Rekord-Sommer: So viel Wasser verbraucht wie noch nie
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Rekord-SommerSo viel Wasser verbraucht wie noch nie

In den Monaten April bis Juli gab es vielerorts kaum Niederschlag. Deswegen mussten beispielsweise im Kanton Zürich Wasser-Notbezüge bewilligt werden.

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kat
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Junge Reben werden bewässert. Die Ostschweiz und Graubünden hatten im Sommer 2018 mit grosser Trockenheit zu kämpfen. (10. Juli 2018)

Junge Reben werden bewässert. Die Ostschweiz und Graubünden hatten im Sommer 2018 mit grosser Trockenheit zu kämpfen. (10. Juli 2018)

Keystone/Gian Ehrenzeller
Besonders Gemüsebauern, die enorm viel Wasser für ihre Kulturen benötigen, waren auf zusätzliche Wasserversorgung angewiesen.

Besonders Gemüsebauern, die enorm viel Wasser für ihre Kulturen benötigen, waren auf zusätzliche Wasserversorgung angewiesen.

Keystone/Thomas Hodel
MeteoNews hat die Daten zum Sommer 2018 analysiert und grafisch dargestellt.

MeteoNews hat die Daten zum Sommer 2018 analysiert und grafisch dargestellt.

MeteoNews.ch

Ein Traumsommer liegt hinter uns. Viel Sonne, hohe Temperaturen, wenig Regen. Bei Letzterem spricht Stephan Bader von Meteo Schweiz gegenüber dem «Tages-Anzeiger» von einem «Jahrhundertereignis». Die Aussage bezieht sich auf die Ostschweiz. Dort fielen dieses Jahr nur 46 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge. Dieser Wert wurde seit Messbeginn nur im Jahr 1870 unterboten.

Auch in Zürich gibt es ein paar interessante Zahlen: Im Juni wurde in Bülach mit 35 Millimetern am wenigsten Regen verzeichnet, wo in den Jahren zuvor 53 bis 197 Millimeter gefallen waren, wie es im Bericht weiter heisst. Und im Juli gehörte Hinwil mit nur 26 Millimetern zu den trockensten Gemeinden des Kantons. Am Messstandort Winterthur-Seen waren die Monate April bis Juli die regenärmste Periode seit 1870.

Ausserordentliche Wasserentnahmen

Aufgrund der Regenarmut erhielten im Kanton Zürich die Landwirte Sonderbewilligungen zur ausserordentlichen Wasserentnahme. Zuletzt waren in den Hitzesommern 2003, 2006 und 2015 derartige Notbezüge bewilligt worden.

Vor allem Gemüsebauern brauchen enorm viel Wasser, um ihre Kulturen zu pflegen. Die Gruppenwasserversorgung Furttal (GWF) verzeichnete 2018 einen Rekord beim Wasserverbrauch. Sie beliefert 13 Gemeinden mit Wasser, sobald ihnen zu wenig aus eigenen Quellen und dem Grundwasser zur Verfügung steht. Von April bis August lieferte die GWF 2,51 Millionen Kubikmeter Wasser aus – so viel wie noch nie.

Auch die Gruppenwasserversorgung Vororte und Glatttal spricht von einem absoluten Rekord. Am 6. August lieferte sie 51'360 Kubikmeter Wasser. Der Durchschnittswert liege im Sommer bei rund 30'000 Kubikmetern. Laut den Behörden war die Wasserversorgung jedoch nie gefährdet. Die Unterländer mussten einfach mehr Wasser von den Partnerversorgungen beziehen.

Regenmengen werden weiter abnehmen

Einen Extremsommer wie diesen dürfte es in Zukunft häufiger geben, wie Stephan Bader zum «Tages-Anzeiger» sagt. «Als Folge der erwarteten weiteren Erwärmung ist mit einem Rückgang der Sommerniederschläge zu rechnen.» Den Prognosen zufolge, die bis 2060 reichen, dürften in der Ostschweiz künftig zehn Prozent weniger Regen fallen. Im Westen und Süden dürfte die Diskrepanz noch grösser sein.

«Ohne wirksame Interventionen gegen die Klimaerwärmung könnte die Niederschlagsabnahme im Westen und im Süden der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts gegen 30 Prozent betragen», sagt Bader.

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