Aktualisiert 13.09.2018 13:32

Internationale Studie

So viel verdienen Schweizer Lehrer

Kürzlich hat der Schweizer Lehrerverband höhere Löhne gefordert. Die Lehrer stehen im internationalen Vergleich aber sehr gut da, wie eine Studie zeigt.

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nk/anp
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Eine neue Studie der OECD zeigt: Im Vergleich zu anderen Ländern stehen die Schweizer Lehrer sehr gut da.

Eine neue Studie der OECD zeigt: Im Vergleich zu anderen Ländern stehen die Schweizer Lehrer sehr gut da.

Keystone/Christian Beutler
Nur Luxemburger Lehrer verdienen deutlich mehr als ihre Schweizer Berufskollegen. In Deutschland sind die Einstiegslöhne auf Primar- und Sekundarstufe ganz leicht höher.

Nur Luxemburger Lehrer verdienen deutlich mehr als ihre Schweizer Berufskollegen. In Deutschland sind die Einstiegslöhne auf Primar- und Sekundarstufe ganz leicht höher.

Keystone/Bernd Wüstneck
Die Lohndatenerhebung der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz belegt: Im Schnitt verdienen Schweizer Lehrer 77'068 Franken im Jahr auf Primarstufe, auf Sekundarstufe 90'723 Franken und knapp über 100'000 auf Gymnasialstufe.

Die Lohndatenerhebung der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz belegt: Im Schnitt verdienen Schweizer Lehrer 77'068 Franken im Jahr auf Primarstufe, auf Sekundarstufe 90'723 Franken und knapp über 100'000 auf Gymnasialstufe.

Keystone/Christian Beutler

Nur Luxemburger Lehrer verdienen mehr als ihre Schweizer Berufskollegen: Laut einer neuen Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) stehen die Schweizer Lehrer im internationalen Vergleich sehr gut da. Auf allen Bildungsstufen liegen die kaufkraftbereinigten Löhne (siehe Box) unter den Top 3 von über 30 OECD-Ländern. In Deutschland sind nur die Einstiegslöhne auf Primar- und Sekundarstufe ganz leicht höher.

Je nach Stufe betragen die Einstiegslöhne in der Schweiz mehr als das Doppelte des OECD-Schnitts. In der Vorschule liegen sie immer noch knapp 75 Prozent darüber. Trotzdem forderte der Lehrerverband Ende Juni mehr Gehalt, um den Beruf attraktiver zu machen.

«Generelle Lohnerhöhung ist der falsche Ansatz»

«Natürlich fordert eine Gewerkschaft immer höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Berufsgruppe», sagt SVP-Nationalrätin Nadja Pieren. Sie nehme das nicht so ernst. Lehrer hätten auch nicht monetäre Anreize, den den Beruf auszuüben, sagt sie: «Sie haben etwa mehr Ferien oder können ihre Vorbereitungszeit flexibel einteilen.»

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen findet: «Eine generelle Lohnerhöhung ist meines Erachtens nach der falsche Ansatz.» Man müsse den Beruf als Ganzes attraktiver machen, um etwa auch Quereinsteiger zu ermutigen. Das gehe nicht nur über das Gehalt. «Unseren Lehrern geht es im internationalen Vergleich relativ gut», sagt auch Parteikollege Christoph Eymann.

Beruf soll attraktiver werden

Für Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands LCH, ergibt der Vergleich mit dem Rest der OECD aber keinen Sinn: «Wir müssen im Inland rekrutieren.» Daher müssten die Einstiegslöhne für Lehrpersonen verglichen mit anforderungsgleichen Berufen konkurrenzfähig sein.

Im Schnitt verdienen Schweizer Lehrer nach dem zehnten Anstellungsjahr 100'641 Franken auf Primarstufe, auf Sekundarstufe 118'293 Franken und 135'961 Franken auf Gymnasialstufe. Vor allem auf den unteren Stufen liegen die Löhne unterhalb des Schweizer Durchschnittslohns von 6500 Franken zu Beginn der Anstellung.

Der Beruf müsse attraktiver gemacht werden, so Zemp: «Und das geht nun mal auch über den Lohn.» In den nächsten Jahren brauche es Tausende neue Lehrpersonen, weil die Schülerzahlen stark ansteigen würden. Ausserdem kämpfe man mit überdurchschnittlich vielen Pensionierungen.

«Wir müssen zu unseren Lehrern Sorge tragen», so Eymann. Zu guten Arbeitsbedingungen gehöre nicht zuletzt auch ein angemessener Lohn. «Die Arbeitsbelastung ist in den letzten Jahren gestiegen.»

Lockeres Leben?

Trotz höherer Arbeitsbelastung: Lehrer haben 13 Wochen unterrichtsfreie Zeit und je nach Kanton zwischen 21 und 32 Lektionen pro Woche. Teilweise haben sie auch Anspruch auf ein Sabbatical. In Basel etwa können die Lehrer ab dem 55. Altersjahr einen bezahlten Urlaub von der Dauer eines Semesters einziehen – wenn es die «schulorganisatorischen Möglichkeiten» zulassen.

Doch dass sie ein lockeres Leben hätten, sei ein Klischee, sagt Urban Fraefel, Professor an der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Die absolute Jahresarbeitszeit einer Lehrperson liegt über dem Durchschnitt aller Arbeitstätigen.» Ferien seien zunehmend mit Weiterbildungen belegt. Man sei im Schulalltag zudem stark an inhaltliche und organisatorische Vorgaben gebunden.

«Zu gutem Unterricht gehört eine seriöse Vorbereitung»

Weiter zeigt die OECD-Studie: Das Verhältnis von der reinen Unterrichts- zur Gesamtarbeitszeit ist in der Schweiz im Vergleich sehr tief. Hier sieht FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler ein Problem: «Lehrer können sich nicht mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren – das Unterrichten.» Administrative Lasten führten zu weniger Ausbildungsqualität, so Bigler. «Es müssen bessere Schulmodelle her, Prozesse müssen digitalisiert und damit vereinfacht werden.»

Zemp ergänzt, Lehrpersonen müssten neben administrativen Arbeiten etwa auch Elternkontakte pflegen. Zudem: «Zu einem guten Unterricht gehören auch eine seriöse Vor- und Nachbereitung, Weiterbildung und Schulentwicklung.»

Kaufkraftbereinigung Um Lehrerlöhne miteinander vergleichen zu können, reicht es nicht aus, die Saläre in eine bestimmte Währung umzurechnen, z. B. US-Dollar, da in den unterschiedlichen Ländern die Kaufkraft stark abweichen kann. Beispielsweise kostet Fleisch in der Schweiz mehr als in Deutschland. Um das Wohlstandsniveau vergleichen zu können, bedienten sich die OECD darum dem Konzept der Kaufkraftparität. Dabei werden die Löhne in Relation zu einem Modellwarenkorb gesetzt.

Kaufkraftbereinigung Um Lehrerlöhne miteinander vergleichen zu können, reicht es nicht aus, die Saläre in eine bestimmte Währung umzurechnen, z. B. US-Dollar, da in den unterschiedlichen Ländern die Kaufkraft stark abweichen kann. Beispielsweise kostet Fleisch in der Schweiz mehr als in Deutschland. Um das Wohlstandsniveau vergleichen zu können, bedienten sich die OECD darum dem Konzept der Kaufkraftparität. Dabei werden die Löhne in Relation zu einem Modellwarenkorb gesetzt.

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