problem, dass aufgrund der befristeten Arbeitsverhältnisse für Lehrpersonen ohne Diplom ein ständiger Wechsel an den Schulen entsteht.»

Laut der Zürcher Bildungsdirektion sind die Gemeinden über die Unterstützungsangebote für Personen ohne Lehrdiplom durch den Kanton informiert worden. Es sei den Gemeinden als Arbeitgeber aber überlassen, ob sie davon Gebrauch machen. Eine Lehrperson ohne Diplom erhält beispielsweise im Kanton Zürich rund 80 Prozent des jeweiligen Einstieglohns. 

«Im Kanton Thurgau müssten allfällige Aus- oder Weiterbildungen individuell mit den Pädagogischen Hochschulen koordiniert werden», so Peter Töngi, Leiter Finanzen Schulgemeinden im Amt für Volksschule Kanton Thurgau. Im Kanton Nidwalden gibt es etwa 90 Prozent des üblichen Gehalts. Ein Ausgleich für die gesparten zehn Prozent ist bisher nicht geplant, wie es auf Anfrage heisst. 

«Eltern befürchten, dass wegen des Lehrermangels jeder genommen wird»

«Die Bildungsqualität ist in Gefahr. Wenn ich als Mutter erfahren würde, dass meine Tochter zu einer Lehrperson ohne Ausbildung kommt, könnte ich nicht mehr gut schlafen», sagte Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), am Montag. Auch beim Verein Schule und Elternhaus zeigt man sich besorgt. «Das Schlimmste für die Eltern ist die Ungewissheit, wer kommt und was für eine Person die Kinder unterrichten wird», sagt Co-Präsidentin Gabriela Heimgartner.

Insbesondere da die Eltern befürchten, dass alle Personen genommen werden müssten, da es sowieso zu wenig Auswahl hat. «Vor den Sommerferien waren noch viele Stellen offen. Diese mussten teilweise kurzfristig besetzt werden, was die Unsicherheit der Eltern verstärkte.» Laut Heimgartner wünschen sich die Eltern grundsätzlich eine motivierte und kompetente Lehrperson.

Laut Stefan Wolter, Bildungsökonom und Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, kann man derzeit nicht sagen, ob die Bildung schlechter wird. «Das hängt von Fall zu Fall ab und vom Fachwissen der unterrichtenden Person.» Er sieht aber auch Chancen: «Damit könnte frischer Wind in die Schulen gebracht werden. Denn die Personen kommen freiwillig in den Beruf rein und verfügen über recht hohe Motivation.» 

Sollten Lehrpersonen mit und ohne Diplom gleich viel verdienen? 

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