Neue Berechnung: So viel würde die Elternzeit in der Schweiz kosten
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Neue BerechnungSo viel würde die Elternzeit in der Schweiz kosten

Seit Anfang 2021 dürfen Schweizer Männer Vaterschaftsurlaub beziehen. Die Kommission für Familienfragen setzt sich für eine allgemeine Elternzeit ein – und rechnet vor, wie viel diese kosten würde.

von
Reto Heimann
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Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen macht sich für die Elternzeit stark.

Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen macht sich für die Elternzeit stark.

20min/Celia Nogler
Zusätzlich zu den 14 Wochen Mutter- resp. zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sollen 22 Wochen Elternzeit eingeführt werden.

Zusätzlich zu den 14 Wochen Mutter- resp. zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sollen 22 Wochen Elternzeit eingeführt werden.

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Davon müssten Männer fix sechs Wochen beziehen.

Davon müssten Männer fix sechs Wochen beziehen.

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Darum gehts

  • Rund 1,3 Milliarden Franken: So viel würde die Elternzeit in der Schweiz jährlich kosten, schätzt die Eidgenössische Kommission für Familienfragen.

  • Von im Modell geplanten 22 Wochen Elternzeit sollen sechs fix für die Väter reserviert sein.

  • Das heutige System von Mutter- und Vaterschaftsurlaub kostet rund eine Milliarde Franken jährlich.

Seit 1. Januar 2021 ist in der Schweiz der Vaterschaftsurlaub in Kraft. Jeder Vater hat das Recht auf zwei Wochen bezahlte Absenz vom Arbeitsplatz innerhalb der ersten sechs Monate nach Geburt seines Kindes. Die Schweizer Bevölkerung nahm eine entsprechende Vorlage im September 2020 mit 60,3 Prozent an. Schon länger kennt die Schweiz den Mutterschaftsurlaub: Frauen dürfen nach der Geburt 14 Wochen arbeitsfreie Zeit beziehen.

Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen (EKFF) fordert anstelle von Vater- und Muttschaftsurlaub die Einführung einer sogenannten Elternzeit. Dabei wäre es Vater und Mutter möglich, den Vater- respektive den Mutterschaftsurlaub frei untereinander aufzuteilen. Der EKFF schwebt eine reine Elternzeit von 22 Wochen vor.

«Nicht alte Rollenbilder zementieren»

Wichtig ist der EKFF dabei, dass die bisherigen sozialpolitischen Errungenschaften – der Mutter- und der Vaterschaftsurlaub – nicht geschmälert werden. Die Elternzeit sei zusätzlich zu den bestehenden Lösungen zu sehen, betont Nadine Hoch, Geschäftsleiterin EKFF, auf Anfrage: «Wir setzen uns für ein Elternzeit-Modell von insgesamt 38 Wochen ein, Vater- und Mutterschaftsurlaub miteingerechnet», erklärt sie.

«Um zu verhindern, dass die Elternzeit alte Rollenbilder zementiert, müssen sechs Wochen der Elternzeit vom Mann bezogen werden», sagt Hoch. Die restlichen 16 Wochen könnten sich Mutter und Vater nach eigenem Gutdünken aufteilen.

Die EKFF hat nun erstmals berechnet, wie teuer die Elternzeit die Schweizer Wirtschaft zu stehen käme. Dabei geht sie davon aus, dass Väter fünf der für sie reservierten sechs Wochen Elternzeit beziehen. Frauen 15 der für sie maximal vorgesehenen 16 Wochen. In diesem Fall würde die Elternzeit 15’000 Franken pro Kind kosten – oder 1,3 Milliarden Franken gesamthaft pro Jahr.

Tessin als Vorreiter?

Würden die 16 Wochen Elternzeit gleichmässig aufgeteilt – also acht Wochen vom Vater und acht Wochen von der Mutter bezogen –, stiegen die Kosten auf 1,49 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die Kosten für den Vater- und Mutterschaftsurlaub, wie wir ihn heute kennen, liegen bei rund einer Milliarde Franken pro Jahr.

Zurzeit sammelt eine Interessensgemeinschaft Unterschriften für eine Volksinitiative, die die Elternzeit einführen will. Die Elternzeit geniesst vor allem im linken politischen Lager Unterstützung. Uneinig ist man sich noch über die konkrete Ausgestaltung der Elternzeit. Als erster Kanton in der Schweiz führte der Kanton Tessin im Januar 2021 eine Elternzeit ein – diese beträgt allerdings nur zwei Wochen.

Die EKFF

Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen ist eine ausserparlamentarische Kommission. Sie setzt sich für familienfreundliche Rahmenbedingungen ein. Der EKFF gehören 15 Mitglieder aus familienpolitischen Organisationen und Fachleute an. Sie berät den Bundesrat in familienpolitischen Fragen.

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